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Umstrittene Sparpläne
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Kehrt die Pharmaindustrie Deutschland den Rücken?

Die Kritik an der Pharmapolitik der Regierung wird lauter und manche Unternehmen ziehen sogar ihre Gelder aus Deutschland ab. Die PZ hat ein aktuelles Stimmungsbild eingeholt und bei mehreren deutschen und internationalen Pharmaunternehmen nach ihren Investitionsplänen gefragt. Alle teilten mit, dass Deutschland für sie ein wichtiger Standort bleibe. Dennoch haben sie eine klare Botschaft an die Politik.
AutorKontaktAlexandra Amanatidou
AutorKontaktLukas Brockfeld
Datum 26.10.2026  14:30 Uhr
Kehrt die Pharmaindustrie Deutschland den Rücken?

Kürzlich sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bei der Jahresveranstaltung von »Made for Germany«, dass der Sektor der Gesundheitswirtschaft ein schnell wachsender sei. Dennoch gibt es immer mehr Pharmaunternehmen, die ihre Investitionen aus Deutschland zurückziehen und stattdessen in den USA investieren. Der Hauptgrund sind die zahlreichen neuen Zölle. Das Most-Favored-Nation-Prinzip, mit dem die US-Regierung die Preise für verschreibungspflichtige Medikamente an die niedrigsten weltweiten Vergleichspreise anpassen will, setzt die Unternehmen zusätzlich unter Druck.

So investieren immer mehr deutsche Unternehmen in den USA, wie etwa der Pharmakonzern Bayer. Konkret steckt er 2,2 Milliarden Dollar (umgerechnet 1,96 Milliarden Euro) in eine neue Produktionsstätte in Ohio. Deutlich geringer fallen die Investitionen in Deutschland aus. Eigenen Angaben zufolge hat Bayer in den vergangenen beiden Jahren rund 1,8 Milliarden Euro hierzulande investiert.

Die Bundesregierung müsse den Standort wieder wettbewerbsfähig machen, teilt Bayer auf Anfrage mit. »Unternehmen investieren dort, wo Innovationen gefördert und angemessen honoriert werden und wo langfristig verlässliche Bedingungen gelten.« Dass das nicht in Deutschland ist, machte neulich Stefan Oelrich, Vorstandsmitglied des DAX-Unternehmens, deutlich. »Deutschland konkurriert um diese Investitionen. Wer das ignoriert, wird sie verlieren«, so das Leverkusener Unternehmen.

Ist Deutschland ein unattraktiver Standort geworden?

Tatsächlich wächst die Kritik an der schwarz-roten Regierung. So rechnete Dave Ricks, CEO des Pharmaunternehmens Eli Lilly, kürzlich mit der deutschen Pharmapolitik ab. Auch der Schweizer Pharmakonzern Roche stellt aus Ärger über die Sparvorgaben im Gesundheitswesen alle Investitionen in Deutschland auf den Prüfstand.

So steigt etwa im Zuge der Sparmaßnahmen zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz) der Herstellerrabatt an die Krankenkassen ab 2027 um 8,5 Prozentpunkte auf 15,5 Prozent an. Die Standortklausel ist zwar ein Lichtblick für die Industrie, doch sie kommt aktuell nur langsam voran. Pharmaunternehmen können sich damit unter bestimmten Bedingungen vom zusätzlichen Herstellerabschlag befreien. Die üblichen 7 Prozent Abschlag bleiben.

Boehringer Ingelheim betrachtet die politischen Entwicklungen kritisch. Der Pharmakonzern hatte im Sommer, fast zeitgleich mit Eli Lilly, seine Investitionen aus Rheinland-Pfalz zurückgezogen. »Kurzfristige Einsparungen in der GKV dürfen nicht zulasten von Innovation, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit gehen«, teilt der Konzern aus Rheinland-Pfalz der PZ mit. »Wir brauchen vor allem Planungssicherheit, verlässliche Rahmenbedingungen und eine innovationsfreundliche Politik. Nachhaltige Strukturreformen sollten Vorrang vor kurzfristigen zusätzlichen Belastungen innovativer Arzneimittel haben.« Der Konzern erhofft sich durch die von der Regierung angekündigte strukturelle Gesundheitsreform eine Besserung.

Eigenen Angaben zufolge seien 2025 fast 50 Prozent seiner weltweiten Sachanlageinvestitionen nach Deutschland gegangen. »In den Jahren 2024 und 2025 lagen die Investitionen in Sachanlagen bei rund 1,1 Milliarden Euro und bei rund 5,4 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung.«

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