Liposomen sind meist submikroskopische Vesikel (<1000 nm), bei denen eine hydrophile innere Phase von einer Phospholipid-Doppelschicht umgeben ist. Die Mehrzahl der Untersuchungen spricht dafür, dass ihr penetrationsverbessernder Effekt nicht auf einer intakten Passage der Vesikel in tiefere Hautschichten beruht, sondern darauf, dass sie in die Hautbarriere wandern und dort eine hohe Wirkstoffkonzentration und damit einen hohen Konzentrationsgradienten zu tieferen Hautschichten erzeugen, der letztlich die Diffusion in die Haut beschleunigt: ein sogenannter Lokalisierungseffekt.
Außerdem zeigte sich bereits früh, dass nur ausreichend flexible Doppelschichten die Penetration wirklich verbessern. Liposomen aus nativen Phospholipiden mit einer gesättigten und einer ungesättigten Fettsäure sind daher geeigneter als solche aus hydrierten Phospholipiden.
Diese Erkenntnisse führten zur Entwicklung ultradeformierbarer Vesikel wie Ethosomen, Invasomen und Transfersomen. Diese Vesikel unterscheiden sich von klassischen Liposomen dadurch, dass in die Phospholipid-Doppelschicht sogenannte Edge-Aktivatoren eingelagert sind, die deren Flexibilität erhöhen (Tabelle 1). Für diese Systeme wird postuliert, dass sie entlang des Wassergradienten von der trockenen Hautoberfläche zur wasserreichen lebenden Epidermis wandern und dabei eingeschlossene Wirkstoffe transepidermal transportieren.
| Einzelkom ponenten | Invasomen | Ethosomen | Transfersomen |
|---|---|---|---|
| Lipidkomponente | Sojaphosphatidylcholin10% | Sojaphosphatidylcholin5–10% | Sojaphosphatidylcholin5% |
| Edge-Aktivator | Lyso-Sojaphosphatidylcholin0,7% | Ethanol 20–50% | nichtionische Tensideoder Na-Cholat |
| Penetrationsverbesserer | Ethanol 10%Terpene oder Terpengemische | ||
| Dispersionsmedium | Puffer | Puffer | Puffer |
Obwohl die penetrationsfördernde Wirkung liposomaler Systeme gut belegt ist, besteht kein einheitliches mechanistisches Verständnis. Diskutiert werden unter anderem die Fusion mit den Lipiden des Stratum corneum, eine Störung der interzellulären Lipidorganisation im Stratum corneum oder – zumindest teilweise – die Penetration intakter Vesikel, die sich aufgrund ihrer hohen Flexibilität zwischen den Corneozyten hindurchquetschen können, obwohl ihr Durchmesser größer ist als der Spalt zwischen den Hornzellen. Der aktuelle wissenschaftliche Konsens geht davon aus, dass mehrere Mechanismen gleichzeitig zur Penetrationssteigerung beitragen (Abbildung 1).
Liposomen sind heute etablierte Vehikel in Anti-Aging-, Feuchtigkeits- und Hautpflegeserien. Die kommerzielle Nutzung liposomaler Systeme startete der Dior-Konzern 1986. / © Shutterstock/colnihko
Die kommerzielle Nutzung liposomaler Systeme in der Kosmetik hat sich seit der Markteinführung von Diors »Capture« im Jahr 1986 stark ausgeweitet. Liposomen gelten heute als etabliertes Vehikel in Anti-Aging-, Feuchtigkeits- und Hautpflegeserien zahlreicher (Premium-)Marken. Spezialisierte Rohstofflieferanten bieten eine Vielzahl liposomal verkapselter Wirkstoffe kommerziell an.
Im Arzneimittelbereich hingegen ist die Situation zurückhaltender: Zwar gibt es Beispiele zugelassener Fertigarzneimittel wie das liposomale Pevaryl®-Lipogel mit dem Wirkstoff Econazol sowie vereinzelte klinische Studien zu topischen liposomalen Gelen. Jedoch ist die Zulassung liposomaler Dermatika herausfordernd, da – wie bei den festen Lipidnanopartikeln – regulatorische Anforderungen und der Nachweis klinischer Überlegenheit die Entwicklung erschweren. Der Anteil zugelassener topischer liposomaler Medikamente ist im Vergleich zur Kosmetik daher verschwindend gering.