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Hypotonie
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Mehr als eine Kreislaufschwäche

Schwindel, Müdigkeit oder Kreislaufprobleme werden oft als harmlose Folgen eines niedrigen Blutdrucks abgetan. Doch hinter einer Hypotonie können neben einer angeborenen Veranlagung auch Erkrankungen oder Arzneimittel stecken. Für das Apothekenteam gilt es daher, Warnsignale zu erkennen und Betroffene kompetent zu beraten.
AutorKontaktBarbara Staufenbiel
Datum 27.08.2026  09:00 Uhr

Wenn das Blut in den Beinen versackt

Unter einer orthostatischen Hypotonie versteht man einen exzessiven Blutdruckabfall von mindestens 20 mmHg systolisch oder mindestens 10 mmHg diastolisch, der kurz nach einem plötzlichen Aufstehen aus dem Liegen oder Sitzen auftritt. Für ein paar Sekunden bis Minuten können Symptome wie Blässe, Schwindel, Benommenheit, Verwirrtheit, Schwarzwerden vor den Augen oder kurze plötzliche Bewusstseinsstörungen auftreten. Die Beschwerden bessern sich unverzüglich beim Wiederhinlegen. Kommt als Ursache eine Arzneimittelnebenwirkung in Betracht, sollte das Apothekenteam den Patienten empfehlen, ein rasches Aufrichten zu vermeiden.

Häufig assoziiert mit einer orthostatischen Hypotonie ist eine postprandiale Hypotonie. Darunter versteht man einen ausgeprägten Blutdruck­abfall nach dem Essen mit Symptomen wie Schwindel bis hin zu Bewusstseinsstörungen. Normalerweise bleibt der Blutdruck nach einer Mahlzeit stabil oder steigt sogar leicht an, da der Körper den Blutfluss zum Verdauungssystem regulieren muss. Warum dieser Regulationsmechanismus bei den Betroffenen versagt, ist unbekannt. Vermutet wird ein Zusammenhang mit

Erkrankungen des vegetativen Nervensystems wie Diabetes, Morbus Parkinson, Atherosklerose oder Problemen bei der Dehnung des Magen-Darm-Systems.

Zur Kreislaufstabilisierung sollte sich die betroffene Person hinsetzen oder hinlegen, am besten mit hoch­gelagerten Beinen. Bei gleichbleibender Symptomatik ist der Notarzt zu rufen.

Zur Vorbeugung wird empfohlen, langsam zu essen, kleinere Mahlzeiten über den Tag zu verteilen, Alkohol und kohlenhydratreiche Lebensmittel zu reduzieren, ausreichend Wasser zu trinken und mit regelmäßigem Kreislauftraining das Herz-Kreislauf-System zu stabilisieren. Zur Differenzialdiagnose sollte ein Arzt hinzugezogen werden.

Hitze und andere Risikofaktoren

Bei hohen Temperaturen ist das Risiko für eine Hypotonie deutlich erhöht, da der Körper die übermäßige Wärme über vermehrtes Schwitzen und Weitstellung der Gefäße abzugeben versucht. Gefährdet sind vor allem ältere Menschen mit Grunderkrankungen, Polymedikation und unzureichender Flüssigkeitsaufnahme.

Zu einem verringerten Blutvolumen mit teils gefährlichen Folgen für den Blutdruck kommt es auch bei Dehydratation infolge eines verringerten Durstgefühls, starkem Schwitzen, Fieber, Diarrhö oder anhaltendem Erbrechen sowie bei stärkeren Blutungen (Verletzungen, Menstruation).

Zudem ist das Risiko für eine starke Vasodilatation bei hohem Alkoholkonsum und Infektionen erhöht. Ein akuter und anhaltender Blutdruckabfall mit lebensgefährlicher Kreislaufinstabilität (anaphylaktischer Schock) kann auch die Folge eines Insektenstichs (Wespen/Bienen), Medikaments oder Nahrungsmittels sein. Dies ist immer ein Notfall.

Auch Störungen im vegetativen Nervensystem können sich unter anderem im Blutdruck bemerkbar machen. So kann eine Überaktivität des Nervus vagus (Vagotonie) bei Ausdauersportlern zu Anpassungsreaktionen des Körpers mit der Tendenz zu einem niedrigen Puls und Blutdruck führen. Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte schädigen das vegetative Nervensystem (autonome diabetische Neuropathie) mit Folgen wie Herzrasen, Blutdruckabfall beim Aufstehen oder Magen-Darm-Beschwerden. Zu niedrige Blutzuckerwerte machen sich mit typischen Symptomen wie Kreislaufproblemen, Herzrasen, Zittern und Schweißausbrüchen bemerkbar.

Als vegetative Dysregulation wird ein allgemeines Ungleichgewicht zwischen Sympathikus und Parasympathikus beschrieben. Es ist oft durch Stress oder hormonelle Schwankungen ausgelöst und beeinflusst die automatischen Anpassungsreaktionen des Körpers. Betroffene leiden unter Schwindel und Blutdruckproblemen.

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