| Theo Dingermann |
| 31.08.2026 13:30 Uhr |
Das kolorektale Karzinom gehört zu den immunologisch vergleichsweise »kalten« Tumoren. Seine Mikroumgebung kann immunsuppressiv wirken, und viele dieser Tumoren reagieren nur unzureichend auf Immuntherapien.
Eine mRNA-Krebsimmuntherapie kann zwar tumorspezifische Antigene bereitstellen und T-Zell-Antworten induzieren; daraus folgt aber nicht automatisch, dass diese T-Zellen im Tumorgewebe eine klinisch ausreichende antitumorale Wirkung entfalten können. Biontech selbst interpretiert die Ergebnisse entsprechend als Hinweis auf die besonderen Schwierigkeiten einer mRNA-Monotherapie bei Tumoren, die historisch schlecht auf Immuntherapien ansprechen.
Gerade deshalb wäre es voreilig, aus dem Abbruch ein grundsätzliches Scheitern personalisierter mRNA-Krebsimpfstoffe abzuleiten. Denn fast zeitgleich liefert die Entwicklung beim Melanom ein Gegenbeispiel. Moderna und MSD erreichten mit dem personalisierten mRNA-Kandidaten Intismeran in Kombination mit dem PD-1-Checkpoint-Inhibitor Pembrolizumab (Keytruda®) die primären Studienziele in der zulassungsrelevanten Phase III. Die Daten deuten an, dass die Kombination das Risiko eines Wiederauftretens des Melanoms stärker als die Immuntherapie allein reduziert.
Die beiden Programme der Kontrahenten unterscheiden sich in entscheidenden Punkten: in der Tumorentität, ihrer Immunogenität, der Patientenselektion und vor allem im Therapiekonzept.
Während Autogene Cevumeran beim kolorektalen Karzinom als alleinige Immuntherapie geprüft wurde, kombiniert Moderna seine individualisierte mRNA-Therapie beim Melanom mit einer Checkpoint-Blockade. Die eine Strategie soll dem Immunsystem gewissermaßen die Zielkoordinaten liefern, die andere zusätzlich jene immunologischen Bremsen lösen, die eine effektive T-Zell-Antwort verhindern können.
Damit zeichnet sich möglicherweise eine wichtige Entwicklungslinie der mRNA-Onkologie ab. Der entscheidende Wert der Technologie könnte weniger in einer isolierten mRNA-Monotherapie als in rational konstruierten Kombinationen liegen.
Die mRNA-Komponente erzeugt beziehungsweise verstärkt eine hochspezifische Immunantwort gegen patientenindividuelle Neoantigene. Checkpoint-Inhibitoren, Chemotherapie oder andere Immunmodulatoren könnten dafür sorgen, dass diese Immunantwort im Tumormilieu tatsächlich wirksam wird.