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Gastrointestinaltrakt

Schauplatz von Infektionen

Viele Infektionen des Dünn- und Dickdarms manifestieren sich als akute selbstlimitierende Diarrhö. Eine Ausnahme ist die Giardiasis. Sie ist in Deutschland die häufigste infektiöse Ursache einer chronischen Diarrhö und kann insbesondere bei Antikörpermangelsyndromen ohne Therapie dauerhaft persistieren. Die akute infektiöse Diarrhö dauert definitionsgemäß bis zu zwei Wochen und wird meist durch Viren oder Bakterien ausgelöst.

Obwohl eine große Vielzahl sehr unterschiedlicher Erreger dazu in der Lage ist, eine infektiöse Diarrhö hervorzurufen, sind in Deutschland vier Erreger für mehr als 90 Prozent der Krankheitsfälle verantwortlich: Norovirus, Rotavirus, Campylobacter und Enteritis-Salmonellen. Infektionen mit diesen vier Erregern gehören hier nach Angaben des Robert-Koch-Instituts mit Inzidenzraten zwischen 16/100.000 Einwohner (Salmonellen-Enteritis) und 103/100.000 Einwohner (Norovirus-Enteritis) zu den häufigsten Erkrankungen.  Die Ansteckung erfolgt meist über kontaminierte Nahrungsmittel. Klinisch imponieren die Infektionen mit den genannten Erregern durch akut einsetzende Diarrhö, bei viraler Genese typischerweise verbunden mit Nausea und Vomitus, die allerdings auch bei bakterieller Genese auftreten können.

Eine blutig-schleimige Diarrhö verbunden mit krampfartigen Unterbauchschmerzen entspricht dem klinischen Bild der Dysenterie und ist ein klarer Hinweis für eine bakterielle Infektion. Bei einer dysenterischen Ausprägung sollten auch Shigellen als mögliche Erreger in Betracht gezogen werden. Aufgrund der unspezifischen Symptomatik ist es im Einzelfall allerdings nicht sicher möglich, aus dem klinischen Bild auf den Erreger zu schließen.

Auch die Erregerdiagnostik ist nicht einfach. Die Ausbeute der Stuhlkultur, der Goldstandard der Diagnostik der infektiösen Diarrhö, ist sehr gering. Der Stellenwert moderner molekularbiologischer Verfahren mit höherer Sensitivität ist umstritten. Tatsächlich ist für das klinische Management die Kenntnis des auslösenden Erregers nur selten von Bedeutung, weil die für die Behandlung entscheidenden Maßnahmen supportiv sind und sich im Wesentlichen auf den Ausgleich von Wasser- und Elektrolytverlusten konzentrieren (9).

Eine Antibiotikatherapie ist nur in Ausnahmefällen bei besonders schwerem Verlauf oder bei Patienten mit erhöhtem Risiko für Komplikationen, also immunsupprimierten, onkologischen oder alten Patienten mit signifikanter Komorbidität, gerechtfertigt. Für diese Fälle wird im Rahmen der entsprechenden deutschen Leitlinie als Erstlinienpräparat Azithromycin empfohlen, mit dem auch Fluorchinolon-resistente Campylobacter spp. sicher erfasst werden (10).

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