Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Hypotonie
-
Mehr als eine Kreislaufschwäche

Schwindel, Müdigkeit oder Kreislaufprobleme werden oft als harmlose Folgen eines niedrigen Blutdrucks abgetan. Doch hinter einer Hypotonie können neben einer angeborenen Veranlagung auch Erkrankungen oder Arzneimittel stecken. Für das Apothekenteam gilt es daher, Warnsignale zu erkennen und Betroffene kompetent zu beraten.
AutorKontaktBarbara Staufenbiel
Datum 27.08.2026  09:00 Uhr

Diagnose mittels Schellong-Test

Zur Basisdiagnostik einer Hypotonie zählen wiederholte Blutdruckmessungen auch im Langzeitformat sowie ein EKG und ein sogenannter Schellong-Test. Letzterer überprüft die Veränderungen der Herzfrequenz und des Blutdrucks, die bewusst durch eine dosierte Belastung ausgelöst werden. Dabei werden zunächst Blutdruck und Puls ­minütlich während fünf- bis zehnminütiger Ruhephase im Liegen gemessen. Anschließend werden die Messungen nach Wechsel in eine stehende Position minütlich über mindestens drei ­Minuten wiederholt. Der Schellong-Test wird heutzutage häufig durch die Kipptisch-Untersuchung (Tilt-Test) ersetzt beziehungsweise ergänzt.

Zum Ausschluss einer sekundären Hypotonie werden je nach Ursachenverdacht weitere Laboruntersuchungen durchgeführt.

Medikamente nur zweite Wahl

Die Therapie orientiert sich an den Ursachen und dem Schweregrad der Beschwerden. Bei einer primären Hypotonie mit geringer Symptomatik besteht im Allgemeinen kein Behandlungs­bedarf mit Arzneimitteln. Bei einer sekundären Hypotonie sollten Patienten mit Grunderkrankungen gut eingestellt sein, Medikamente auf Inter­aktionen geprüft und die Dosierung in regelmäßigen Abständen dem aktuellen Bedarf angepasst werden. Dabei kann das Apothekenteam unterstützend die pharmazeutische Dienstleistung (pDL) »Erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation« anbieten. Zudem kann es Maßnahmen zur Kreislaufstabilisierung empfehlen. Dazu gehören regelmäßige körperliche Bewegung, ausreichendes Trinken und eine ausgewogene Ernährung nach den Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Kneipp-Anwendungen fördern die Durchblutung. Bewährt hat sich auch das Tragen von Kompressionsstrümpfen, um den venösen Blutfluss zum Herzen zu unterstützen.

Vermieden werden sollten Risikosituationen wie langes Stehen oder ein Aufenthalt in zu warmer Umgebung (Hitze, Sauna, Vollbad). Personen mit orthostatischer Hypotonie kann geraten werden, in der Nacht das Kopfende des Bettes um 15 cm hochzustellen.

Medikamente sind nur indiziert, wenn alle Allgemeinmaßnahmen ausgeschöpft sind und die Behandlung der Grunderkrankung nicht zu einer ausreichenden Kontrolle des Blutdrucks geführt hat. Zugelassen zur Behandlung einer neurogenen orthostatischen Hypotonie ist der α1-Rezeptoragonist Midodrin (Gutron®). Als Off-Label-Optionen gelten der Cholinesterasehemmer Pyridostigmin (Mestinon®) und das Mineralocorticoid Fludrocortison (Astonin® H).

Mehr von Avoxa