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Testosteronmangel
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Nicht immer ist eine Substitution nötig

Antriebslosigkeit, nachlassende Libido oder Gewichtszunahme: Hinter solchen Beschwerden kann bei Männern ein Testosteronmangel stecken. Doch nicht jeder niedrige Laborwert ist krankhaft. Wann ist eine Hormontherapie indiziert und wer profitiert davon?
AutorKontaktSilke Kerscher-Hack
Datum 28.05.2026  11:00 Uhr

Wann und wie wird substituiert?

Anders ist die Situation bei einem gesicherten primären oder sekundären Hypogonadismus. Hier kann eine Hormonbehandlung infrage kommen, sofern keine Kontraindikationen bestehen und kein Kinderwunsch vorliegt. Vor Therapiebeginn sind daher Prostata- oder Brustkrebs, Lebertumoren, schwere Symptome einer Prostatahyperplasie, ein deutlich erhöhter Hämatokrit (≥54 Prozent), unkontrollierte Herzinsuffizienz, unbehandelte Schlafapnoe sowie Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff auszuschließen.

Weitere Faktoren wie Akne, benigne Prostatahyperplasie, Herzinsuffizienz NYHA-Stadium IV, unklare Gynäkomastie, familiäre Thromboembolie-Neigung oder die Teilnahme an dopingkontrollierten Sportarten erfordern eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung (17, 24, 38).

Eine Möglichkeit ist die transdermale beziehungsweise topische Anwendung von unverändertem Testosteron. Oral ist der Wirkstoff wegen des ausgeprägten First-Pass-Effekts kaum wirksam.

Für eine längere Wirkdauer stehen ölige Depotpräparate mit Testosteronenantat und -undecanoat zur Verfügung. Die Ester werden nach intramuskulärer Injektion verzögert resorbiert. Je nach Präparat erfolgt die Gabe alle zwei bis drei Wochen beziehungsweise alle 10 bis 14 Wochen. Testosteronundecanoat kann zudem oral angewendet werden (6, 9).

Die Effekte einer Substitution zeigen sich je nach Beschwerde unterschiedlich schnell. Kurz nach Therapiebeginn werden häufig physiologische Hormonspiegel erzielt. Libido, sexuelle Funktion, Energie, Stimmung und Lebensqualität bessern sich meist nach vier bis sechs Wochen; Veränderungen der Körperzusammensetzung wie eine Zunahme der Muskelmasse bei gleichzeitigem Training werden häufig ab dem dritten Monat sichtbar. Effekte auf die Knochendichte entwickeln sich langsamer und sind erst nach sechs Monaten bis drei Jahren nachweisbar.

Zudem verbessert die Hormonsubstitution eine Insulinresistenz sowie leichte depressive Symptome aufgrund eines Hypogonadismus. Auch Körpergewicht, Taillenumfang und Lipidprofil können beeinflusst werden, die Studienlage hierzu ist jedoch uneinheitlich. Die Fertilität wird nicht verbessert (24, 37, 38).

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