| Lukas Brockfeld |
| 25.08.2026 13:10 Uhr |
Ein norwegischer LNG-Tanker steuert auf Cuxhaven zu. / © Imago/Manngold
Die deutschen Gasspeicher sind nach Angaben der Bundesnetzagentur aktuell nur zu etwas mehr als 50 Prozent gefüllt. Normalerweise kaufen die Versorger im Sommer günstiges Gas, speichern es und verkaufen es im Winter zu höheren Preisen an die Verbraucher. Doch der Irankrieg hat die Weltmarktpreise in die Höhe getrieben, sodass sich das Speichern im Augenblick kaum lohnt. Gemäß den gesetzlichen Vorgaben müssen die Speicher bis zum 1. November zu mindestens 80 Prozent gefüllt sein. Es erscheint unwahrscheinlich, dass diese Marke noch erreicht wird.
Im Winter könnte das zum Problem werden, insbesondere bei lang anhaltender Kälte. Bei sehr niedrigen Füllständen könnte Deutschland gezwungen sein, Flüssiggas zu hohen Preisen nachzukaufen, was die Verbraucher und die Industrie belasten würde.
Die Pharmaindustrie, die für viele Produktionsschritte auf Gas angewiesen ist, beobachtet die Situation mit Sorge. »Für die pharmazeutische Industrie wäre ein Szenario problematisch, in dem die Befüllung bis zum Winter deutlich hinter den Erwartungen zurückbleibt und zugleich starke Kälte, Lieferausfälle oder eine außergewöhnlich hohe europäische Nachfrage auftreten«, so ein Sprecher des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie (BPI) zur PZ.
Ein akuter Mangel könne die Branche hart treffen. »Gas wird in vielen Betrieben für Prozesswärme, Dampf, Trocknung, Sterilisation, Klimatisierung sowie teilweise als chemischer Ausgangsstoff benötigt. Insbesondere kontinuierliche und validierte Herstellungsprozesse lassen sich nicht ohne Weiteres kurzfristig herunterfahren oder umstellen«, so der BPI.
Neben dem Gasmangel könnten auch steigende Energiepreise die Hersteller belasten. Nach Einschätzung des BPI wäre das auch deshalb ein Problem, da die Preise der meisten erstattungsfähigen Arzneimittel stark reguliert sind. Steigende Kosten würden so einseitig die Hersteller belasten. Eine Energiekrise könnte die gesamte Lieferkette von den Wirkstoffen bis zur Logistik verteuern.