Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Zukunft des Gesundheitssystems
-
Welche Rolle übernehmen die Apotheken?

Die Apothekenreform sieht viele neue Aufgaben für die Apotheken vor. ABDA-Präsident Thomas Preis erklärte beim Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit in Berlin, welche Chancen daraus für die Gesundheitsversorgung entstehen.
AutorKontaktLukas Brockfeld
Datum 25.06.2026  15:01 Uhr
Welche Rolle übernehmen die Apotheken?

Im deutschen Gesundheitssystem nehmen die Ärzte eine zentrale Rolle ein. Doch angesichts des demografischen Wandels steht das System zunehmend unter Druck. In vielen Ländern spielen andere Gesundheitsberufe eine wichtigere Rolle. In Deutschland sieht das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) jetzt neue Aufgaben für die Apotheken, beispielsweise im Bereich Impfen, vor. Was bedeutet das für die Versorgung? Darüber wurde am Donnerstag auf dem Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit in Berlin diskutiert.

Für die Debatte waren Nicola Buhlinger-Göpfarth (Hausärztinnen- und Hausärzteverband), Susanne Johna (Marburger Bund), Wolfgang Holzgreve (Universität St. Gallen), Thomas Preis (ABDA) und Torsten Rantzsch (Universitätsklinikum Düsseldorf) eingeladen. Die Moderation übernahm Hauke Gerlof (Ärzte Zeitung).

Thomas Preis betonte eingangs, dass sich Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) aus gutem Grund für ein multiprofessionelles Primärversorgungssystem ausspreche. Das Verhältnis zur Ärzteschaft sieht er aktuell nicht belastet. »Die Apotheken haben mit der Apothekenreform mehr Möglichkeiten, über die Arzneimittelversorgung hinaus Gesundheitsdienstleistungen anzubieten. Daher müssen wir Gespräche mit der Ärzteschaft führen. Wir dürfen nicht nebeneinander herarbeiten, sondern müssen unsere Angebote stärker verzahnen.«

Impfen Apotheken genug?

Die Kritik, dass Apotheken nicht die Kapazitäten hätten, um Leistungen wie Impfungen im großen Stil anzubieten, wollte der ABDA-Präsident nicht gelten lassen. »Bei uns in Nordrhein impft etwa jede dritte Apotheke. Da wird viel gemacht, und wir erreichen andere Personengruppen als die Arztpraxen.« Allein die Zahl der Grippeimpfungen habe sich in der letzten Saison verdoppelt. Mit der Ausweitung des Angebots werde es einen weiteren Sprung geben, da es sich für Apotheken mehr lohnen werde, in die benötigte Infrastruktur zu investieren.

Auch andere Angebote, beispielsweise die assistierte Telemedizin, würden bald an Bedeutung gewinnen. »Apotheken werden – politisch gewollt – mehr Verantwortung übernehmen. Wir wollen keine Parallelstrukturen. Wir schaffen vorgelagerte Strukturen. Wir stehen vor dem ärztlichen und dem notärztlichen System«, betonte Preis. Die Politik habe mit der Apothekenreform nicht das Ziel, den Ärzten etwas wegzunehmen, sondern wolle unter anderem höhere Impfquoten erzielen.

Nicola Buhlinger-Göpfarth entgegnete, dass Medizin dort stattfinden sollte, wo sie gemacht wird, und das seien nicht die Apotheken. Apotheken dürften seit fünf Jahren gegen Grippe und Covid-19 impfen und hätten es bisher nicht geschafft, die Impfquoten nennenswert zu erhöhen.

Mehr von Avoxa