Zur Basisdiagnostik einer Hypotonie zählen wiederholte Blutdruckmessungen auch im Langzeitformat sowie ein EKG und ein sogenannter Schellong-Test. Letzterer überprüft die Veränderungen der Herzfrequenz und des Blutdrucks, die bewusst durch eine dosierte Belastung ausgelöst werden. Dabei werden zunächst Blutdruck und Puls minütlich während fünf- bis zehnminütiger Ruhephase im Liegen gemessen. Anschließend werden die Messungen nach Wechsel in eine stehende Position minütlich über mindestens drei Minuten wiederholt. Der Schellong-Test wird heutzutage häufig durch die Kipptisch-Untersuchung (Tilt-Test) ersetzt beziehungsweise ergänzt.
Zum Ausschluss einer sekundären Hypotonie werden je nach Ursachenverdacht weitere Laboruntersuchungen durchgeführt.
Die Therapie orientiert sich an den Ursachen und dem Schweregrad der Beschwerden. Bei einer primären Hypotonie mit geringer Symptomatik besteht im Allgemeinen kein Behandlungsbedarf mit Arzneimitteln. Bei einer sekundären Hypotonie sollten Patienten mit Grunderkrankungen gut eingestellt sein, Medikamente auf Interaktionen geprüft und die Dosierung in regelmäßigen Abständen dem aktuellen Bedarf angepasst werden. Dabei kann das Apothekenteam unterstützend die pharmazeutische Dienstleistung (pDL) »Erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation« anbieten. Zudem kann es Maßnahmen zur Kreislaufstabilisierung empfehlen. Dazu gehören regelmäßige körperliche Bewegung, ausreichendes Trinken und eine ausgewogene Ernährung nach den Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Kneipp-Anwendungen fördern die Durchblutung. Bewährt hat sich auch das Tragen von Kompressionsstrümpfen, um den venösen Blutfluss zum Herzen zu unterstützen.
Vermieden werden sollten Risikosituationen wie langes Stehen oder ein Aufenthalt in zu warmer Umgebung (Hitze, Sauna, Vollbad). Personen mit orthostatischer Hypotonie kann geraten werden, in der Nacht das Kopfende des Bettes um 15 cm hochzustellen.
Medikamente sind nur indiziert, wenn alle Allgemeinmaßnahmen ausgeschöpft sind und die Behandlung der Grunderkrankung nicht zu einer ausreichenden Kontrolle des Blutdrucks geführt hat. Zugelassen zur Behandlung einer neurogenen orthostatischen Hypotonie ist der α1-Rezeptoragonist Midodrin (Gutron®). Als Off-Label-Optionen gelten der Cholinesterasehemmer Pyridostigmin (Mestinon®) und das Mineralocorticoid Fludrocortison (Astonin® H).

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Es ist Sommer, die Außentemperaturen liegen bei 35 °C. Eine Kundin klagt über Schwindel und bittet, den Blutdruck zu überprüfen. Das Apothekenteam kann die pDL-Blutdruckmessung anbieten.
Der gemessene Wert liegt deutlich niedriger als gewohnt. In der Apotheke wird nach Grunderkrankungen und Dauermedikation gefragt. Die Kundin berichtet, dass sie Medikamente für ihren erhöhten Blutdruck nimmt und nun ein neues Arzneimittel für den Zucker bekommen hat. Das Apothekenteam bietet eine Medikationsanalyse an. Ein erster Blick in den aktuellen Medikationsplan zeigt bereits mögliche Zusammenhänge mit den Beschwerden. Leitliniengerecht sind ein ACE-Hemmer und ein Diuretikum verordnet. Allerdings soll die Patientin beide Medikamente jeweils morgens und abends einnehmen. Für den Diabetes wurde neben Metformin ein SGLT-2-Hemmer angesetzt. Zudem nimmt die Patientin für die Schilddrüse L-Thyroxin. Das Apothekenpersonal fragt, ob die Werte für die Schilddrüsenfunktion regelmäßig geprüft werden.
Die zweimal tägliche Gabe des Diuretikums sollte hinterfragt werden. Besonders bei hohen Außentemperaturen, die den Blutdruck durch Schwitzen und Gefäßweitstellung sinken lassen, sollte gegebenenfalls die Dosis des Diuretikums angepasst werden. Hinzu kommt die erhöhte Flüssigkeitsausscheidung durch den neu angesetzten SGLT-2-Hemmer. Das ist eine riskante Kombination und kann bei gleichzeitiger Einnahme von Diuretika Entgleisungen des Elektrolythaushalts verursachen.