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Typ-2-Diabetes

Dulaglutid senkt das Herz-Kreislauf-Risiko

Semaglutid, Liraglutid und Albiglutid haben es vorgemacht – nun hat auch der GLP-1-Rezeptoragonist Dulaglutid unter Beweis gestellt, dass er im Vergleich zu Placebo die Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse signifikant verringern kann.
Kerstin A. Gräfe
10.01.2020
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Die aktuellen Leitlinien der europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) und der europäischen Diabetes-Gesellschaft (EASD) empfehlen für Typ-2-Diabetiker eine individuelle Therapiewahl, die sich nach den jeweiligen Bedürfnissen des Betroffenen richtet. Reicht eine Basistherapie in Verbindung mit Metformin nicht aus, um eine ausreichende glykämische Kontrolle zu erzielen, ist eine Therapieintensivierung notwendig. Diese orientiert sich jeweils am bestehendem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Hypoglykämien oder der Notwendigkeit einer Gewichtsabnahme.

Für Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen oder mit hohem beziehungsweise sehr hohem Risiko für Herz-Kreislauf-Komplikationen werden bevorzugt Inhibitoren des Natrium-Glucose-Cotransporter-2 (SGLT-2) und Glucagon-like-Peptid-1 (GLP-1)-Rezeptoragonisten empfohlen. Explizit nennt die Leitlinie die für Deutschland relevanten SGLT-2-Hemmer Empagliflozin (Jardiance®) und Dapagliflozin (Forxiga®) sowie die GLP‑1-Rezeptoragonisten Lixisenatid (Lyxumia®), Liraglutid (Victoza®), Semaglutid (Ozempic®, in Deutschland noch nicht auf dem Markt), Exenatid (Byetta®) und Dulaglutid (Trulicity®).

Die Empfehlung für Dulaglutid basiert auf der placebokontrollierten, doppelblinden Phase-III-Studie REWIND, deren Ergebnisse im Fachjournal »The Lancet» publiziert sind. Mit einer durchschnittlichen Beobachtungszeit von 5,4 Jahren ist sie unter den kardiovaskulären Endpunktstudien mit GLP-1-Rezeptoragonisten die längste Studie. Zudem hebt sie sich ab durch einen hohen Anteil an Patienten ohne kardiovaskuläre Vorerkrankung sowie durch eine Studienpopulation mit einem deutlich niedrigeren mittleren HbA1c-Wert zu Studienbeginn. 

An REWIND nahmen insgesamt 9901 Typ-2-Diabetiker mit einem durchschnittlichen HbA1c-Wert von 7,2 Prozent und einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse teil. Nur bei knapp einem Drittel der Teilnehmer war bereits eine kardiovaskuläre Erkrankung diagnostiziert worden. Die Probanden erhielten zusätzlich zur bestehenden antiglykämischen Therapie einmal pro Woche 1,5 mg Dulaglutid als subkutane Injektion oder Placebo. Dulaglutid senkte verglichen mit Placebo die Rate für den primären Studienendpunkt – eine Kombination der Ereignisse kardiovaskulärer Tod, Myokardinfarkt und  Schlaganfall – von 13,4 auf 12 Prozent. Das entspricht einer signifikanten relativen Risikoreduktion um 12 Prozent.

Das Verträglichkeitsprofil von Dulaglutid entsprach dem der Wirkstoffklasse der GLP-1-Rezeptoragonisten. Die häufigsten unerwünschten Ereignisse, die zum Absetzen von Dulaglutid führten, waren gastrointestinale Beschwerden.

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