| Kerstin A. Gräfe |
| 08.07.2026 07:00 Uhr |
Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) ist eine häufige Ursache für schwere Atemwegsinfekte, die bei Säuglingen einen Krankenhausaufenthalt nötig machen. / © Adobe Stock/Lavizzara
Infektionen mit RSV können bei Neugeborenen und Säuglingen schwere Erkrankungen der unteren Atemwege wie Bronchiolitis oder Pneumonie verursachen. Sie sind eine häufige Ursache für Hospitalisierungen in dieser Altersgruppe. Vorbeugen lässt sich durch eine Impfung der Mutter mit dem Impfstoff Abrysvo® sowie mit der Gabe eines Antikörpers an das Kind (passive Immunisierung). Zugelassen für die Anwendung bei Babys sind Palivizumab (Synagis®) und Nirsevimab (Beyfortus®).
Mit Clesrovimab ist seit Juni ein weiterer Antikörper in dieser Indikation verfügbar. Er bindet wie die beiden Mitstreiter an das Fusionsprotein (F-Protein) von RSV und verhindert dadurch sowohl das Eindringen des Virus in die Zellen als auch die Weiterverbreitung auf benachbarte Zellen.
Clesrovimab (Enflonsia® 105 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze, MSD) ist indiziert zur Prävention von RSV-Erkrankungen der unteren Atemwege bei Neugeborenen und Säuglingen während ihrer ersten RSV-Saison. Die empfohlene Dosis beträgt 105 mg, die als Einmalinjektion zu 0,7 ml intramuskulär in den Oberschenkel angewendet wird.
Enflonsia ist bei Neugeborenen und Säuglingen, die während der RSV-Saison geboren werden, nach der Geburt anzuwenden. Babys, die außerhalb der RSV-Saison geboren werden, sollten es einmalig vor Beginn ihrer ersten RSV Saison erhalten. Bei Säuglingen, die während der RSV-Saison am Herzen operiert werden und dazu an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen werden, wird eine zusätzliche Dosis empfohlen, sobald der Säugling nach der Operation stabil ist.
Enflonsia kann gleichzeitig mit Kinderimpfstoffen angewendet werden. Bei gleichzeitiger Gabe müssen getrennte Spritzen und unterschiedliche Injektionsstellen verwendet werden. Es ist nicht zu erwarten, dass Clesrovimab die aktive Immunantwort auf gleichzeitig angewendete Impfstoffe beeinflusst.
Wie andere intramuskulär verabreichte Arzneimittel soll Enflonsia bei Säuglingen mit Thrombozytopenie oder Gerinnungsstörungen mit Vorsicht angewendet werden, da Blutungen oder Hämatome auftreten können.