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Interview mit Thomas Rochell
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Neue Aufgaben als Alleinstellungsmerkmal

Bei der Expopharm stehen in diesem Jahr auch die Apothekerinhaberinnen und -inhaber im Fokus. Welche Chancen sich mit den neuen Kompetenzen für Apotheken bieten und warum der Transformationsprozess kein Selbstläufer ist, erläutert Thomas Rochell, Vorsitzender des Arbeitgeberverbands Deutscher Apotheken (ADA), im Interview.
AutorKontaktCornelia Dölger
Datum 24.08.2026  07:00 Uhr

PZ: Apothekeninhaberinnen und -inhaber sind eine wichtige Zielgruppe der diesjährigen Expopharm. Die Apothekenreform ist inzwischen politisch abgeschlossen. Wie bewerten Sie die neuen gesetzlichen Bedingungen aus Arbeitgebersicht?

Rochell: Aus dem Blickwinkel der Arbeitgeber haben die neuen Bedingungen zwei Facetten. Da ist zum einen die finanzielle Seite. Mit der Apothekenreform ist die packungsbezogene Pauschale nach mehr als 13 Jahren endlich angehoben worden. Allerdings nicht in dem Maße, wie es aufgrund der Kostensteigerungen erforderlich gewesen wäre. Zudem wird mit der Erhöhung des Abschlages und der Erhöhung des Mindestlohnes dieses Plus auch gleich wieder deutlich abgeschmolzen. Das ist also nicht die wirtschaftliche Stärkung, die wir als Arbeitgeber eigentlich brauchen, sondern eher die berühmte Schaufel Sand unter dem Kiel. Gleichzeitig brauchen wir die Dynamisierung unseres Honorars durch die Verhandlungslösung ab 2028.

Um als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben, ist deshalb die zweite Facette der Reform umso wichtiger: die neuen Aufgaben, die wir nun übernehmen können. Die Apothekenberufe sind zwar ohnedies bereits äußerst vielfältig; durch weitere Dienstleistungen, Testungen, mehr Impfmöglichkeiten auch für PTA und PhiP werden sie aber noch interessanter, noch sinnhafter, noch erfüllender. Vor allem eröffnen sich damit für die Beschäftigten im Laufe des Berufslebens mehr Entwicklungsmöglichkeiten. Das freut mich als Arbeitgebervertreter sehr, denn dies bietet die Chance, Mitarbeiter zu gewinnen und zu binden. Aber auch für mich als Inhaber geben die Reformen neuen Schub und Möglichkeiten, meine Apotheken zu gestalten und zu entwickeln. Das macht Spaß.

PZ: Gibt es mit der Reform auch neue Herausforderungen?

Rochell: Als Pharmazeuten wissen wir: Alles, was wirkt, hat Nebenwirkungen. Das gilt nicht nur für Arzneimittel, sondern auch für Reformen. Ein solcher Transformationsprozess, den die Apotheken jetzt durchmachen, ist kein Selbstläufer, sondern für Inhaber, Apothekenleiter und Mitarbeiter mitunter schlicht anstrengend. Inhaber müssen die Weichen für den eigenen Betrieb passend stellen, das erfordert unternehmerische Entscheidungen. Ein solcher Wandel ist aber auch kostenintensiv. Gegebenenfalls müssen die Inhaber investieren, zum Beispiel in die Qualifikation der Mitarbeiter, aber auch in Räume und Ausstattung.

Beschäftigte, die neue Aufgaben übernehmen, möchten vermutlich auch, dass sich dies in ihrer Bezahlung niederschlägt. Damit schließt sich für uns als Arbeitgeber der Kreis zur ersten Frage und der eher bescheiden ausgefallenen wirtschaftlichen Stärkung. Aber auch die Berufsorganisationen sind in einem solchen Reformprozess besonders gefordert, müssen nun Vereinbarungen mit den Kassen, Curricula und Leitlinien erarbeiten, aber auch viele Detailfragen klären, um die Mitglieder korrekt zu informieren, sodass die neuen Leistungen wirklich rechts- und retaxsicher in der Praxis umgesetzt werden können.

