Nebenwirkungen hängen häufig von der Dosis und der Applikationsform ab. Bei Gelen können lokale Hautreaktionen auftreten, bei Injektionen Schmerzen an der Einstichstelle. Möglich sind außerdem Akne, Veränderung der Prostata und eine Verschlechterung bestehender Schlafapnoe-Symptome. Klinisch besonders relevant ist ein Anstieg von Hämoglobin und Hämatokrit bis hin zur Polyzythämie, wodurch das Thromboserisiko steigt.
Daher sind regelmäßige Verlaufskontrollen erforderlich, unter anderem von Blutbild, dem prostataspezifischen Antigen (PSA), Leberwerten und Lipiden sowie eine klinische Untersuchung von Prostata und Brust. Anfangs erfolgen die Kontrollen meist halbjährlich, später jährlich. Bei Überdosierung oder missbräuchlicher Anwendung können Hodenatrophie, Ödeme, Blutdruckanstieg und Leberschäden bis hin zum cholestatischen Ikterus auftreten.
Relevante Interaktionen bestehen unter anderem mit oralen Antikoagulanzien (Wirksteigerung), mit ACTH und Corticosteroiden (erhöhtes Risiko für Ödeme) sowie mit SGLT2-Inhibitoren (erhöhtes Risiko für Erythrozytose) (6, 39).
Bei Männern mit sekundärem Hypogonadismus und Kinderwunsch ist eine Testosteronsubstitution kontraindiziert, da sie über negative Rückkopplung die Gonadotropinsekretion hemmt. Stattdessen kommt eine Gonadotropin-Ersatztherapie mit humanem Choriongonadotropin (hCG) und rekombinantem FSH infrage. Beide können Hodenreifung und -wachstum sowie Spermienbildung anregen und werden mehrmals wöchentlich subkutan verabreicht; bei hCG ist auch eine intramuskuläre Anwendung möglich. Bei ausbleibendem Erfolg kann alternativ eine pulsatile GnRH-Gabe über eine Minipumpe sinnvoll sein.
Eine Testosteronsubstitution verbessert die männliche Fruchtbarkeit nicht – ganz im Gegenteil. Kinderwunsch ist eine Kontraindikation. / © Shutterstock/Elizaveta Galitckaia
Typische Nebenwirkungen sind unter anderem Kopfschmerzen, Fatigue, Kraftlosigkeit (Asthenie), gastrointestinale Beschwerden und Hautreaktionen.
Kontraindiziert sind hCG und FSH bei Überempfindlichkeit gegen den jeweiligen Wirkstoff, Tumoren von Hypothalamus oder Hypophyse sowie sexualhormonabhängig wachsenden Tumoren wie Prostata- oder Mammakarzinom. FSH darf zudem nicht bei primärer Hodenunterfunktion (testikulärer Insuffizienz) angewendet werden, hCG nicht bei aktiven thromboembolischen Erkrankungen (17, 24, 43, 44).
Bei Hodenhochstand kann im Kleinkindalter zunächst ein Therapieversuch mit hCG oder GnRH erfolgen. Häufig sind jedoch eine operative Verlagerung und Fixierung des Hodens im Skrotum (Orchidopexie) erforderlich.
Bei Androgenresistenz erfolgen eine Entfernung der Hoden wegen des Entartungsrisikos sowie eine Substitution von Estrogenen. Eine sorgfältige psychosoziale Begleitung ist dabei besonders wichtig (17, 24, 30).
Der Missbrauch von Testosteron und anabolen Steroiden spielt auch im Freizeit- und Fitnesssport eine Rolle. Im Vordergrund stehen meist Muskelaufbau und die Veränderung des äußeren Erscheinungsbildes.
Schätzungen zufolge verwenden 5 bis 15 Prozent der Männer in Fitnessstudios muskelaufbauende Substanzen. Bei Freizeitsportlern mit Bodybuilding-Ambitionen liegt der Anteil höher. Die eingesetzten Dosierungen überschreiten häufig deutlich die Mengen einer medizinisch indizierten Hormonsubstitution. Da anabole Steroide die Wirkung von Testosteron nachahmen oder verstärken, wird die körpereigene Testosteronproduktion über eine negative Rückkopplung auf Hypothalamus und Hypophyse gehemmt. Dies kann negative Auswirkungen auf Herz-Kreislauf-System, Blutgerinnung, Leber, Nieren und Reproduktionsfunktion haben.
Bei Verdacht auf Missbrauch sollte das Apothekenpersonal ärztliche, endokrinologische und psychosoziale Hilfsangebote empfehlen, da ein abruptes Absetzen mit körperlichen und psychischen Beschwerden sowie einem hohen Rückfallrisiko verbunden sein kann (49, 52, 53).