Besonders stark können sich Antipsychotika auf der Waage bemerkbar machen – und zwar schon nach kurzer Zeit (Tabelle 2). Bei Olanzapin ist mit einer mittleren Gewichtszunahme von 11 bis 17 kg nach einem Jahr Behandlung zu rechnen, bei Clozapin, Amisulprid und Quetiapin sind es je etwa 10 kg im Jahresdurchschnitt. Auf der anderen Seite des Spektrums stehen Ziprasidon und Aripiprazol, die zu Gewichtsverlusten führen können.
| Antipsychotikum | Gewichtszunahme (kg) |
|---|---|
| Clozapin | 4,45 |
| Olanzapin | 4,15 |
| Risperidon | 2,1 |
| Ziprasidon | 0,04 |
| Placebo | –0,74 |
Erhebliches Zunehmen kann die Adhärenz gefährden. In der Catie-Studie (2002) war die Abbruchrate unter Olanzapin trotz guter Wirksamkeit wegen der Gewichtszunahme oder kardiovaskulär ungünstigen metabolischen Veränderungen höher als unter den anderen untersuchten Antipsychotika (4).
Pathophysiologisch sind mehrere Mechanismen beteiligt, die zusammenwirken und sich gegenseitig verstärken. Eine Appetitsteigerung und Gewichtszunahme unter atypischen Antipsychotika werden vermutlich durch den Antagonismus an verschiedenen Rezeptoren, darunter H₁- und 5-HT2C-Rezeptoren vermittelt, wobei dieser Effekt bei Clozapin und Olanzapin am stärksten ausgeprägt ist. Experimentell wurde gezeigt, dass Olanzapin Hyperphagie, Gewichtszunahme sowie eine gestörte Glucosetoleranz verursacht und dass diese Effekte in Mausmodellen, denen der 5-HT2C-Rezeptor fehlt, abgeschwächt waren. Auf metabolischer Ebene wurden bereits nach wenigen Tagen einer Olanzapin-Einnahme erhöhte Insulinspiegel und eine verminderte Insulinsensitivität nachgewiesen. Glucose- und auch Fettstoffwechselstörungen können unabhängig vom Ausmaß der Gewichtszunahme auftreten. Das ist klinisch relevant, da anscheinend nicht allein das Körpergewicht als Indikator für das metabolische Risiko herangezogen werden kann (5, 6).
Der Blick auf die Waage kann die Adhärenz gefährden. / © Shutterstock/Dasha Petrenko
Strategien zur Prävention und Behandlung umfassen Sport- und Ernährungsprogramme sowie die Gabe von Metformin (Off-Label, spätestens ab >3 Prozent Gewichtszunahme). Es gibt zwar Hinweise, dass GLP1-Agonisten helfen können, allerdings haben die Autoren der Leitlinie »Schizophrenie« aus dem Jahr 2025 keine Empfehlung dafür ausgesprochen. Der Wechsel auf metabolisch günstigere Substanzen wie Ziprasidon kann kardiometabolische Parameter verbessern. Allerdings ist ein Wechsel bei langjährig stabilisierten Patienten nicht immer möglich, ohne die antipsychotische Wirksamkeit zu gefährden (7–9).