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Herz-Kreislauf-Erkrankungen
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Risiko abschätzen und bewerten

Zu den geplanten neuen pharmazeutischen Dienstleistungen zählt eine »Beratung mit Messungen zu Risikofaktoren von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus«. Hausärzte machen diese Beratung schon lange – und haben eine eigene Leitlinie dazu geschrieben.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 27.05.2026  16:20 Uhr

Validierte Scores benutzen – und sonst nichts

Um das individuelle Herz-Kreislauf-Risiko eines Menschen zu ermitteln, gibt es einige Instrumente. Die Scores namens arriba, SCORE2 beziehungsweise SCORE-OP oder PROCAM berücksichtigen Parameter wie Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index (BMI), Cholesterolwerte, Raucherstatus und Familienanamnese, um eine Wahrscheinlichkeit (in Prozent) zu errechnen, mit der jemand in den kommenden zehn Jahren ein kardiovaskuläres Ereignis erleiden wird.

Welche Werte berücksichtigt werden und auf welcher Datenbasis die Berechnung stattfindet, ist dabei von Instrument zu Instrument ein bisschen unterschiedlich. »Wichtig ist, dass ein validierter Score verwendet wird«, betonte Popert. »Aus Gründen der Praktikabilität« in der Hausarztpraxis am weitesten verbreitet sei das arriba-Tool. Dieses ermöglicht nicht bloß die Risikoabschätzung, sondern auch eine Simulation von Therapieeffekten. Es lässt sich also veranschaulichen, wie sich das Risiko verändert, wenn bestimmte Empfehlungen umgesetzt werden.

Uneinig waren sich Hausärzte und andere Fachgesellschaften bei der Erstellung der Leitlinie über den Stellenwert anderer Risikomarker wie koronarer Calciumscore (CAC), Intima-Media-Dicke der Aorta carotis, Albuminurie und eGFR, hochsensitives CRP, Knöchel-Arm-Index, Lipoprotein(a) sowie polygene Risikoscores. Von diesen sollte laut der Leitlinie routinemäßig keiner zusätzlich zu den traditionellen Risikofaktoren erhoben werden – eine Aussage, der unter anderem die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) nicht zustimmten.

Beispielhaft ging Popert auf das Lipoprotein(a) ein. Um dieses habe es in den letzten Jahren »einen Riesenhype« gegeben – dabei seien die Grenzwerte willkürlich und ohne Einbeziehung anderer Risikofaktoren gezogen worden. Laut der europäischen Kardiologie-Fachgesellschaft ESC sei noch nicht erwiesen, dass der Lp(a)-Wert die Vorhersagekraft der validierten Risikorechner verbessere. Zudem gebe es derzeit keine zugelassenen spezifischen Therapeutika speziell zur Senkung eines erhöhten Lp(a)-Werts. Angesichts der geringen Aussagekraft und der fehlenden therapeutischen Konsequenz hält der Mediziner den Nutzen der Lp(a)-Wert-Bestimmung für fraglich.

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