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Organ Haut

Viel mehr als nur eine Hülle

10.12.2012
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Von Brigitte M. Gensthaler, Christina Hohmann-Jeddi und Annette Mende / Die Haut ist mit etwa zwei Quadratmetern Oberfläche das größte Organ des Menschen. Sie bildet nicht nur die Schutzschicht, die den Organismus nach außen abgrenzt, sondern ist auch Sinnesorgan, Temperatur- und Feuchtigkeits­regler sowie Syntheseort für Vitamin D. Nicht zuletzt ist die Haut ein Spiegel von Stimmungen und Emotionen.

Die menschliche Haut besteht aus drei Schichten. Von außen nach innen betrachtet sind das die Oberhaut (Epidermis), die Lederhaut (Dermis) und die Unterhaut (Subkutis). Ober- und Lederhaut zusammen werden auch als Kutis bezeichnet. Die Epidermis ist ein sogenanntes verhorntes Plattenepithel. Sie lässt sich wiederum in mehrere Schichten unterteilen: die ganz außen liegende Hornschicht und darunter die Körnerschicht, die Stachelzellschicht, die Basalzellschicht und die Basalmembran (Grafik).

Basal- und Stachelzellschicht zusammen werden auch als Keimschicht bezeichnet, denn hier findet durch Zellteilung die Regeneration der Epidermis statt. Innerhalb von vier Wochen wandern die neu gebildeten Zellen bis hinauf zur Oberfläche, wo sie als feine Schüppchen abgestoßen werden. Täglich gehen auf diese Weise eine bis zwei Zelllagen verloren. Mit dem bloßen Auge sind die Schüppchen nicht zu erkennen. Sichtbare Schuppen bestehen aus mindestens 500 zusammenhängenden Zellen.

 

Stabile Schutzschicht

 

Die Dicke der Epidermis schwankt je nach mechanischer Beanspruchung der Hautpartie zwischen 0,3 und 4 mm. Auf ihrem Weg durch die verschiedenen Schichten der Epidermis verhornen die Zellen zunehmend, sterben ab und werden immer platter. Die Hornschicht besteht somit aus flachen, miteinander verbundenen und dadurch besonders stabil deckenden Zellen. Sie bildet das Barrieresystem der Haut, verhindert übermäßige Wasserverdunstung und das Eindringen von Fremdstoffen.

 

Die Oberfläche der Hornschicht reagiert mit einem pH von 5,5 schwach sauer, was man auch als Säuremantel der Haut bezeichnet. Der pH-Wert ist wichtig für die physiologische Besiedelung der Haut mit Mikroorganismen, vor allem Bakterien. Alkalische Seifen zerstören den Säuremantel. Durch die pH-Verschiebung können andere, schädliche Keime überhandnehmen und die gesunde Mikroflora verdrängen.

 

Eingestreut in die Basalzellschicht liegen Zellen, die den Hautfarbstoff Melanin bilden und speichern, die Melanozyten. Die Bildung des braunen bis schwarzen Pigments wird von UV-Licht angeregt. Die Melanozyten geben es in Form feinster Körnchen, den Melaningranula, an die Zellen der Epidermis ab. Jeder Melanozyt versorgt dabei 36 Epidermiszellen mit Melanin und bildet mit diesen zusammen eine sogenannte Pigmenteinheit.

 

Die Grenze zwischen Epidermis und darunterliegender Dermis verläuft nicht glatt, sondern weist Leisten, Zapfen und Vertiefungen auf. Das erhöht einerseits den Zusammenhalt und vergrößert andererseits die Kontaktfläche zwischen Ober- und Lederhaut. Die gefäßlose Epidermis wird über die Blutkapillaren der Dermis mit Sauerstoff, Energie und Bausteinen für die Zellsynthese versorgt. Entlang der Kontaktfläche zwischen Ober- und Lederhaut findet ein reger Stoffaustausch statt.

 

Die Dermis ist der bindegewebige Anteil der Haut. Die äußere, mit der Epidermis verzapfte Schicht ist reich an feinen Fasern, Immunzellen wie Histiozyten und Mastzellen, Blutkapillaren, Lymphgefäßen und Nerven. In den tieferen Schichten der Dermis sind die Fasern kräftiger, gebündelt und miteinander verflochten. Durch Gerben tierischer Häute erhält man aus diesen Anteilen Leder, was der Lederhaut ihren Namen gegeben hat. Die Dermis geht ohne scharfe Grenze in die Subkutis über. Diese besteht ebenfalls aus Bindegewebe, das jedoch lockerer strukturiert ist als das der Lederhaut. Eingelagerte Fettzellen dienen vor allem als Kälteschutz und als Energiespeicher.

