Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Nach Teillegalisierung
-
Mehr Krankenhausaufnahmen nach Cannabiskonsum

Nach Inkrafttreten des Cannabisgesetzes stiegen in Deutschland die Krankenhausaufnahmen wegen cannabisbezogener Diagnosen moderat an. Zugrunde liegt möglicherweise ein vermehrter Konsum von hochpotentem medizinischem Cannabis, heißt es in einer aktuellen Studie.
AutorKontaktSven Siebenand
Datum 23.07.2026  16:20 Uhr
Mehr Krankenhausaufnahmen nach Cannabiskonsum

Mit der Teillegalisierung von Cannabis zum 1. April 2024 sollte der Konsum aus der Illegalität geholt und gesundheitliche Risiken durch Prävention und Regulierung begrenzt werden. Eine jetzt im »Deutschen Ärzteblatt International« veröffentlichte Zeitreihenanalyse deutet jedoch darauf hin, dass unmittelbar nach Inkrafttreten des Gesetzes die Zahl cannabisbezogener Krankenhausaufnahmen zugenommen hat. Besonders betroffen waren Einweisungen von Erwachsenen wegen akuter Cannabisvergiftungen und cannabisinduzierter Psychosen.

Die Untersuchung entstand im Rahmen des Forschungsprojekts EKOCAN, das die gesundheitlichen und gesellschaftlichen Folgen der Cannabis-Teillegalisierung in Deutschland begleitet. Für ihre Analyse werteten die Forschenden Routinedaten der beiden großen Krankenhaus-Abrechnungssysteme (PEPP und DRG) aus. Insgesamt flossen Daten von mehr als 70 Millionen gesetzlich Versicherten beziehungsweise mehr als 70.000 Krankenhausaufnahmen in die Auswertung ein. Verglichen wurden die wöchentlichen Aufnahmeraten zwischen Januar 2022 und September 2025.

Nach Angaben der Autoren stieg die Rate cannabisbezogener Krankenhausaufnahmen bei Erwachsenen nach Inkrafttreten des Cannabisgesetzes von 1,12 auf 1,27 Fälle je 1000 Krankenhausaufnahmen. Das entspricht einem relativen Anstieg von 5,6 Prozent. Bei Jugendlichen erhöhte sich die Rate zunächst von 1,07 auf 1,22 pro 1000 Krankenhausaufnahmen, was einem Zuwachs von 14,9 Prozent entspricht. Hochgerechnet ergaben sich für das erste Jahr nach der Gesetzesänderung rund 1395 zusätzliche Krankenhausaufnahmen bei Erwachsenen und 91 zusätzliche Fälle bei Jugendlichen.

Während sich der Anstieg bei Jugendlichen nach rund 35 Wochen wieder zurückbildete, blieb die Aufnahmerate bei Erwachsenen dauerhaft auf dem erhöhten Niveau. Besonders deutlich fiel der Zuwachs bei akuten Cannabisvergiftungen aus: Hier stieg die Rate bei Erwachsenen von 0,08 auf 0,11 je 1000 Krankenhausaufnahmen – ein Plus von 37,1 Prozent. Auch cannabisinduzierte Psychosen nahmen zu und erhöhten sich von 0,32 auf 0,40 Fälle je 1000 Krankenhausaufnahmen, was einem Anstieg um 16,7 Prozent entspricht.

Mehr von Avoxa