Patienten mit Testosteronmangel oder sexuellen Beschwerden sollten in der Apotheke diskret, empathisch und wertfrei beraten werden. Weil solche Themen häufig schambesetzt sind, sollte das Apothekenteam niedrigschwellig eine Beratung in geschützter Atmosphäre anbieten. Gezielte Fragen helfen, Beschwerden einzuordnen; bei Bedarf ist zur ärztlichen Abklärung zu raten. Persönliche Grenzen sind dabei zu respektieren.
Diskret, empathisch und wertfrei: So soll die Beratung in der Apotheke ablaufen. / © Shutterstock/Fancy Studio
Inhaltlich bietet die Beratung vor allem Ansatzpunkte bei beeinflussbaren Faktoren, die beispielsweise einen Altershypogonadismus begünstigen können. Dazu zählen ausgewogene Ernährung, Rauchverzicht, maßvoller Alkoholkonsum und regelmäßige Bewegung. Moderates Kraft- oder Ausdauertraining von etwa 45 Minuten pro Tag kann den Testosteronspiegel günstig beeinflussen, während extreme Ausdauerbelastungen wie Marathontraining den Hormonhaushalt eher beeinträchtigen. Ausdauersportler sollten daher ein- bis zweimal pro Jahr ihren Testosteronwert kontrollieren lassen und bei niedrigen Werten ihr Trainingsprogramm umstellen.
Auch Zink kann Thema sein, da es für die Aktivität der 5α-Reduktase wichtig ist, die Testosteron in Dihydrotestosteron umwandelt. Eine Supplementation des Spurenelements sollte jedoch nur bei nachgewiesenem Mangel erfolgen. Zinkreiche Lebensmittel sind Austern, Rindfleisch, Leber, Käse, Haferflocken, Nüsse, Kürbiskerne, Linsen und Vollkornprodukte (30, 45, 46, 47).
Ebenso gehören die Überprüfung der aktuellen Medikation sowie die Aufklärung über Fehlanwendungen zur pharmazeutischen Beratung. Testosteron ist kein Lifestyle-Arzneimittel und darf weder zur Leistungssteigerung noch als Anti-Aging-Maßnahme eingesetzt werden. Auch von frei verkäuflichen »Testosteron-Boostern« oder Speicheltests ist abzuraten.
Für sportlich Aktive ist zudem relevant, dass Testosteron im Wettkampfsport verboten ist und nur mit medizinischer Ausnahmegenehmigung angewendet werden darf. Bei der Abgabe von hCG ist ebenfalls auf mögliche positive Dopingkontrollen hinzuweisen.
Bei topischer Testosteronanwendung sollte das Apothekenpersonal die Männer über die richtige Anwendung und das Risiko einer Übertragung durch Hautkontakt informieren. Wichtig sind Händewaschen nach der Applikation, das Abdecken des behandelten Hautareals und ein ausreichender zeitlicher Abstand bis zum nächsten engen Körperkontakt (48–51).
Silke Kerscher-Hack studierte Pharmazie an der Universität Regensburg. Ihre Promotion fertigte sie am Institut für Pharmazeutische Chemie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München an. Seit mehr als zehn Jahren verfasst sie Texte zu medizinischen sowie pharmazeutischen Themen. Kerscher-Hack hat eine Zusatzausbildung in Ernährungsberatung mit Fachrichtung Lebensmittelunverträglichkeiten absolviert.