In der Selbstmedikation können das α- und β-Sympathomimetikum Etilefrin (Effortil®, Bioflutin®) und Korodin Herz-Kreislauf-Tropfen® (D-Campher und Weißdornfrüchte-Fluidextrakt) angeboten werden. Bei Etilefrin ist die Blutdrucksteigerung neben der durch α-Adrenozeptor-Stimulation bedingten Vasokonstriktion auf die positiv inotrope und chronotrope Wirkung am Herzen infolge eines β-sympathomimetischen Effekts zurückzuführen. Zu beachten sind zahlreiche Kontraindikationen. Dem Kunden kann geraten werden, die Tropfen oder Tabletten vorzugsweise vor dem Essen einzunehmen. Am späten Nachmittag oder Abend sollten sie nicht mehr eingenommen werden, da die anregende Wirkung das Einschlafen erschweren kann. Effortil kann im Gegensatz zu Korodin auch bei Kindern angewendet werden.
Korodin Herz-Kreislauf-Tropfen wirken kreislauftonisierend. Sie sind wegen des Gehalts an Campher bei Patienten mit Asthma bronchiale oder anderen Atemwegserkrankungen kontraindiziert.
Hypotonie ist meist harmlos und geht im Gegensatz zur Hypertonie nicht mit langfristigen Gefäßschäden einher. Sie kann jedoch die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Für die Apotheke ist es wichtig, mögliche Ursachen wie Grunderkrankungen, Arzneimittelnebenwirkungen oder eine orthostatische Dysregulation zu erkennen und die Grenzen der Selbstmedikation abzuschätzen. Neben allgemeinen Maßnahmen wie ausreichender Flüssigkeitszufuhr, Bewegung und Kreislauftraining spielt insbesondere die Überprüfung der Medikation eine zentrale Rolle, um Beschwerden und Sturzrisiken zu reduzieren.
Barbara Staufenbiel studierte Pharmazie in Münster. 16 Jahre lang leitete sie die Rabenfels-Apotheke in Rheinfelden. Seit ihrer Rückkehr nach Münster arbeitet sie in einer öffentlichen Apotheke und engagiert sich für die Fortbildung als Referentin und Autorin mit Schwerpunkt Apothekenpraxis.