Neben dem funktionellen Hypogonadismus gibt es klassische beziehungsweise organische Formen. Diese beruhen auf angeborenen oder erworbenen Erkrankungen, die zu einer strukturellen und/oder irreversiblen Funktionsstörung der Hoden, der Hypophyse oder des Hypothalamus führen. In der alltäglichen andrologischen Abklärung machen organische Ursachen maximal 5 Prozent aus. Für die weitere Einordnung ist entscheidend, auf welcher Ebene die Störung liegt (Tabelle 1).
| Form des Hypogonadismus | Ursachen |
|---|---|
| Angeborene oder entwicklungsbedingte Störungen | |
| primär | angeborenes Fehlen funktionstüchtiger Keimzellen(Gonaden-Dysgenesie und -agenesie)Chromosomenanomalien wie Klinefelter-Syndrom (zusätzliches X-Chromosom) |
| sekundär | isolierter LH-Mangel (Pasqualini-Syndrom)Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose)idiopathisch |
| tertiär | Kallmann-Syndrom mit GnRH-Mangel und Verlust des GeruchssinnsPrader-Willi-Syndrom (verändertes Chromosom 15)kongenitaler hypogonadotroper Hypogonadismus ohne Riechstörung |
| Androgenresistenz, verminderte Testosteronaktivität | Kennedy-Krankheit (spinale und bulbäre Muskelatrophie)5a-Reduktase-Typ-2-Mangel (Störung der Geschlechtsdifferenzierung)Androgenresistenz |
| Erworbene Störungen | |
| primär | Entzündungen der Hoden (Orchitis), autoimmun bedingte HodeninsuffizienzHodenläsionen wie Hodentorsion (Verdrehung des Hodens), Maldeszensus testis (Hodenhochstand), traumatische HodenschädigungUmwelttoxine, Alkoholkonsum |
| sekundär | Hypophysenvorderlappen-Insuffizienzentzündliche, tumoröse, vaskuläre oder traumatische Erkrankungen des Hypophysenvorderlappens |
| tertiär | funktionelle hypothalamische Störungen, zum Beispiel durch Unterernährung, chronische Erkrankungen, intensiven Leistungssportentzündliche, tumoröse, vaskuläre oder traumatische Erkrankungen des Hypothalamus |
| Androgenresistenz, verminderte Testosteronaktivität | Zöliakie |
Ferner gibt es die subklinische beziehungsweise kompensierte Form des Hypogonadismus, bei der die Leydig-Zellen eingeschränkt funktionieren (Leydig-Zell-Dysfunktion), der Testosteronspiegel jedoch durch die vermehrte Stimulation mit LH aufrechterhalten wird (13, 15, 20, 24).