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Diabetes Typ 1

Herausforderung Pubertät

Das Basalinsulin, das fast immer ein 24-Stunden-Insulin ist, zum Beispiel Insulin glargin, kann ganz vorsichtig um wenige Einheiten in Rücksprache mit dem Diabetologen angepasst werden. Es ist hilfreich, das Basalinsulin nicht vor 22 Uhr zu spritzen. Hier müssen die Eltern unterstützen, denn 22 Uhr ist oft schon zu spät für den Jugendlichen, um noch genügend Schlaf zu bekommen und fit für den nächsten (Schul-)Tag zu sein.

Bei Jugendlichen mit Insulinpumpentherapie wird die Basalrate in den frühen Morgenstunden entsprechend erhöht. Dies muss sehr vorsichtig geschehen, da das Wachstumshormon pulsatil freisetzt.

Auch das Bolus- oder Mahlzeiten-­Insulin (schnell freisetzende Insuline) muss in der Pubertät angepasst werden. Für das Frühstück ist etwa die doppelte Insulinmenge pro Kohlenhydrat-Einheit (KE) notwendig im Vergleich zum Bedarf vor der Pubertät. Der Bedarf an Insulin zum Mittag und Abend steigt jeweils um etwa 10 bis 15 Prozent.

Durch die hormonellen Einflüsse steigt der Gesamt-Insulinbedarf in der Pubertät deutlich an: von vorher circa 1 IE/kg Körpergewicht (KG) pro Tag auf circa 1,2 bis 1,5 Einheiten/kg KG/Tag.

Nach Abschluss der Pubertät sollte die Insulinmenge wieder reduziert werden.

Was können Eltern tun?

Der Frust und die Abwehrreaktion der Jugendlichen sind groß, vor allem, wenn besorgte Eltern bei schlechten Werten (verständlicherweise) mit Verzweiflung reagieren und die Jugendlichen noch strenger begleiten wollen. Eltern sollten dafür sorgen, dass es eine regelmäßige und engmaschige Kontrolle beim Diabetologen gibt. Sie sollten Regeln und Grenzen setzen, um den Drang nach Freiheit und mehr Selbstständigkeit einerseits zu unterstützen, andererseits die Erkrankung aber nicht unkontrolliert zu lassen. Ein jahrelang schlecht kontrollierter Diabetes kann zu irreversiblen Folgeschäden wie Erblindung führen. Eine schwierige Gratwanderung, die Fingerspitzengefühl erfordert. Wichtig ist, sich durch die Abwehr- oder Rückzugshaltung der Jugendlichen nicht entmutigen zu lassen.

Bei Kindern mit Diabetes kann die Pubertät verzögert einsetzen. Es kann eine spätere Menarche geben. Regelmäßigkeit und Dauer der Menstruation sind nicht beeinflusst. Eine gegebenenfalls nötige Verhütung erfolgt unter gleichen Kriterien bezüglich der Auswahl, zum Beispiel hormoneller Kon­trazeptiva, wie bei Teenagern ohne ­Diabetes. Dieser ist auch keine Kontraindikation für eine HPV-Impfung.

Die weitere Pubertät verläuft dann in der üblichen Variabilität, und die Jugendlichen entwickeln sich völlig normal. Wachstumsverzögerungen treten bei Typ-1-Diabetes-Patienten nur auf, wenn die Stoffwechsellage über einen langen Zeitraum (Monate bis Jahre) schlecht eingestellt ist und der Körper durch Insulinmangel unterversorgt ist.

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