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Testosteronmangel
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Nicht immer ist eine Substitution nötig

Antriebslosigkeit, nachlassende Libido oder Gewichtszunahme: Hinter solchen Beschwerden kann bei Männern ein Testosteronmangel stecken. Doch nicht jeder niedrige Laborwert ist krankhaft. Wann ist eine Hormontherapie indiziert und wer profitiert davon?
AutorKontaktSilke Kerscher-Hack
Datum 28.05.2026  11:00 Uhr

Primäre, sekundäre und tertiäre Formen

Neben dem funktionellen Hypogonadismus gibt es klassische beziehungsweise organische Formen. Diese beruhen auf angeborenen oder erworbenen Erkrankungen, die zu einer strukturellen und/oder irreversiblen Funktionsstörung der Hoden, der Hypophyse oder des Hypothalamus führen. In der alltäglichen andrologischen Abklärung machen organische Ursachen maximal 5 Prozent aus. Für die weitere Einordnung ist entscheidend, auf welcher Ebene die Störung liegt (Tabelle 1).

Form des Hypogonadismus Ursachen
Angeborene oder entwicklungsbedingte Störungen
primär angeborenes Fehlen funktionstüchtiger Keimzellen
(Gonaden-Dysgenesie und -agenesie)
Chromosomenanomalien wie Klinefelter-Syndrom (zusätzliches X-Chromosom)
sekundär isolierter LH-Mangel (Pasqualini-Syndrom)
Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose)
idiopathisch
tertiär Kallmann-Syndrom mit GnRH-Mangel und Verlust des Geruchssinns
Prader-Willi-Syndrom (verändertes Chromosom 15)
kongenitaler hypogonadotroper Hypogonadismus ohne Riechstörung
Androgenresistenz, verminderte Testosteronaktivität Kennedy-Krankheit (spinale und bulbäre Muskelatrophie)
5a-Reduktase-Typ-2-Mangel (Störung der Geschlechtsdifferenzierung)
Androgenresistenz
Erworbene Störungen
primär Entzündungen der Hoden (Orchitis), autoimmun bedingte Hodeninsuffizienz
Hodenläsionen wie Hodentorsion (Verdrehung des Hodens), Maldeszensus testis (Hodenhochstand), traumatische Hodenschädigung
Umwelttoxine, Alkoholkonsum
sekundär Hypophysenvorderlappen-Insuffizienz
entzündliche, tumoröse, vaskuläre oder traumatische Erkrankungen des Hypophysenvorderlappens
tertiär funktionelle hypothalamische Störungen, zum Beispiel durch Unterernährung, chronische Erkrankungen, intensiven Leistungssport
entzündliche, tumoröse, vaskuläre oder traumatische Erkrankungen des Hypothalamus
Androgenresistenz, verminderte Testosteronaktivität Zöliakie
Tabelle 1: Wichtige Formen und Ursachen des angeborenen und erworbenen Hypogonadismus (15, 16, 18, 20, 22, 25)
  • Beim primären (hypergonadotropen) Hypogonadismus ist die Gonadenfunktion eingeschränkt und die Testosteronbildung in den Hoden ist vermindert. Hypothalamus und Hypophyse dagegen sind weiterhin funktionsfähig. Durch den Wegfall der negativen Rückkopplung steigen die Gonadotropinspiegel (LH, FSH) an (20, 22, 23).
  • Beim sekundären (hypogonadotropen) Hypogonadismus liegt eine Störung des Hypothalamus-Hypophysen-Systems vor. Daraus resultiert eine unzureichende hypothalamische GnRH-Sekretion und/oder eine verminderte Ausschüttung von LH und FSH (follikelstimulierendes Hormon) aus der Hypophyse. Fehlt die hormonelle Stimulation der Hoden, sinkt die Testosteronproduktion.
  • Mitunter wird noch weiter unterschieden: Störungen der Hypophyse werden als sekundärer Hypogonadismus, Störungen des Hypothalamus mit GnRH-Mangel als tertiärer Hypogonadismus bezeichnet.

Ferner gibt es die subklinische beziehungsweise kompensierte Form des Hypogonadismus, bei der die Leydig-Zellen eingeschränkt funktionieren (Leydig-Zell-Dysfunktion), der Testosteronspiegel jedoch durch die vermehrte Stimulation mit LH aufrechterhalten wird (13, 15, 20, 24).

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