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Erste Hilfe
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Notfälle in der Apotheke

Ein Zusammenbruch vor oder in der Apotheke, ein Asthmaanfall, blutende Wunden oder ein verblitztes Auge: Akute Notfallsituationen sind Herausforderungen für das Apothekenpersonal, auf die es sich vorzubereiten lohnt.
AutorKontaktBarbara Staufenbiel
Datum 20.07.2023  11:00 Uhr

Insektenstiche können zum Notfall werden

Ein Mann eilt in die Apotheke, er ist gerade von einer Wespe gestochen worden. Er hat eine Wespengiftallergie und sein Notfallset daheim vergessen.

Durch einen Insektenstich gelangen Fremdeiweiße in den Körper, der darauf mit einer Abwehrreaktion reagiert. Das sind meist lokale Quaddeln, entzündliche Rötungen und Juckreiz. Ein Teil der Menschen reagiert mit sehr starken Schwellungen und einer nicht infektiösen Lymphangitis oder es kommt bei zunächst harmlosen Stichen nach ein paar Tagen zu einer bakteriellen Superinfektion mit Überwärmung und Rötung: Die Gefahr einer Sepsis ist erhöht. Diese Patienten müssen notfallmedizinisch versorgt werden; gegebenenfalls ist oral ein Corticoid oder ein Antibiotikum indiziert.

Symptome Erste-Hilfe-Maßnahmen
lokale Quaddeln, Schwellung, entzündliche Rötungen begleitet von Juckreiz topische Antihistaminika (Dimetinden, Bamipin), Corticoid-haltige Topika, Kühlung
starke Schwellung, nicht infektiöse Lymphangitis oder bakterielle Superinfektion mit Überwärmung und Rötung Antibiotikum, Corticoid, Arzt
Bienen- oder Wespengiftallergie: anaphylaktischer Schock, Alarmsymptome: Juckreiz, Erythem, Flush, Atemnot, gastrointestinale Probleme, Blutdruckabfall, erhöhter Puls, Schwindel bis zur Bewusstlosigkeit Notfallset mit H1-Antihistaminikum, Corticoid, Adrenalin
Stich in den Mund-Rachen-Raum mit Schwellung Kühlung mit Eiswürfeln, kalte Halswickel, Notfallset mit H1-Antihistaminikum, Corticoid, Adrenalin
Tabelle 3: Insektenstiche als Notfallsituation in der Apotheke; grundsätzlich gilt: Den Notarzt eher einmal zu viel als zu wenig rufen!

Unauffällige Insektenstiche werden gekühlt oder mit einem Hitzestick behandelt (Tabelle 3). Topische Antihistaminika, zum Beispiel Dimetinden und Bamipin, wirken antiallergisch und juckreizstillend durch Blockade der Histamin-Wirkung. Corticoid-haltige Topika wirken antientzündlich.

Ein Insektengift-Allergiker sollte immer ein Notfallset (Kasten) mit sich führen, um einen anaphylaktischen Schock zu vermeiden. Dies ist eine lebensgefährliche IgE-vermittelte Allergie vom Soforttyp. Alarmsymptome sind Juckreiz, Erythem oder Flush. Es kann zu Atemnot, gastrointestinalen Problemen (Übelkeit, Durchfall), Blutdruckabfall, erhöhtem Puls und Schwindel bis zur Bewusstlosigkeit kommen. Steckt der Stachel noch in der Haut, rät das Deutsche Rote Kreuz, diesen mit dem Fingernagel wegzukratzen oder die Pinzette zu verwenden und die Stichstelle anschließend zu desinfizieren. Ein Herausziehen mit den Fingern birgt die Gefahr, dass restliches Gift in die Haut gedrückt wird.

Ist der Patient bei Bewusstsein, sollten seine Beine hochgelagert werden (Schocklage). Bei Atemnot und stabilem Kreislauf ist Hinsetzen ideal, bei Bewusstlosigkeit und funktionierender Atmung die stabile Seitenlage. Fehlt die Atmung, sind Reanimationsmaßnahmen einzuleiten. Der Notarzt muss gerufen werden.

Aus dem Notfallset sollte der Patient sofort das H1-Antihistaminikum und das Corticoid einnehmen. Bei Atemnot, Herz-Kreislauf-Beschwerden oder Schwellungen im Mund-Nasen-Bereich ist der Adrenalin-Injektor anzuwenden. Adrenalin aktiviert α- und β-Adrenorezeptoren; dies bewirkt eine Vasokonstriktion und Bronchodilatation, verringert die Gefäßpermeabilität und stabilisiert damit die Kreislauffunktion.

Bei einem Stich in Mund oder Rachen oder wenn die Schwellung die Atemwege zu verlegen droht, ist der Notarzt zu verständigen. Bis zu seinem Eintreffen gibt man dem Betroffenen Kühles zum Lutschen und legt kalte Halswickel an. Die vierfache Tagesdosis eines oralen H1-Antihistaminikums ist indiziert. Sollten Atem- und Herz-Kreislauf-Probleme akut werden, sind Corticoid und Adrenalin-Pen aus dem Notfallset anzuwenden. In der Apotheke sollte man sehr genau abwägen, ob man selbst ein Arzneimittel verabreicht oder bis zum Eintreffen des Notarztes warten kann (Kasten).

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