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Neue Kompetenzen
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Höhere Impfquoten im Blick

Mit der Apothekenreform wird die Impfbefugnis für Apotheken auf alle Totimpfstoffe erweitert. Wie sich die neuen Aufgaben in den Apothekenalltag integrieren lassen, wo es noch hakt und wie sich die neuen Regeln auf die Impfquoten in Deutschland auswirken könnten, diskutierten der CSU-Bundestagsabgeordnete Stephan Pilsinger und ABDA-Vize Ina Lucas bei der Expopharm.
Datum 15.09.2026  17:30 Uhr

Beim Politik-Talk »Impfen in der Apotheke – neue Regelungen, neue Chancen?« machte Lucas deutlich, dass es nun darauf ankomme, in die Umsetzung zu kommen und die Leistung in den Alltag zu integrieren. Das Thema müsse in die Fläche gebracht werden. »Impflücken sind für alle da, wir nehmen niemandem etwas weg«, entgegnete sie der immer wieder von Ärzten geäußerten Skepsis angesichts der neuen Apothekenleistungen.

Pilsinger, selbst Facharzt für Allgemeinmedizin, pflichtete ihr bei. Impfen sei keine Raketenwissenschaft, in seiner Praxis impfe nicht er selbst, sondern eine Medizinische Fachangestellte (MFA). Im Übrigen habe es in seinem Studium seiner Erinnerung nach auch kein eigenes Curriculum für das Impfen gegeben. »Es geht auch hier um Learning by Doing«, das sei bei Ärzten im Grunde nicht anders als bei Apotheken. Das Impfen müsse vorangebracht und nicht »überakademisiert« werden. Für das Gerangel um Kompetenzen habe er allein schon wegen des Ärztemangels kein Verständnis, so Pilsinger.

»Mehr falsch machen kann man, wenn man die Leute nicht impft«

Eigene Skepsis oder Ängste der Apotheken vor dem Impfen seien unnötig, so Pilsinger. »Mehr falsch machen kann man, wenn man die Leute nicht impft.« Bei der Nutzung digitaler Pfade müssten Selbstständige »im System die Treiber sein und nicht die Verhinderer«.

Apotheken führten eine praktische Ersteinschätzung im Übrigen schon immer durch, daher verstehe sie die Debatte um Kompetenzen nur eingeschränkt, bemerkte Lucas. »Wir haben immer schon gelotst.« Ärzte und Apotheker sollten gemeinsam Versorgung organisieren. Dafür brauche es allerdings eine bessere digitale Ad-hoc-Beschreibung der Patienten, aus der Apotheken quasi auf einen Blick Angebote ableiten könnten.

Apotheken und Ärzte müssten bei den neuen Aufgaben, die das Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) vorsehe, eng zusammenarbeiten. Die Diagnose bleibe klar ärztliche Aufgabe, Apotheken könnten aber insbesondere bei standardisierten Leistungen wie eben Impfungen oder der Versorgung chronisch Erkrankter stärker eingebunden werden.

Erst einmal Routine aufbauen

Lucas berichtete von Fortschritten bei den Fortbildungscurricula; bis 2027 sollen die neuen Angebote in der Fläche spürbar werden. Eine Herausforderung sei, den Impfstatus verlässlich zu erfassen. Eine bundesweite Impfwoche im November sowie eine ABDA-Impfkampagne sollten die neuen Angebote bekannt machen.

Auch wenn die Ausweitung der Impfkompetenzen auf Apotheken grundsätzlich sinnvoll sei, dürften neue Aufgaben die Apothekerschaft nicht überfordern. Man müsse den Gesundheitsberufen nur Aufgaben übertragen, für die die nötige Qualifikation und Routine vorhanden seien, so Pilsinger. Lucas pflichtete bei. Es brauche erst einmal Routine in den neuen Prozessen, dafür seien die Kolleginnen und Kollegen sehr motiviert. »Wir tun gut daran zu zeigen, was unsere Aufgabe ist.« In der Debatte um das aufzubauende Primärversorgungssystem ergäben sich aber neue Chancen.

Lucas und Pilsinger zeigten sich optimistisch, dass die stärkere Einbindung der Apotheken zu höheren Impfquoten beitragen werde. Wettbewerb und zusätzliche niedrigschwellige Angebote könnten das Interesse der Bevölkerung an Impfungen steigern und die Versorgung insgesamt effizienter machen.

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