PZ: Mit dem Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) bekommen Apotheken mehr Kompetenzen. Wie können diese als Chance genutzt werden?

Rochell: Chancen kann man nur nutzen, wenn man sie ergreift. Es mag den Nachwehen der Corona-Pandemie sowie der sehr bescheidenen Vergütung geschuldet gewesen sein, dass viele Kolleginnen und Kollegen sich nur mit angezogener Handbremse auf den Weg zum pharmazeutischen Dienstleister gemacht haben. Das Ergebnis kennen wir: Die Politik hat nun den Topf für die pharmazeutischen Dienstleistungen aufgelöst. Dass wir so etwas auslassen, darf uns nicht noch einmal passieren. Ich kann daher nur an alle Kolleginnen und Kollegen appellieren, sich für die Chancen, die sich uns nun mit der Apothekenreform bieten, zu öffnen und diese nach Möglichkeit zu ergreifen. Diese neuen Aufgaben sind die Daseinsberechtigung für unsere Vor-Ort-Apotheken als tragender Pfeiler des Gesamtsystems. Sie sind unser Alleinstellungsmerkmal im Wettbewerb mit dem Versandhandel. Deshalb müssen wir nun auch liefern.

Ich kann nur an alle Kolleginnen und Kollegen appellieren, sich für die Chancen, die sich mit der Apothekenreform bieten, zu öffnen und diese zu ergreifen.
Thomas Rochell

PZ: Wie wichtig ist es aus Ihrer Sicht, sich über neue Aufgaben, aber auch Innovationen in der Branche fachlich auszutauschen – etwa bei der Expopharm in München?

Rochell: Der fachliche und kollegiale Austausch ist natürlich eminent wichtig. Ohne diesen ist ein solcher Strukturwandel nicht zu vollziehen. Der Austausch erweitert den Horizont und er motiviert. Gerade Best-Practice-Beispiele, die auf einer Messe wie der Expopharm vorgestellt werden, sind enorm hilfreich.

PZ: Wie können Branchentreffs wie die Expopharm die Apothekenteams bei der Bewältigung der neuen Aufgaben unterstützen?

Rochell: Ein solcher Branchentreff ist ein bisschen wie Zeitunglesen: Ich bekomme eine Auswahl aller relevanten Themen und Fakten gut portioniert und verdaulich serviert. Dabei werde ich auch auf Aspekte gestoßen, mit denen ich mich sonst vielleicht nie befasst hätte. Das weitet den Blickwinkel. Auf einem solchen Branchentreff steht zudem das Wissen von Experten und Praktikern gebündelt zur Verfügung. Ich kann mir einen Überblick verschaffen, um dann im Anschluss bei Fragen, die für mich und meinen Betrieb besonders relevant sind, gezielt in die Tiefe zu gehen. Dabei helfen mir die Netzwerke, die ich auf solchen Veranstaltungen knüpfen kann.

PZ: Welche digitalen Innovationen sind für Apotheken aktuell und auch perspektivisch besonders bedeutsam?

Rochell: Sämtliche digitalen Innovationen, die im Alltag die Kapazitäten schaffen, neue Dienstleistungen anbieten zu können. Das sind natürlich insbesondere KI-Lösungen, die mein Team von vielen Backoffice-Aufgaben entlasten können. Ebenso digitale Lösungen, die die Vernetzung mit anderen Akteuren erleichtern. Für besonders bedeutsam halte ich auch alle Innovationen, die den weiteren Fortschritt in der individualisierten Medizin und Pharmakotherapie vorantreiben – wie zum Beispiel den 3-D-Druck. Mit den dadurch aufgeworfenen Fragen muss sich die Apothekerschaft zwingend befassen.

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