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Hepatozelluläres Karzinom
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Neue Ansätze gegen Leberkrebs

Das hepatozelluläre Karzinom hat noch immer eine schlechte Prognose. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Prävalenz der metabolisch assoziierten Fettleber­erkrankung wird ein weiterer Anstieg der Leberkrebsinzidenz erwartet. Obwohl in den vergangenen Jahren therapeutische Fortschritte erzielt wurden, besteht weiterhin ein großer Bedarf an neuen und effektiveren Behandlungsoptionen.
AutorKontaktSonja Keßler
Datum 08.11.2026  08:00 Uhr

Checkpoint-Inhibitoren als Wendepunkt

Die meisten HCC-Erkrankungen entwickeln sich auf dem Boden einer chronischen Leberentzündung – unabhängig davon, ob diese viralen oder metabolischen Ursprungs ist. Um die anhaltende Entzündung zu begrenzen, etabliert sich in der Leber ein immuntolerantes Mikromilieu. Was dem Gewebeschutz dient, wird jedoch von Tumorzellen ausgenutzt: Sie verstärken gezielt die bereits vorhandenen immunsuppressiven Mechanismen und entziehen sich dadurch der Immunabwehr.

So exprimieren Tumorzellen vermehrt Checkpoint-Proteine wie den Programmed Death Ligand 1 (PD-L1), der an den PD-1-Rezeptor auf T-Zellen bindet. Dadurch erhalten die T-Zellen ein hemmendes Signal, das ihre Aktivität drosselt.

Checkpoint-Inhibitoren heben diese Immunbremse auf, indem sie die PD-1/PD-L1-Interaktion blockieren und so die T-Zellen im Tumorgewebe reaktivieren. Ein weiterer wichtiger Angriffspunkt dieser Arzneistoffklasse ist das Cytotoxic T-Lymphocyte-Associated Protein 4 (CTLA-4), das vor allem während der frühen Aktivierungsphase von T-Zellen in den lymphatischen Organen eine Rolle spielt. Einen Wendepunkt in der Systemtherapie des HCC markierte das Jahr 2020. Ausschlaggebend waren die Daten der Phase-III-Studie IMbrave150, in der die Kombination aus dem PD-L1-Hemmer Atezolizumab und dem VEGF-Antikörper Bevacizumab gegen Sora­fenib geprüft wurde (»New England Journal of Medicine«, DOI: 10.1056/NEJMoa1915745). Untersucht wurden Patienten mit nicht resezierbarem HCC ohne vorherige systemische Tumor­therapie. Der erwartete Synergieeffekt der Kombination bestätigte sich.

Krebszellen begehen gezielte Immunflucht. Das Protein PD-L1 (rot) auf ihrer Oberfläche interagiert mit dem Immuncheckpoint PD-1 (blau) auf T-Zellen, was deren Aktivität hemmt. / © Getty Images/selvanegra
Checkpoint-Inhibitoren (hellrot und hellblau dargestellte Antikörper) blockieren die PD-L1/PD-1-Interaktion – und heben so die durch den Tumor ausgelöste Immunbremse wieder auf. / © Getty Images/selvanegra

Klinische Studien mit monotherapeutisch eingesetzten Checkpoint-Inhibitoren verliefen dagegen weniger erfolgreich als erhofft. Der PD-L1-Hemmer Durvalumab ist bislang der einzige Checkpoint-Inhibitor, der beim HCC als Monotherapie indiziert ist.

Mit der Zulassung von Atezolizumab plus Bevacizumab änderte sich die Systemtherapie grundlegend. Da die Kombinationstherapie das Gesamt- und das progressionsfreie Überleben gegenüber Sorafenib deutlich verbesserte, wurde sie von den Fachgesellschaften rasch als neuer Erstlinienstandard empfohlen. Seither werden die Empfehlungen in der S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie des hepatozellulären Karzinoms, einer Living Guideline, fortlaufend angepasst (AWMF-Registernummer: 032-053OL). Eine weitere Überarbeitung wird in Kürze erwartet.

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