Für Kinder zwischen 2 und einschließlich 17 Jahren steht neben den Totimpfstoffen auch ein attenuierter Lebendimpfstoff als Nasenspray (Fluenz®) zur Verfügung. Die STIKO empfiehlt beide Impfvarianten gleichermaßen – allerdings nicht standardmäßig jährlich neu, sondern nur, wenn eine Grunderkrankung besteht.
Noch nicht auf dem Markt ist mCombriax® – der erste Kombinationsimpfstoff, der gleichzeitig vor Influenza und Covid-19 schützt. Im Frühjahr hatte die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) dem Impfstoff bereits grünes Licht gegeben. Die Vakzine kombiniert mRNA-1283, den gegen SARS-CoV-2 gerichteten Impfstoff der zweiten Generation (mNexspike®), mit mRNA-1010, einem gegen die Influenzaviren A-H1N1, A-H3N2 und B (Victoria-Linie) gerichteten Grippeimpfstoff. Er ist indiziert für Personen ab 50 Jahren.
Mit einer Vakzine Immunschutz gegen zwei Erreger zu bekommen, mag das Impfen erleichtern und in Zeiten miserabler Impfquoten eine gute Idee sein, berücksichtigt allerdings nicht die präferierten unterschiedlichen Impfzeitpunkte der einzelnen Komponenten. Experten halten für die Coronaimpfung den Spätsommer/Frühherbst für ideal, die Influenza-Immunisierung erfolgt am besten im November. Hintergrund: Die Inzidenzen bezüglich Covid-19 erreichen vor dem Jahreswechsel ihren Höhepunkt, während die Influenza erst im Januar/Februar Fahrt aufnimmt.
Zudem empfiehlt die STIKO als Herbstimpfung Erwachsenen ab 75 Jahren sowie 60- bis 74-Jährigen mit schweren Grunderkrankungen und Bewohnern in Pflegeeinrichtungen eine einmalige Impfung gegen das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV). Diese sollte möglichst vor Beginn der Infektsaison verabreicht werden. Sie kann entweder mit einem proteinbasierten (Abrysvo® oder Arexvy®) oder einem mRNA-Impfstoff (mResvia®) erfolgen. Der letztgenannte ist der einzige RSV-Impfstoff in einer Fertigspritze. Für Abrysvo ist in der Einerpackung ein Durchstechflaschenadapter notwendig, und Arexvy muss erst aus Pulver und Suspension rekonstituiert werden.
Auf Basis der aktuellen Datenlage kann noch keine Aussage zur Notwendigkeit von Wiederholungsimpfungen getroffen werden. Die Schutzwirkung scheint aber über mindestens drei Jahre kaum an Effektivität einzubüßen. Laut Fachinformationen können die RSV-Vakzinen auch gleichzeitig mit der saisonalen Grippe- und der Covid-19-mRNA-Impfung verabreicht werden. Obwohl Abrysvo® auch für eine Impfung während der Schwangerschaft zugelassen ist, hat die STIKO für diese Indikation noch keine Empfehlung ausgesprochen. Britische Daten belegen aber hier eine gute Wirksamkeit bei einer Immunisierung ab der 28. Schwangerschaftswoche.
Auch Neugeborenen und Säuglingen unter einem Jahr wird unabhängig von möglichen Risikofaktoren die RSV-Prophylaxe empfohlen, da sie in den ersten Lebensmonaten ein besonders hohes Risiko für schwere Verläufe haben. Möglich ist eine passive Immunisierung mit einem monoklonalen Antikörper, entweder Nirsevimab (Beyfortus®), Palivizumab (Synagis®) oder Clesrovimab (Enflonsia®). Enflonsia, der jüngste Vertreter, ist bislang der einzige Antikörper, der gewichtsunabhängig mit einer einmaligen Dosis verabreicht werden kann.
Die Injektionslösungen können jeweils gleichzeitig mit den Standardimpfungen im Säuglingsalter verabreicht werden. Säuglinge, die zwischen April und September geboren sind, sollen den Antikörper vor Beginn ihrer ersten RSV-Saison erhalten; diejenigen, die während der RSV-Saison geboren werden, möglichst rasch nach der Geburt.
Impfungen gegen respiratorische Erreger schützen nicht nur vor der jeweiligen Infektion beziehungsweise einem schweren Krankheitsverlauf, sondern gelten auch als Form der Gesundheitsprävention. Am besten untersucht sind Sekundäreffekte bezüglich Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wer sich gegen Influenza, SARS-CoV-2 oder Pneumokokken impfen lässt, hat ein geringeres Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder venöse Thromboembolien.
Ein Konsensuspapier der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie von 2025 hebt hervor, dass eine Influenza-Impfung nach einem Herzinfarkt das Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse um etwa 28 bis 45 Prozent senken kann. Welche pathophysiologischen Mechanismen liegen diesem Benefit zugrunde? Die Vakzinen verhindern systemische Entzündungskaskaden und damit die Destabilisierung sowie das Einreißen bestehender Gefäßplaques oder die Zunahme einer weiteren Gefäßverengung. Das wirkt sich auch günstig auf die Thromboinflammation in der kardialen und systemischen Mikrozirkulation aus.
Beobachtungsstudien zeigen zudem, dass Menschen, die gegen Gürtelrose geimpft sind, seltener an Demenz erkranken. Ähnliche Signale wurden etwa auch für Covid-19-Impfungen beschrieben. »Nach hospitalisierter Infektion besteht ein 2,4-fach erhöhtes Risiko für eine neue Demenzdiagnose. Bei den geimpften Erkrankten liegt dieses Risiko auf dem gleichen niedrigen Level, wie es nicht Covid-19-Infizierte haben«, sagte Professorin Dr. Irit Nachtigall bei den Hamburger Herztagen. Allerdings sei die Datenlage weniger eindeutig als bei den kardiovaskulären Effekten.
Als belastbarsten pleiotropen Effekt der Covid-19-Impfung bezeichnete die Infektiologin die Vermeidung von Long Covid. »Die Anzahl der Auffrischungsimpfungen reduziert das Risiko weiter. Eine Metaanalyse mit Daten von mehr als fünf Millionen Geimpften ergab ein 73 Prozent niedrigeres Long-Covid-Risiko nach der dritten Impfung.«