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Überschüssige Covid-19-Impfstoffe

Bund will keine Impfdosen aus Arztpraxen zurücknehmen

Ärzte fordern Impfstoff in Einzeldosen

Dass die Mediziner ausgerechnet unter den Impfzentren Abnehmer finden werden, ist unwahrscheinlich. Denn auch in den Verteilzentren der Bundesländer lagern große Mengen Impfstoff, den die Zentren aufgrund mangelnder Nachfrage nicht abrufen wollen. Die Länder allerdings können durchaus Vakzine an den Bund zurückführen, das tut bereits der Großteil von ihnen. Insgesamt 2,7 Millionen Dosen sollen damit für Spenden zusammenkommen. Ende Juli waren zuvor allerdings bereits zahlreiche Impfstoffe in den Ländern verfallen.

Der Hauptgrund für die liegengebliebenen Dosen ist nach Einschätzung der Ärzte vor allem mangelndes Vertrauen in die Impfung und die Angst vor Spätfolgen. Rund ein Drittel der Patienten schätzt die individuellen Risiken der Impfung zudem größer ein als den Nutzen. Laut von Sellfried sollten Ärzte diese Skepsis künftig stärker im Gespräch mit dem Patienten berücksichtigen. »Statt den Gemeinschaftsschutz der Impfung zu betonen, sollte die Impfberatung auf die Sicherheit der Impfung und den individuellen Schutz fokussieren, der durch die Impfung erreicht werden kann.«

Ihre Arbeit sehen die Ärzte darüber hinaus durch die Packungsgrößen gehemmt. So lassen sich aus den Vials in der Regel mehrere Dosen ziehen. Praxen müssen die Impfungen demnach sinnvoll koordinieren, damit keine Vakzine verfällt. Spontane Impfungen seien deshalb kaum möglich, klagen die Praxen. Sie fordern daher die Produktion von Einzeldosen. »Wir sehen hier Politik und Industrie in der Pflicht, dies jetzt schnell umzusetzen«, so von Sellfried.

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