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Nicht nur Frauensache

Kontrazeption für den Mann

Seit Einführung der »Pille« in den 1960er-Jahren ist Kontrazeption weitgehend Frauensache. Doch auch viele Männer wären bereit, die Verhütung zu übernehmen. Doch wie weit ist die Entwicklung von hormonellen und nicht hormonellen Kontrazeptiva für den Mann überhaupt gediehen?
Katharina Holl
02.08.2020  08:00 Uhr
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Für einen großen Teil der Erwachsenen im fortpflanzungsfähigen Alter stellt sich irgendwann die Frage nach einer wirksamen Empfängnisverhütung. Eine Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) bei knapp 1000 sexuell aktiven Personen im Alter von 18 bis 49 Jahren aus dem Jahr 2018 ergab, dass die beliebtesten Verhütungsmittel der Deutschen die Pille und das Kondom sind. Beide Methoden liegen mit einer Nutzungsrate von 47 beziehungsweise 46 Prozent fast gleichauf (1).

Dennoch ist die Verhütung insbesondere in Langzeitbeziehungen immer noch häufig Frauensache. Dies hat verschiedene Gründe. Bis in die 1960er-Jahre gab es de facto keine wirksamen Verhütungsmethoden für Frauen. Mit der Markteinführung der Pille Anfang der 1960er-Jahre war es ihnen erstmals möglich, die eigene Fruchtbarkeit und ihre Folgen zu kontrollieren – und viele Frauen übernahmen diese Aufgabe selbst. Zum anderen haben sich die Verhältnisse gewandelt – heute sind deutlich mehr »weibliche« Verhütungsmethoden verfügbar als solche für Männer. Diese Methoden sind in aller Regel zuverlässig wirksam, jedoch teilweise mit einem signifikanten Nebenwirkungspotenzial behaftet und kommen nicht für jede Frau infrage.

Großes Interesse der Männer

Laut einer Befragung in verschiedenen Ländern ist durchschnittlich mehr als die Hälfte der Männer an der Anwendung hormoneller Verhütungsmethoden interessiert (2). Daher wäre es wünschenswert, dass auch für sie eine breite Auswahl zur Verfügung steht. Dieser Artikel gibt einen Überblick über vorhandene sowie vielversprechende Methoden in der Entwicklung.

Verhütungsverfahren für Männer lassen sich in drei Gruppen unterteilen:

  • Methoden, die den Transport der Spermien in den Geschlechtstrakt der Frau hemmen (hier lassen sich die bisher verfügbaren Methoden einordnen);
  • Methoden, die die Spermatogenese beeinflussen;
  • Methoden, die die Reifung der Spermien in den Nebenhoden beeinträchtigen.

Ein ideales Verhütungsmittel sollte spezielle Eigenschaften haben (3). Es muss mindestens so wirksam sein wie verfügbare Methoden, einen schnellen Wirkeintritt bei guter Verträglichkeit haben und darf keine negativen Effekte auf die Nachkommen auslösen. Die Wirkung muss reversibel sein. Und schließlich muss die Methode eine hohe Akzeptanz (bei beiden Partnern) haben und zu vertretbaren Kosten breit verfügbar sein.

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