Durch die Zunahme der metabolisch assoziierten Fettlebererkrankung wird auch ein weiterer Anstieg der Leberkrebsinzidenz erwartet. / © Getty Images/Nadzeya Haroshka
Das hepatozelluläre Karzinom (HCC) ist die häufigste Form des primären Leberkrebses. Obwohl es weltweit nur die siebthäufigste Krebserkrankung ist, stellt es die dritthäufigste tumorbedingte Todesursache dar.
In Deutschland zählt das HCC noch zu den seltenen Krebserkrankungen. Die Fallzahlen haben sich in den letzten Jahrzehnten jedoch fast verdoppelt und werden aufgrund der steigenden Zahl an Stoffwechselerkrankungen voraussichtlich weiter zunehmen. Da das HCC häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert wird, ist die Prognose oft ungünstig.
Die Therapie des HCC blieb lange Zeit wenig erfolgreich. Als kurative Therapieoptionen für frühe Stadien etablierten sich die Leberteilresektion und die Lebertransplantation. In den 1990er-Jahren kamen minimalinvasive Verfahren wie die perkutane EthanolInjektionstherapie und später die Radiofrequenzablation hinzu.
Für inoperable Tumoren in mittleren Stadien wurde die transarterielle Chemoembolisation (TACE) genutzt. Dabei wird ein Chemotherapeutikum über einen Leistenkatheter direkt in die Blutgefäße injiziert, die den Tumor versorgen. Dies blockiert gleichzeitig die Blutzufuhr des Tumors, indem die winzigen versorgenden Gefäße künstlich verschlossen werden.
Systemische Therapien beschränkten sich zunächst auf palliativ eingesetzte klassische zytotoxische Chemotherapeutika. Den lang ersehnten Durchbruch erhoffte man sich von dem Multityrosinkinaseinhibitor Sorafenib, der im Jahr 2007 als erster Vertreter dieser Gruppe für die Therapie des HCC zugelassen wurde. Sorafenib hemmt unter anderem die RAF-Kinase und unterbricht dadurch wichtige Signale für das Wachstum und die Teilung von Tumorzellen. Außerdem blockiert es Rezeptoren für Wachstumsfaktoren der VEGF-Familie (Vascular Endothelial Growth Factor), wodurch die Bildung neuer Blutgefäße und damit die Nährstoffversorgung des Tumors gehemmt wird.
Mit Sorafenib stand erstmals eine zielgerichtete systemische Therapie zur Verfügung, die das Gesamtüberleben jedoch nur um wenige Monate – von 7,9 auf 10,7 Monate – verlängern konnte.
Checkpoint-Inhibitoren brachten einen ersten Durchbruch in der Therapie des hepatozellulären Karzinoms. Um das Gesamtüberleben weiter zu verbessern, wird aktuell viel an neuen Therapieansätzen geforscht. / © Getty Images/Westend61
Die Lebenszeitverlängerung ist jedoch aufgrund der Nebenwirkungen häufig mit einer sehr eingeschränkten Lebensqualität verbunden. Fast die Hälfte der Patienten entwickelt Hand-Fuß-Hautreaktionen, wodurch alltägliche Handlungen wie Gehen oder das Greifen von Gegenständen extrem schmerzhaft werden können. Eine ähnliche Zahl an Patienten leidet an starker Fatigue und Erschöpfung. Daneben sind chronischer Durchfall und Appetitlosigkeit häufig, was wiederum die Fatigue zusätzlich verstärken kann.
Sorafenib blieb fast zehn Jahre lang die einzige systemische Therapieoption. Dann folgten weitere orale Multityrosinkinaseinhibitoren: in der Erstlinie Lenvatinib, in der Zweitlinie Regorafenib und Cabozantinib. Auch sie greifen an verschiedenen Tyrosinkinasen an, die an Tumorwachstum, Tumorprogression und Angiogenese beteiligt sind.
Daneben hielt der Angiogenesehemmer Ramucirumab Einzug in die Therapie, ein humaner monoklonaler Antikörper gegen den VEGF-Rezeptor 2 (VEGFR-2). Trotzdem blieben deutliche Fortschritte in der Therapie aus.