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Herz-Kreislauf-Erkrankungen
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Risiko abschätzen und bewerten

Zu den geplanten neuen pharmazeutischen Dienstleistungen zählt eine »Beratung mit Messungen zu Risikofaktoren von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus«. Hausärzte machen diese Beratung schon lange – und haben eine eigene Leitlinie dazu geschrieben.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 27.05.2026  16:20 Uhr

Wertschätzend kommunizieren, gemeinsam entscheiden

Welche Maßnahmen zur Primärprävention von kardiovaskulären Ereignissen ergriffen werden, ist eine Entscheidung, die Arzt und Patient gemeinsam treffen sollen. Eine klare und verständliche Kommunikation zur Höhe des Risikos ist dabei unerlässlich. Das Beratungsgespräch sollte laut der Leitlinie die Lebenssituation des Patienten sowie seine Ressourcen berücksichtigen, Stigmatisierung vermeiden und auf einzelne Gesundheitsverhaltensweisen fokussieren. Empfohlen wird eine strukturierte, motivierende Beratung etwa nach der 5A-Methode (»ask, advise, assess, assist, arrange«) oder der 3A-Methode (»ask, advice, assist«).

Die Empfehlungen der Leitlinie für einen herzgesunden Lebensstil sind altbekannt: eine an der mediterranen Kost orientierte Ernährung, regelmäßige Bewegung (pro Woche mindestens 150 Minuten moderate Intensität oder 75 Minuten starke Intensität), nicht rauchen und keinen oder möglichst wenig Alkohol trinken. »Es sollte nicht empfohlen werden, zur Reduktion des koronaren Risikos geringe Mengen Alkohol zu konsumieren«, heißt es explizit zum letzten Punkt. Ebenfalls extra erwähnt werden Nahrungsergänzungsmittel mit Betacarotin, Vitamin D und Vitamin E – sie werden für Personen ohne nachgewiesenen Mangel oder erhöhten Bedarf nicht empfohlen.

ASS nur noch bei hohem Risiko gerechtfertigt

Von den Medikamenten zur Prävention von Herz-Kreislauf-Ereignissen streift die Leitlinie nur wenige, darunter die Acetylsalicylsäure (ASS). Deren Stellenwert als Thrombozytenaggregationshemmer hat sich in den letzten Jahren gewandelt, weil in der Gesamtbetrachtung zunehmend auch das Blutungsrisiko berücksichtigt wird. »ASS war früher mal ein wichtiges Medikament. Wir wissen aber inzwischen, dass es wegen des hohen Blutungsrisikos erst ab einem Zehn-Jahres-Risiko von 20 Prozent möglicherweise etwas nützt«, erklärte Popert.

»Immer wieder heiß diskutiert« werde die Frage einer Primärprävention mit Statinen. Die Leitlinie spricht für die Gabe eines Statins bei einem Zehn-Jahres-Risiko ab 20 Prozent eine »Soll«-Empfehlung aus und bei einem Zehn-Jahres-Risiko zwischen 10 und 20 Prozent eine »Sollte«-Empfehlung – allerdings nur bis zu einem Alter von 75 Jahren. »Bei Patienten über 75 Jahren können wir keine Empfehlung abgeben, weil es keine ausreichende Datenbasis gibt«, erläuterte Popert. Werden ältere Menschen schon seit mehr als zwei Jahren mit einem Statin behandelt, soll dieses laut Leitlinie allerdings nicht allein aus Altersgründen abgesetzt werden.

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