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Assistierte Telemedizin
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Neue Leistung in den Alltag integrieren

Seit Juli können Apotheken Leistungen der assistierten Telemedizin (aTM) anbieten und abrechnen. Medivise Healthcare und Doctorbox stellen in München ihre Lösungen vor und zeigen, wie Apotheken die neue Versorgungsleistung in den Alltag integrieren können.
AutorMelanie Höhn
Datum 28.08.2026  07:00 Uhr

Klar definierte Abläufe, sichere Dokumentation

Die Medivise-Lösung sei bewusst partneroffen, damit auch regionale Arztpraxen ihre bereits vorhandenen Telemedizinsysteme weiter nutzen könnten. Zudem seien Fachanwendungen der Telematikinfrastruktur direkt ansteuerbar. Dabei werde zur Erhebung der Patientendaten die elektronische Gesundheitskarte eingelesen und zudem durch den Versichertenstammdatenabgleich mit der Krankenkasse der eingelesene Datensatz validiert. E-Rezept und elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) seien jederzeit möglich, sagte Hagemann. In naher Zukunft komme die Berechtigung der Behandler zum Zugriff auf die elektronische Patientenakte (ePA) hinzu. Auch Bezahlmöglichkeiten und die Einbindung medizinischer Diagnostik durch angebundene Medizintechnik würden angeboten.

Entscheidend für die Akzeptanz seien klar definierte Abläufe und, dass sich die Lösung in bestehende Apothekenprozesse integrieren lasse. Besonders wichtig seien eine kurze Einarbeitung, sichere automatisierte Sicherheits- und Dokumentationsprozesse sowie verlässlicher Support.

Die Kosten würden sich nach dem konkreten Ausstattungs- und Unterstützungsbedarf der Apotheke richten. Apotheken müssten nicht in ein geschlossenes Komplettpaket investieren, sondern die Bausteine beziehen, die sie tatsächlich benötigen. Die Preise für die kleinste Tischvariante starteten bei 2000 Euro plus Versand für die Ausstattung. Hinzu kämen Lizenzkosten für die Nutzung der Medivise-Plattform.

Hagemann ist sich sicher: »Apotheken wandeln sich in diesen Tagen von der Medikamentenausgabestelle zu einem Ort ganzheitlicher medizinischer Versorgung und werden eine immer stärkere Rolle als Anlaufpunkt für alle medizinischen Leistungen einnehmen.« Wohnortnah würden mit der aTM insbesondere Menschen unterstützt, die digitale Angebote nicht selbstständig nutzen können, sowie Patientinnen und Patienten in Regionen mit eingeschränkter ärztlicher Versorgung und außerhalb der regulären Sprechstundenzeiten.

Doctorbox: Tablet und Kabine

Zu den Anbietern im Bereich der assistierten Telemedizin zählt auch die Berliner Gesundheitsplattform Doctorbox: Das Unternehmen kooperiert mit dem französischen Spezialisten für Telekonsultation Tessan. Gegenüber der PZ führte Doctorbox-Geschäftsführer Julian Maar ein Beispiel aus der Praxis an: Blasenentzündung oder ein Gerstenkorn am Auge, Freitagnachmittag, 17:30 Uhr. Die Apotheke hat auf, alle Arztpraxen in der Umgebung sind zu. Der Apotheker erkennt aus seiner Erfahrung schnell: Ohne Rezept geht es hier nicht weiter. Bisher blieb ihm nur, den Kunden in die Notaufnahme oder die KV-Bereitschaftspraxis zu schicken – mit wohl mehreren Stunden Wartezeit. Er hilft, wo er kann, verdient an dieser Leistung aber nichts außer einer guten Kundenbeziehung. »Mit der assistierten Telemedizin holt er jetzt das Tablet heraus, erklärt kurz den Prozess und übergibt das Gerät an den Kunden. In vielen Fällen kommt der Kunde am Ende mit einem Rezept aus dem Beratungsraum zurück«, so Maar.

Doctorbox bietet sowohl eine Tablet-Lösung als niedrigschwelligen Einstieg in die assistierte Telemedizin als auch Telemedizin-Kabinen und -Terminals an. Das Tablet könne der Kunde weitgehend selbstständig nutzen. »Der gesamte Prozess – von der Dateneingabe über die digitale Vereinbarung bis zur strukturierten Ersteinschätzung – laufe ohne großes Zutun des Apothekers oder der PTA«, so Maar.

Seit dem Start Anfang Juli würden zwei Beobachtungen herausstechen: »Erstens ist die Hemmschwelle im Team niedriger als erwartet – der geführte Ablauf am Tablet ist in einer kurzen Einweisung erlernbar, ein kompletter Durchlauf von der Vereinbarung bis zur Videosprechstunde dauert typischerweise unter 15 Minuten. Zweitens drehen sich die meisten Fragen nicht um die Technik, sondern um Raum, Formalitäten und Abrechnung – genau dort setzen wir mit Vorlagen und Beratung an«, erklärte Maar. Die Nachfrage vor allem nach der Tablet-Lösung sei groß: Viele Apotheken würden das Thema erst einmal ausprobieren und Praxiserfahrungen sammeln wollen, bevor die großen Telemedizin-Kabinen mit Diagnostikgeräten angeschafft werden.

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