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Impfungen
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Mehr als nur Infektionsschutz

Mit Impfungen verbinden die meisten Menschen in erster Linie den Schutz vor einer Infektion oder einem schweren Krankheitsverlauf. Doch immer mehr Studien zeigen, dass ihr Nutzen darüber hinausgehen kann. Das sollte auch kommuniziert werden.
AutorKontaktJohanna Hauser
Datum 02.10.2026  13:30 Uhr

Impfungen schützen nicht nur vor der jeweiligen Infektion beziehungsweise einem schweren Krankheitsverlauf durch diese Infektion. Sie können auch darüber hinausgehende gesundheitliche Wirkungen entfalten, die in geeigneter Weise kommuniziert werden müssen.

Besonders gut untersucht ist der Zusammenhang zwischen Atemwegsinfektionen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wer sich gegen Influenza, Pneumokokken oder SARS-CoV-2 impfen lässt, hat ein geringeres Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Ein Konsensuspapier der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) von 2025 hebt gar hervor, dass eine Influenza-Impfung nach einem Herzinfarkt das Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse um etwa 28 bis 45 Prozent senken kann. Dies sollte eindeutig als Zusatznutzen benannt werden, erklärt Professor Dr. Christoph D. Spinner, Oberarzt und Leiter der Infektiologie, Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II, TUM Klinikum, gegenüber dem Science Media Center. »Die Vakzinen verhindern systemische Entzündungskaskaden und damit das Einreißen von Gefäßplaques oder die Zunahme einer weiteren Gefäßverengung«, so Spinner weiter.

Impfungen beeinflussen verschiedene Prozesse

Beobachtungsstudien zeigen auch, dass Personen, die gegen Gürtelrose geimpft sind, seltener an Demenz erkranken. Ähnliche Signale wurden für Influenza- und Pneumokokken-Impfungen beschrieben. Allerdings ist die Datenlage weniger belastbar als bei den kardiovaskulären Effekten. Forschende vermuten verringerte chronische Entzündungsprozesse als möglichen Mechanismus.

Diese zusätzlichen Wirkungen werden als nicht spezifische (»heterologe«) Impfeffekte bezeichnet. Dabei muss jedoch zwischen indirekten Folgen des Infektionsschutzes und echten, durch die Impfung ausgelösten Veränderungen des Immunsystems unterschieden werden.

Als indirekte Effekte (des spezifischen Impfschutzes) gilt die Verhinderung von Folgeerkrankungen. Ein bekanntes Beispiel ist die HPV-Impfung gegen Infektionen mit humanen Papillomviren, die das Risiko für verschiedene Krebsarten senkt. Vor dem Hintergrund einer aktuellen Schätzung, dass 12 Prozent aller Krebsfälle weltweit auf Infektionen zurückzuführen sind, ist das nicht unbedeutend.

Daneben gibt es Hinweise auf echte (direkte) heterologe Effekte. »Zu den stärksten Hinweisen auf echte heterologe Impfeffekte zählen Befunde zur BCG-Impfung«, sagt Prof. Dr. Robert Thimme, Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin II am Universitätsklinikum Freiburg. Die Impfung gegen Tuberkulose mit dem Bacillus-Calmette-Guérin-(BCG)-Impfstoff scheint die angeborene Immunabwehr so zu beeinflussen, dass Geimpfte auch besser gegen andere Infektionen geschützt sind.

Gesamteffekt hervorheben, Evidenz einordnen

»Für die Kommunikation über Impfungen halte ich diese zusätzlichen gesundheitlichen Effekte durchaus für relevant – allerdings sollte immer deutlich werden, wie sicher die jeweilige Evidenz ist«, so Professor Dr. Barbara Rath, Vorsitzende der Vaccine Safety Initiative, Berlin, und Forschungsdirektorin an der University Marie et Louis Pasteur, Besançon Cedex, Frankreich.

Auch das Epstein-Barr-Virus, das Pfeiffersches Drüsenfieber verursacht und als wichtigster bekannter Risikofaktor der Multiplen Sklerose gilt, könnte künftig zu einem wichtigen Impfziel werden. Ein Vakzin könnte nicht nur akute Infektionen, sondern möglicherweise auch Folgeerkrankungen verhindern. Die Erforschung solcher Effekte steckt zwar noch in den Anfängen, könnte aber helfen, den gesundheitlichen Nutzen von Impfungen künftig umfassender zu verstehen.

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