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Faktor-XI-Inhibitoren

Neues zur Antikoagulation

Kontaktsystem als Target für die Antikoagulation?

Bereits lange bekannt ist, dass Menschen mit einem FXII-Mangel kein erhöhtes Blutungsrisiko haben, dass Personen mit einem FXI-Mangel (Hämophilie C) nur nach schweren Traumen und bei großen Operationen vermehrt bluten und Menschen mit einem pK-Mangel häufig sogar unerkannt bleiben (35, 38, 40). Folglich sind diese Faktoren zwar essenziell für die Gerinnung durch Kontaktaktivierung, scheinen aber für die Blutstillung eher unwichtig zu sein. Daher wurde untersucht, ob sie Targets für Wirkstoffe sein könnten, die Thromben verhindern, ohne das Blutungsrisiko zu erhöhen.

Versuche mit Knock-out-Mäusen belegten die Hypothese: Das »Ausschalten« von FXI (41), FXII (42) und auch pK (43) verhinderte venöse und arterielle Thrombosen, ohne die Blutungszeit zu verlängern. Studien in Thrombose-Tiermodellen mit Antikörpern, Antisense-Oligonukleotiden und anderen Inhibitoren bestätigten diese Ergebnisse (35, 38, 40).

Entscheidend für die industrielle Forschung und Entwicklung sind auch die zahlreichen Beobachtungsstudien, die den Zusammenhang zwischen den Faktoren und venösen Thromboembolien, Schlaganfall und chronischem Koronarsyndrom untersucht haben. In ihrer Gesamtheit erlauben sie Schlussfolgerungen für FXI und FXII (38, 40) (Tabelle 2; zur Mortalität (44)); die Datenlage für Plasmakallikrein ist nicht ausreichend (38).

Faktoren VTE Ischämischer Schlaganfall KHK, Herzinfarkt (MI)
Faktor-XI-Konzentration und/oder -Aktivität
Mangel ↔ MI
niedrig / ↔ KHK / ↓↔ MI
hoch ↔ KHK / ↑↔ MI
Faktor-XII-Konzentration und/oder -Aktivität
Mangel
niedrig ↑↓
hoch ↑↓
Tabelle 2: Zusammenfassung der Ergebnisse aus Beobachtungsstudien zu den Faktoren XI und XII und ihrem Zusammenhang mit thromboembolischen Erkrankungen

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