| Annette Rößler |
| 01.07.2026 16:20 Uhr |
In Deutschland haben junge Männer im Alter zwischen 18 und 25 Jahren im vergangenen Jahr deutlich häufiger Cannabis konsumiert als 2023. / © Adobe Stock/Syda Productions
Im »Journal of Health Monitoring« haben Mitarbeitende des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) aktuell Umfrageergebnisse zum Cannabiskonsum in Deutschland veröffentlicht. Das Team um Boris Orth nutzt die Ergebnisse von zwölf repräsentativen Studien aus den Jahren 2008 bis 2025, um Zwölf-Monats-Prävalenzen des Cannabiskonsums darzustellen und Trends abzuschätzen. Dabei werden zwei Altersgruppen berücksichtigt, 12- bis 17-jährige Jugendliche sowie 18- bis 25-jährige junge Erwachsene, und jeweils nach Geschlechtern getrennt ausgewertet.
In den Befragungen konnten die Teilnehmenden angeben, ob sie in den zurückliegenden zwölf Monaten »gar nicht«, »einmal«, »zweimal«, »drei- bis zehnmal« oder »häufiger« Cannabis konsumiert hatten. Für die Auswertung wurden die Antworten dann zu »Konsum« oder »kein Konsum« zusammengefasst. Laut der Publikation hatten im Jahr 2025 insgesamt 4,6 Prozent der weiblichen und 7,2 Prozent der männlichen Jugendlichen gemäß Eigenauskunft Cannabis konsumiert. Bei den jungen Erwachsenen waren es 18,8 Prozent der Frauen und 31,6 Prozent der Männer.
Verglichen mit dem Jahr 2023 bedeutete das bei weiblichen und männlichen Jugendlichen sowie bei jungen Frauen einen leichten, statistisch nicht signifikanten Rückgang des Cannabiskonsums. Dagegen hatten junge Männer im Jahr 2025 statistisch signifikant mehr Cannabis konsumiert als im Jahr 2023 (31,6 versus 26,9 Prozent). »Dabei handelt es sich aber nicht um eine kurzfristige Entwicklung, vielmehr setzte sich ein Anstieg fort, der sich schon vor der Teillegalisierung abzeichnete«, ordnen die Autoren ein.
Sie sehen in den aktuellen Zahlen keinen Hinweis auf einen unmittelbaren Effekt der Teillegalisierung auf die Verbreitung des Cannabiskonsums unter jungen Menschen in Deutschland, empfehlen jedoch, die zukünftige Entwicklung in weiteren Studien zu beobachten. Die vorgestellten Ergebnisse erlauben aus ihrer Sicht noch keine robusten Aussagen zu den Auswirkungen der Teillegalisierung, weil diese noch nicht lange genug her ist. Beispielsweise gebe es noch kaum Anbauvereinigungen, weshalb damit zu rechnen sei, dass der Eigenanbau von Cannabis zunehmen wird.
Internationale Studien etwa in Kanada und den USA hätten nach einer Legalisierung von Cannabis Anstiege der Konsumprävalenzen und -häufigkeit bei jungen Erwachsenen gezeigt. Diese Studien seien jedoch mit einem größeren zeitlichen Abstand zur jeweiligen Legalisierung durchgeführt worden als die vorliegende Erhebung. Insgesamt bleibe »die langfristige Beobachtung von Veränderungen im Konsum von Cannabis ein wichtiger Baustein für die Initiierung, Begleitung und Evaluation von Präventionsangeboten«.