Krankheitswert erhält der Rückgang erst, wenn er über das altersübliche Maß hinausgeht und mit typischen Symptomen einhergeht. Mediziner sprechen von einem Altershypogonadismus oder Late-Onset-Hypogonadismus. Die Diagnose setzt bei Männern über 50 Jahren charakteristische Symptome, wiederholt niedrige morgendliche Gesamttestosteronwerte und den Ausschluss anderer Ursachen voraus. In Deutschland sind etwa 2 bis 6 Prozent der Männer betroffen, wobei die Prävalenz mit dem Alter zunimmt (9–13).
Die Begriffe Late-Onset-Hypogonadismus und funktioneller Hypogonadismus werden teilweise synonym verwendet, sind jedoch nicht deckungsgleich.

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Bei Frauen entsteht Testosteron in den Ovarien, in der Nebennierenrinde und durch periphere Konversion aus Vorstufen. Es dient vor allem der Estrogensynthese, spielt aber auch für sexuelle Funktion, Libido und Wohlbefinden eine Rolle. Sinken die Androgenspiegel, können auch bei Frauen Beschwerden auftreten. Deren klinische Einordnung ist jedoch weniger klar definiert als beim Mann.
Mögliche Ursachen für erniedrigte Testosteronwerte sind Funktionsstörungen von Ovarien, Hypophyse oder Nebennieren, hormonelle Veränderungen in der Menopause, Glucocorticoide oder Kontrazeptiva (Ovulationshemmer, Estrogene, Antiandrogene) sowie Leberzirrhose, Unterernährung und Drogenmissbrauch.
Einzige evidenzbasierte Indikation für eine Testosterontherapie stellt derzeit ein vermindertes sexuelles Verlangen mit Leidensdruck in der Postmenopause dar. Da in Deutschland bislang keine speziell für Frauen entwickelten niedrig dosierten Testosteronpräparate verfügbar sind, können laut Dr. Anneliese Schwenkhagen von der Deutschen Menopause Gesellschaft in der Praxis individuell hergestellte transdermale Rezepturen, zum Beispiel ein 0,3-prozentiges Testosteron-Liposomengel, eingesetzt werden. Das Gel wird auf die Wade appliziert. Die Dosierung lässt sich individuell anpassen.
Literatur: 26–29