Pflanzenbasiert und ballaststoffreich: Eine solche Ernährung ist das Lieblingsfutter unserer Darmbakterien. / © Getty Images/Milky Way
»Die Einnahme der richtigen Probiotika stärkt das Immunsystem nachweislich und schützt in gewissem Ausmaß vor respiratorischen Infekten genauso wie vor Allergien und Autoimmunerkrankungen«, konstatiert Dr. Michaela Axt-Gadermann, Professorin für Gesundheitsförderung an der Hochschule Coburg, auf Nachfrage der PZ. »Die Effekte von Bakterien auf das Immunsystem sind inzwischen gut belegt. Studien zeigen eine deutliche Wirkung etwa auf natürliche Killerzellen, Zytokine – wie den Anstieg von Interleukin 10 (Il-10) oder Interferon – sowie auf die Antikörperbildung.«
Die Mikrobiomspezialistin zitiert etwa eine aktuelle Metaanalyse von 32 placebokontrollierten randomisierten Studien vom Frühjahr dieses Jahres, die im Fachjournal »Microorganisms« publiziert wurde. Danach sank durch die Einnahme unterschiedlicher Probiotika, unter anderem von Lactiplantibacillus plantarum DR7, Lactobacillus paracasei, L. casei Shirota oder L. rhamnosus, das Risiko für Infektionen der oberen Atemwege. »Die Häufigkeit von Infekten insgesamt sowie die Anzahl der Krankheitstage reduzierten sich in vielen, aber nicht in allen Studien; die Symptome waren schwächer ausgeprägt. Auch der Antibiotikabedarf sank. Das galt über alle Altersgruppen hinweg, wobei Kinder sowie die Älteren über 65 Jahre besonders profitierten.«
Axt-Gadermann, Ernährungsmedizinerin und Dermatologin, bezeichnet den Darm als Headquarter der Abwehrkräfte. »Zwischen 70 bis 80 Prozent aller Immunzellen befinden sich in der Submucosa des Darms. Ein möglichst artenreiches, eubiotisches Mikrobiom mit einer guten Produktion kurzkettiger Fettsäuren ist nicht nur dafür verantwortlich, dass die Darmschleimhaut gut gedeiht, dass sie intakt bleibt und nicht entzündlich durchlässig für Pathogene wird, sondern eben auch dafür, dass darunterliegende Immunzellen so erzogen werden, dass sie regulatorische T-Zellen bilden. Das sind die Hauptverantwortlichen für immunologische Toleranz.«