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Mikrobiom-Immun-Achse
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Infektionsschutz aus dem Darm

Weil das Darmmikrobiom mit dem Immunsystem und der Lunge kommuniziert, könnte eine orale Intervention Atemwegsinfekte beeinflussen oder die Immunantwort nach einer Impfung verbessern. Funktioniert das wirklich? Wir haben eine Expertin nach ihrer Einschätzung gefragt.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 27.10.2026  09:00 Uhr

Auf den Stamm kommt’s an

Davon, dass die Mikrobiomforschung mittlerweile funktioneller Natur ist, man also in Ansätzen weiß, welcher Keim welche Funktion innehat, leitet sich das Konzept ab, dass geeignete Bakterienstämme auch im Sinne von Prävention oder Therapie eingesetzt werden können. Für die Expertin ganz wichtig: Nur wenige Bakterienstämme sind im Vergleich zur hohen Diversität des gastrointestinalen Mikrobioms in der Lage, eine immunologische Wirkung zu erzielen. »Förderlich im Sinne einer immunmodulierenden Aktivität scheinen ausgewählte Laktobazillen und vor allem Bifidobakterien zu sein. Sie sind nicht nur in der Lage, bestimmte Abwehrzellen gezielt zu stimulieren, sondern auch Entzündungsreaktionen im Darm zurückzufahren. Daraus ergibt sich ein potenzieller therapeutischer Ansatz für entzündliche Erkrankungen wie allergische Rhinosinusitis, allergisches Asthma oder atopische Dermatitis.«

Mehr Impfbenefit

Die Expertin stellte einen weiteren Hinweis auf die Existenz der Darm-Immunsystem-Achse vor. »Bestimmte Bakterien sind offensichtlich in der Lage, die Effektivität von Impfungen steigern zu können.« So zeigte etwa eine placebokontrollierte randomisierte Studie, dass die Einnahme von Lactobacillus rhamnosus über etwa einen Monat nach einer Influenzaimpfung die Schutzrate gegen das Virus deutlich erhöhte.

Noch effektiver scheint es laut Axt-Gadermann zu sein, Probiotika bereits geraume Zeit vor der geplanten Impfung einzunehmen. Dafür spreche etwa das Ergebnis einer Studie von israelischen Kinderärzten. Sie verabreichten Kleinkindern zwei Monate lang vor der Masern-Mumps-Röteln-Impfung entweder Probiotika oder Placebo. In der Placebogruppe entwickelten 17 Prozent der Kinder keine adäquaten Antikörperspiegel und damit keinen ausreichenden Schutz. In der Probiotikagruppe blieb der Impferfolg nur bei 8 Prozent aus. Gleichzeitig waren die Impfreaktionen und Nebenwirkungen in der Probiotikagruppe geringer.

»Zahlreiche Studien bestätigen die Wirksamkeit von Probiotika als Adjuvans bei Impfungen, wieder andere konnten keine Zusammenhänge ausmachen. Grund könnten die Unterschiede zwischen den Studien hinsichtlich des Zeitpunkts der Probiotikagabe (wann und wie lange), die Heterogenität der Probanden bezüglich Alter und Erkrankungen, die verwendeten Probiotikastämme und die Art des Impfstoffs (lebend/abgeschwächt, getötet/inaktiviert und Subunit/rekombinant) sein«, betont sie.

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