Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Testosteronmangel
-
Nicht immer ist eine Substitution nötig

Antriebslosigkeit, nachlassende Libido oder Gewichtszunahme: Hinter solchen Beschwerden kann bei Männern ein Testosteronmangel stecken. Doch nicht jeder niedrige Laborwert ist krankhaft. Wann ist eine Hormontherapie indiziert und wer profitiert davon?
AutorKontaktSilke Kerscher-Hack
Datum 28.05.2026  11:00 Uhr

Als wichtigstes männliches Sexualhormon prägt Testosteron Entwicklung, Fortpflanzung, Stoffwechsel und Psyche. Seine Wirkung beginnt bereits in der Embryonalentwicklung, in der es zur Ausbildung der männlichen Geschlechtsorgane beiträgt. In der Pubertät fördert es die Spermatogenese und die Entwicklung sekundärer Geschlechtsmerkmale wie Stimmvertiefung, Körperbehaarung sowie Muskel- und Knochenwachstum.

Im Erwachsenenalter ist das Hormon für Libido, Sexualfunktion und Fertilität von Bedeutung. Zudem trägt es zur Knochenstabilität bei und beeinflusst Muskelmasse, Fettstoffwechsel, Erythrozytopoese sowie über Wachstum und Aktivität der Talgdrüsen auch das Hautbild. Darüber hinaus prägt Testosteron auch Verhalten, Stimmung und Antrieb mit (1–4).

Fein regulierte Hormonachse

Grundlage dieser vielfältigen Wirkungen ist die fein abgestimmte Regulation der Testosteronproduktion über die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse. Dabei stimuliert das Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH) aus dem Hypothalamus die Ausschüttung von Gonadotropinen wie LH (luteinisierendes Hormon) aus der Hypophyse. LH regt anschließend vor allem in den Leydig-Zellen der Hoden die Testosteronbildung an. Ein kleiner Anteil des Testosterons stammt zudem aus der Nebennierenrinde.

Steigende Spiegel bremsen die Achse im Sinn einer negativen Rückkopplung. Die Testosteronsekretion erfolgt pulsatil und erreicht morgens ihr Maximum (1, 5–7).

Im Blut liegen etwa 2 Prozent des Testosterons in freier und damit biologisch aktiver Form vor. Der Rest ist an Proteine wie das Sexualhormon-bindende Globulin (SHBG) gebunden. Seine biologische Wirkung entfaltet das Hormon entweder durch direkte Bindung an intrazelluläre Androgenrezeptoren, zum Beispiel in der Skelettmuskulatur, oder nach Umwandlung in das potentere 5α-Dihydrotestosteron, das ebenfalls über diesen Rezeptor wirkt. In Geweben mit hoher Aromatase-Aktivität wird Testosteron zudem zu Estradiol umgewandelt und wirkt dort über Estrogenrezeptoren (8, 9).

Beim gesunden Mann verändert sich der Hormonhaushalt im Lauf des Lebens. Ab etwa dem 40. Lebensjahr nimmt die Testosteronproduktion im Durchschnitt um rund 0,4 bis 1 Prozent pro Jahr ab. Gleichzeitig steigt die SHBG-Konzentration, sodass weniger freies, biologisch wirksames Hormon zur Verfügung steht. Zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr erreichen die Werte häufig nur noch etwa 40 bis 50 Prozent der Konzentration eines 25-jährigen Mannes. Die Unterschiede zwischen einzelnen Personen sind jedoch groß und nicht jeder niedrigere Wert verursacht Beschwerden. Der altersbedingte Rückgang ist ein physiologischer Prozess (10–15).

Mehr von Avoxa