| Johanna Hauser |
| 14.10.2026 15:00 Uhr |
Flagellin, das in den Geißeln von Bakterien vorkommt, scheint Impfreaktionen zu begünstigen. / © Getty Images/Thom Leach/Science Photo Library
Impfungen schützen vor Infektionen oder schweren Verläufen von Krankheiten. Die Immunantworten der Impflinge fallen jedoch sehr unterschiedlich aus: Während die einen kaum etwas merken, reagieren andere mit Fieber. Solche Impfreaktionen können die Akzeptanz von Impfungen beeinflussen.
Als möglichen Grund machte jetzt ein internationales Forschungsteam neben dem Impfstoff auch die Zusammensetzung des Darmmikrobioms aus. Die im Fachjournal »Science« veröffentlichten Daten des Teams um Kelsey E. Huus vom Max-Planck-Institut für Biologie in Tübingen legen nahe, dass Menschen mit einem flagellinreichen Darmmikrobiom eher Fieber nach einer Impfung entwickeln.
Forscher verfolgten in der sogenannten µHEAT-Studie 171 gesunde junge Erwachsene, die 2021 und 2022 eine mRNA-Impfung gegen SARS-CoV-2 erhielten. Vor und nach der Impfung wurden Körpertemperatur, Blut- und Stuhlproben untersucht.
Auffällig war, dass Menschen, die nach der Impfung Fieber entwickelten, bereits vor der Impfung eine leichte chronische Entzündungsaktivität im Darm sowie veränderte Bakteriengemeinschaften aufwiesen, insbesondere hohe Zahlen an begeißelten Bakterien aus der Familie Lachnospiraceae, deren Geißeln Flagellin produzieren. Das Protein aktiviert das angeborene Immunsystem. Als Folge fällt die Entzündungsreaktion nach einer Impfung stärker aus, und das Risiko für Fieber ist erhöht.
In einem zweiten Schritt transplantierten die Wissenschaftler Mikrobiome von Teilnehmern mit beziehungsweise ohne Fieberreaktion in keimfreie Mäuse. Tiere, die das »Fieber-Mikrobiom« erhielten, reagierten nach einer Impfung ebenfalls mit einer ausgeprägteren Immunantwort. Dies deutet darauf hin, dass Flagellin das Immunsystem voraktiviert und dadurch Fieber sowie andere entzündliche Impfreaktionen begünstigt.
Die Studie liefert außerdem Hinweise darauf, dass die Ernährung die Impfreaktion beeinflussen könnte. So zeigten Teilnehmer, die eine pflanzliche Ernährung bevorzugten, nach der Impfung tendenziell schwächere Fieberreaktionen.
Bei den Mäusen verstärkte eine fettreiche, typisch westliche Ernährung die Impfreaktion. In-vitro-Versuche zeigten zudem, dass Darmbakterien unter dem Einfluss bestimmter Lebensmittelzusätze mehr Flagellin produzieren. Dies deutet nach Ansicht der Autoren darauf hin, dass Bestandteile einer industrialisierten Ernährung die Vermehrung flagellinproduzierender Darmbakterien und damit die Flagellinproduktion fördern könnten.