Unter einer orthostatischen Hypotonie versteht man einen exzessiven Blutdruckabfall von mindestens 20 mmHg systolisch oder mindestens 10 mmHg diastolisch, der kurz nach einem plötzlichen Aufstehen aus dem Liegen oder Sitzen auftritt. Für ein paar Sekunden bis Minuten können Symptome wie Blässe, Schwindel, Benommenheit, Verwirrtheit, Schwarzwerden vor den Augen oder kurze plötzliche Bewusstseinsstörungen auftreten. Die Beschwerden bessern sich unverzüglich beim Wiederhinlegen. Kommt als Ursache eine Arzneimittelnebenwirkung in Betracht, sollte das Apothekenteam den Patienten empfehlen, ein rasches Aufrichten zu vermeiden.
Häufig assoziiert mit einer orthostatischen Hypotonie ist eine postprandiale Hypotonie. Darunter versteht man einen ausgeprägten Blutdruckabfall nach dem Essen mit Symptomen wie Schwindel bis hin zu Bewusstseinsstörungen. Normalerweise bleibt der Blutdruck nach einer Mahlzeit stabil oder steigt sogar leicht an, da der Körper den Blutfluss zum Verdauungssystem regulieren muss. Warum dieser Regulationsmechanismus bei den Betroffenen versagt, ist unbekannt. Vermutet wird ein Zusammenhang mit
Erkrankungen des vegetativen Nervensystems wie Diabetes, Morbus Parkinson, Atherosklerose oder Problemen bei der Dehnung des Magen-Darm-Systems.
Zur Kreislaufstabilisierung sollte sich die betroffene Person hinsetzen oder hinlegen, am besten mit hochgelagerten Beinen. Bei gleichbleibender Symptomatik ist der Notarzt zu rufen.
Zur Vorbeugung wird empfohlen, langsam zu essen, kleinere Mahlzeiten über den Tag zu verteilen, Alkohol und kohlenhydratreiche Lebensmittel zu reduzieren, ausreichend Wasser zu trinken und mit regelmäßigem Kreislauftraining das Herz-Kreislauf-System zu stabilisieren. Zur Differenzialdiagnose sollte ein Arzt hinzugezogen werden.
Bei hohen Temperaturen ist das Risiko für eine Hypotonie deutlich erhöht, da der Körper die übermäßige Wärme über vermehrtes Schwitzen und Weitstellung der Gefäße abzugeben versucht. Gefährdet sind vor allem ältere Menschen mit Grunderkrankungen, Polymedikation und unzureichender Flüssigkeitsaufnahme.
Zu einem verringerten Blutvolumen mit teils gefährlichen Folgen für den Blutdruck kommt es auch bei Dehydratation infolge eines verringerten Durstgefühls, starkem Schwitzen, Fieber, Diarrhö oder anhaltendem Erbrechen sowie bei stärkeren Blutungen (Verletzungen, Menstruation).
Weite Gefäße, weniger Durstgefühl: Der Körper älterer Menschen kommt bei Hitze schneller an sei-ne Grenzen. / © Adobe Stock/pikselstock
Zudem ist das Risiko für eine starke Vasodilatation bei hohem Alkoholkonsum und Infektionen erhöht. Ein akuter und anhaltender Blutdruckabfall mit lebensgefährlicher Kreislaufinstabilität (anaphylaktischer Schock) kann auch die Folge eines Insektenstichs (Wespen/Bienen), Medikaments oder Nahrungsmittels sein. Dies ist immer ein Notfall.
Auch Störungen im vegetativen Nervensystem können sich unter anderem im Blutdruck bemerkbar machen. So kann eine Überaktivität des Nervus vagus (Vagotonie) bei Ausdauersportlern zu Anpassungsreaktionen des Körpers mit der Tendenz zu einem niedrigen Puls und Blutdruck führen. Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte schädigen das vegetative Nervensystem (autonome diabetische Neuropathie) mit Folgen wie Herzrasen, Blutdruckabfall beim Aufstehen oder Magen-Darm-Beschwerden. Zu niedrige Blutzuckerwerte machen sich mit typischen Symptomen wie Kreislaufproblemen, Herzrasen, Zittern und Schweißausbrüchen bemerkbar.
Als vegetative Dysregulation wird ein allgemeines Ungleichgewicht zwischen Sympathikus und Parasympathikus beschrieben. Es ist oft durch Stress oder hormonelle Schwankungen ausgelöst und beeinflusst die automatischen Anpassungsreaktionen des Körpers. Betroffene leiden unter Schwindel und Blutdruckproblemen.
Zunächst sollten bei einem Kunden mit Kreislaufproblemen die Grenzen der Selbstmedikation ausgelotet werden. Die Frage »Welche Arzneimittel nehmen Sie ein?« gibt Aufschluss über mögliche Arzneimittelnebenwirkungen und Grunderkrankungen wie Diabetes.
Wichtig ist auch, den Zeitpunkt der Symptomatik zu erfragen. Bestehen die Beschwerden erst seit Kurzem, ist abzuklären, was sich in letzter Zeit verändert hat. Wurde zum Beispiel bei einem Patienten mit Polymedikation aufgrund der Erkrankungen eine weitere Medikation angesetzt oder die bestehende verändert? Wurden Mittel aus dem Internet oder der Drogerie ergänzt? In diesem Fall kann das Apothekenpersonal eine Brown-Bag- oder Medikationsanalyse anbieten. Möglicherweise hat die Apotheke Einblick in die Laborwerte, sodass Veränderungen vor allem der Nierenfunktion berücksichtigt werden können.
Wichtig ist auch die Frage nach weiteren Symptomen wie Schwindel oder Bewusstseinsstörungen, um Hinweise auf Grunderkrankungen und Grenzen der Selbstmedikation festzustellen. Treten die Beschwerden in bestimmten Situationen auf? Können Trigger vermieden werden?
Bestehen die Beschwerden hingegen schon länger, sollte erfragt werden, ob bereits ein Arzt hinzugezogen wurde und welche Maßnahmen ergriffen oder Arzneimittel versucht/verordnet wurden. In jedem Fall kann das Apothekenpersonal auf wichtige Lebensstilmaßnahmen wie Ernährung, Flüssigkeitsaufnahme und Bewegung hinweisen.