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Luftnot, Emphysem, Krebs
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Cannabisrauch schadet der Lunge erheblich

Wie schädlich Tabakrauchen für die Lunge ist, ist hinlänglich bekannt. Aber auch das Cannabisrauchen kann die Lungenfunktion erheblich stören – wenn auch etwas anders.
AutorKontaktChristina Hohmann-Jeddi
Datum 06.05.2026  16:00 Uhr
Cannabisrauch schadet der Lunge erheblich

Laut Jahrbuch Sucht der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen haben 5,1 Millionen Erwachsene in Deutschland im Alter von 18 bis 64 Jahren (9,8 Prozent) in den letzten zwölf Monaten Cannabis konsumiert, Männer etwas häufiger als Frauen. Cannabinoidbezogene Störungen sind aktuell nach alkoholbezogenen Störungen immer noch zweithäufigster Anlass für den Zugang zu Suchthilfeangeboten.

Wenn Cannabis geraucht wird, schadet dies der Lunge. »Cannabisrauch macht alles das, was Tabakrauch auch macht«, sagte Professor Dr. Stefan Andreas, bei einem pharmazeutischen Fortbildungskongress in Wernigerode am 18. April.

Die Folgen reichten von Lungenüberblähung, Schleimproduktion, chronischem Husten bis Luftnot. Auch die Flimmerhärchen auf dem Epithel der Atemwege gingen verloren und das Risiko für Infektionen steige. Nach Beendigung des Konsums verbessere sich die Symptomatik wieder. Das zeige ein Review im Journal »Pulmonary Therapy« aus dem Jahr 2021. Diesem zufolge sei das Schädigungspotenzial im Vergleich zu Zigaretten noch nicht eindeutig bestimmt, aber Schätzungen zufolge sei ein Joint so schädlich wie 2,5 bis 5 Zigaretten.

Ein Grund hierfür könnten die anderen Rauchgewohnheiten beim inhalativen Cannabiskonsum sein. So rauchten Cannabiskonsumenten meist ohne Filter, bis zum Stummelende und sie atmeten tiefer ein als Zigarettenraucher und hielten zudem die Luft länger an, heißt es in dem Review. Der Rauch, der beim Verbrennen von Cannabis entstehe, enthalte viele Substanzen und Toxine, die auch in Tabakrauch enthalten sind.

Lungenschäden in CT-Aufnahmen sichtbar

Die Folgen sind an der Lunge zu erkennen, berichtete Andreas. Eine kanadische Untersuchung von computertomografischen Aufnahmen (CT) zeigte, dass bei Nur-Cannabisrauchern deutlich häufiger Emphyseme, Bronchiektasen (irreversible Erweiterungen der Bronchien) und Sekretretentionen in den CT-Aufnahmen zu beobachten waren als bei altersgematchten Nur-Zigarettenrauchern (»Radiology« 2023). Gerade Emphyseme (chronische Überblähung der Lunge mit Zerstörung der Lungenbläschen) waren bei Cannabisrauchern mit 93 Prozent deutlich häufiger als bei Zigarettenrauchern mit 67 Prozent.

Zum Lungenkrebsrisiko durch Cannabisrauch gibt es zum Teil widersprüchliche epidemiologische Daten. Ob der inhalative Konsum das Risiko erhöht, ist noch nicht vollständig geklärt, aber neuere Studien wiesen auf ein erhöhtes Krebsrisiko hin, zeigt ein 2024 im Journal »Respiratory Medicine« publizierter Review-Artikel.

Eine ganz aktuelle Studie zeige, wie schädlich der doppelte inhalalative Konsum von Tabak und Cannabis sei, sagte der Pneumologe. »Und viele rauchen ja beides.« Der Untersuchung zufolge hatten von 148 Personen mit Lungenkrebs 39 Prozent Cannabis und Tabak geraucht und 52 Prozent nur Tabak, während 9 Prozent Nichtraucher waren. Ein Ergebnis der Studie, die im März 2026 im Journal »Chest« erschien, war, dass die cannabisrauchenden Lungenkrebspatienten im Schnitt jünger waren, häufiger Brustschmerzen bei Diagnosestellung und aggressivere Tumoren hatten sowie mehr Emphyseme aufwiesen als tabakrauchende Patienten.

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