Welche Symptome auftreten, hängt wesentlich davon ab, in welcher Lebensphase der Testosteronmangel beginnt und wie stark er ausgeprägt ist. Besteht der Mangel bereits vor der Geburt, kann es zu Störungen der sexuellen Entwicklung wie nicht tastbaren Hoden (Kryptorchismus), Mikropenis, Entwicklungsstörung der Harnröhre (Hypospadie) oder einem weiblichen Phänotyp kommen.
Tritt der Androgenmangel vor der Pubertät auf, bleibt die Pubertätsentwicklung aus oder setzt verzögert ein. Sekundäre Geschlechtsmerkmale sind nur gering ausgeprägt, Penis- und Hodenwachstum sowie Libido und Potenz sind vermindert. Typisch sind zudem das Wachstum der Brustdrüse (Gynäkomastie), hohe Stimme und Hochwuchs mit langen Gliedmaßen.
Unspezifische Symptome wie anhaltende Erschöpfung, Energiemangel und Konzentrationsprobleme können einen Hormonmangel anzeigen. / © Shutterstock/Bits And Splits
Entsteht der Testosteronmangel erst nach der Pubertät, stehen beim erwachsenen Mann vor allem Libidoverlust, weniger morgendliche Erektionen, erektile Dysfunktion, Infertilität und eine reduzierte Körperbehaarung im Vordergrund (19, 20, 23, 30).
Typisch sind zudem unspezifische Symptome wie anhaltende Erschöpfung, verminderte Energie, Antriebslosigkeit, Konzentrationsprobleme sowie emotionale Veränderungen wie Reizbarkeit, Nervosität, Ängstlichkeit oder depressive Verstimmung. Auch übermäßiges Schwitzen, Schlafstörungen, Kopfschmerzen sowie Hitzewallungen bei stark reduzierten Testosteronspiegeln können auftreten.
Bei länger bestehendem Mangel können Muskelmasse und Knochendichte schwinden. Möglich sind auch Gynäkomastie, Gewichtszunahme sowie Anämie. Erniedrigte Testosteronspiegel wurden mit einer erhöhten Mortalität in Verbindung gebracht (31, 32, 33).
Bei Verdacht auf Testosteronmangel beginnt die Abklärung mit gezielter Anamnese, körperlicher Untersuchung und Laboranalytik. Bestimmt werden unter anderem LH und FSH, die bei der Unterscheidung zwischen primärem und sekundärem Hypogonadismus helfen. Erhöhte Werte sprechen für einen primären und niedrige Werte für einen sekundären Hypogonadismus.
| Hypogonadismus | Arzneistoffgruppe, Wirkstoffe (Beispiele), Eingriffe |
|---|---|
| primär | alkylierende Substanzen, Testosteronsynthese-Hemmung, zum Beispiel durch Ketoconazol oder nach onkologischen Therapien wie Strahlen- und Chemotherapie |
| sekundär und tertiär | Estrogene, Gestagene, Testosteron, Anabolika, Opioide, Medikamente mit induzierter Hyperprolaktinämie, Glucocorticoide, GnRH-Agonisten oder -Antagonisten, zum Beispiel bei Androgendeprivation (chemische Kastration) |
| Androgenresistenz, verminderte Testosteronaktivität | Androgenrezeptor-Blocker (steroidale Antiandrogene, Spironolacton), nicht steroidale Antiandrogene (Flutamid, Bicalutamid), 5α-Reduktase-Hemmer (Finasterid, Dutasterid), Wirkstoffe mit Einfluss auf den Estrogenrezeptor (Clomifen, Tamoxifen), Aromatasehemmer (Letrozol, Anastrozol) |
| Sonstige iatrogene Eingriffe | |
| primär | beidseitige operative Entfernung der Hoden |
| sekundär | iatrogen verursachte Störungen, zum Beispiel durch Hypophysenektomie (Entfernung der Hirnanhangdrüse), Bestrahlung |
| tertiär | Operation, Bestrahlung |
Differenzialdiagnostisch sind vor allem Erkrankungen mit ähnlicher Symptomatik wie Hypothyreose und depressive Störungen sowie iatrogen induzierte Störungen zu berücksichtigen (17, 18, 30) (Tabelle 2, Seite 28).
Eine gesicherte Diagnose bedeutet nicht zwangsläufig, dass eine Hormontherapie angezeigt ist. Gerade angesichts gestiegener Verordnungszahlen Testosteron-haltiger Arzneimittel in Deutschland ist die Indikation sorgfältig zu prüfen.
Beim funktionellen Hypogonadismus sind zunächst die Ursachen des Mangels zu behandeln. Dazu zählen Begleiterkrankungen wie Anorexie oder Adipositas ebenso wie ungünstige Lebensstilfaktoren und äußere Einflüsse, die die Testosteronproduktion beeinträchtigen. Wichtige Maßnahmen sind zum Beispiel Gewichtsreduktion und regelmäßige körperliche Aktivität. Eine Testosteronsubstitution kommt allenfalls begleitend und nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung infrage (20, 22, 34).

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Da der Testosteronspiegel im Tagesverlauf um etwa 20 Prozent sinkt, sollte die Blutentnahme nüchtern morgens vor 10 Uhr erfolgen. Für Nachtarbeiter ist dieser Grenzwert nur bedingt anwendbar, da die Testosteronsekretion vor allem dem Schlafmuster folgt.
Des Weiteren können neben Alter und Body-Mass-Index auch körperliche Belastung, Stress, Alkohol, Medikamente und Begleiterkrankungen die Werte beeinflussen. Ein einmalig niedriger Wert zusammen mit unspezifischen Beschwerden belegt daher keinen Hypogonadismus.
Da bis zu 30 Prozent der Betroffenen bei Kontrollmessungen wieder Normalwerte haben, sind wiederholte Bestimmungen und eine sorgfältige Ursachenabklärung vor Therapiebeginn erforderlich (35, 36).