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Herpes-Viren
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Einmal infiziert, immer infiziert

Herpesviren, die Ursache unter anderem des häufig vorkommenden Lippenherpes oder der Gürtelrose sind, gelten – der Name (altgriechisch: herpein = kriechen) deutet es bereits an – als tückisch und trickreich. Zumeist über lange Zeit latent im Körper existent, können sie unerwartet zum Ausbruch spezifischer Infektionen führen, die sich dann vielfach schleichend verstärken.
AutorKontaktDaniel Finke
Datum 30.01.2022  08:00 Uhr

Gürtelrose kann jeden treffen

Der Name Gürtelrose ist im Volksmund gebräuchlich, da diese als »Wundrose« oft im Gürtelbereich erscheint. Eine Gürtelrose kann jeden treffen. Besonders häufig sind jedoch ältere Menschen betroffen, da die Kraft des Abwehrsystems durch Alterungsprozesse (Immunseneszenz) sinken kann. Auch bei Defiziten der zellulären Immunität bei malignen Lymphomen, HIV-Infektionen oder immunsuppressiver Therapie treten die latent persistierenden VZV oftmals erneut auf die Bildfläche und beginnen, sich durch aktive Replikation als Herpes zoster – oftmals lebensbedrohlich – zu manifestieren.

Der charakteristische Verlauf der Erkrankung beginnt zumeist mit Allgemeinbeschwerden, Abgeschlagenheit und Müdigkeit sowie leichten bis mäßig brennenden Nervenschmerzen, gefolgt von einem bläschenartigen Ausschlag, der am häufigsten am Brustkorb und Rumpf, aber auch an Kopf und Beinen auftreten kann.

Charakteristisch sind Hautveränderungen in spezifischen Hautbereichen (Dermatomen), die durch die sensiblen Fasern einer Spinalnervenwurzel versorgt werden. Es kann zu halbseitigen Exanthemen kommen, in denen sich gruppiert stehende Bläschen entwickeln. Zudem kommt es bei Erwachsenen im Verlauf sehr häufig zu einer Neuritis mit starken Schmerzen.

Wichtig zu wissen ist, dass es auch Formen des Herpes zoster gibt, bei denen es nach der Prodromalsymptomatik zu dermatomalen Schmerzen, also Schmerzen in den spezifischen, von Rückenmarksnerven sensibel innervierten segmentalen Hautgebieten, kommen kann, allerdings keine Zostereffloreszenzen der Haut auftreten. Diese Form wird als »Zoster sine herpete« beschrieben.

Die VZV-Infektionen sind nicht nur per se schmerzhaft, sie können auch Spätfolgen wie eine oftmals über Jahre anhaltende Post-Zoster-Neuralgie (PZN) in der vormals betroffenen Hautregion mit sich bringen. Daher ist eine frühzeitige adäquate Schmerztherapie schon während der antiviralen Therapie angezeigt. Ansteckungsfähig sind Patienten vom Auftreten des Exanthems bis zur vollständigen Verkrustung der Bläschen. Dies ist in der Dauer von oftmals fünf bis sieben Tagen der Fall.

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