 

Empfindliche Sensoren

 

Mit den Nerven des Hautbindegewebes nehmen wir Wärme, Kälte, Druck, Vibration, Schmerz und Juckreiz wahr. Die Nervenfasern für die Schmerzempfindung enden frei, andere wie die für Wärme- oder Druckempfinden bilden sogenannte Nervenendkörperchen. Ebenfalls im Hautbindegewebe finden sich glatte Muskeln, die zum Haar-Talgdrüsen-Apparat gehören. Bei Kälte ziehen sie sich zusammen und richten dadurch die Haare auf – Gänsehaut entsteht. Quer gestreifte, also willentlich bewegliche Hautmuskeln hat der Mensch nur im Gesicht und am Hals. Sie ermöglichen die Mimik.

Nägel, Haare und Hautdrüsen sind die Hautanhangsgebilde. Als Nägel bezeichnet man gemeinhin die leicht gewölbten, verhornten Nagelplatten, die die Oberseite der Finger- und Zehenendglieder bedecken. Zum Nagel gehören jedoch außer der Nagelplatte auch das darunterliegende Nagelbett, die in der Haut liegende Nagelwurzel und der häutige Nagelwall am Rand. Der Nagelmond am hinteren Rand der Nagelplatte bildet die Nagelmatrix, von der das Wachstum der Nagelplatte ausgeht.

 

Haare sind 5 bis 200 µm dicke Hornfäden. Sie setzen sich aus dem aus der Haut herausragenden Haarschaft und der unter der Haut liegenden Haarwurzel zusammen. Diese steckt in der Haartasche (Haarfollikel), einer schräg zur Hautoberfläche stehenden Einsenkung der Epidermis. Das untere, verdickte Ende des Haares bildet die Haarzwiebel. Sie sitzt auf der Haarpapille, die für die Ernährung und das Wachstum des Haares zuständig ist.

 

Anders als die Nägel wachsen die Haare nicht kontinuierlich, sondern in aperiodischen Zyklen. Ein normaler Haarzyklus dauert sieben bis acht Jahre. Danach fällt das Haar aus, die Haarpapille regeneriert sich und bildet ein neues Haar. Jeder Haarfollikel hat dabei seinen eigenen, von den Nachbarfollikeln unabhängigen Zyklus. Eine genetisch bedingte verstärkte Aktivierung von Testosteron zu Dihydrotestosteron sowie die vermehrte Bildung von Andro­gen­rezeptoren im Bereich der Haarpapillen können dazu führen, dass die Papillen verkümmern und eine Glatze entsteht.

 

Talg, Schweiß und Duftstoffe

 

Die Drüsen der Haut unterscheiden sich in Talg-, Duft- und Schweißdrüsen. Die allermeisten Talgdrüsen münden in Haarfollikel, sie werden auch als Haarbalgdrüsen bezeichnet. Freie Talgdrüsen gibt es an der Nasenöffnung, am Lippenrot und im Genitalbereich. Die meisten Talgdrüsen finden sich in der Gesichts- und Kopfhaut, auf Fußsohlen und Handtellern gibt es gar keine. Talgdrüsen bestehen aus großen Zellen, die zunächst feine Fetttröpfchen ansammeln und schließlich komplett zu Talg zerfallen. Man bezeichnet sie als holokrine Drüsen.

Frisch produzierter Talg ist bei Hauttemperatur flüssig. Er überzieht die gesamte Oberfläche der Haut und die Haare mit einer schützenden Fettschicht. Einige Bakterien der natürlichen Hautflora enthalten Esterasen, die die Tri- und Diglyceride des Talgs in freie Fettsäuren und Glycerol spalten. Die freien Fettsäuren tragen wesentlich zum sauren pH der Hautoberfläche bei.

 

Duft- oder auch apokrine Schweißdrüsen münden wie die große Mehrheit der Talgdrüsen ebenfalls in Haarfollikel. Sie finden sich in der Achselhöhle, im äußeren Gehörgang, um die Brustwarzen, die Geschlechtsorgane und in der Aftergegend. Sie produzieren ein fetthaltiges, leicht alkalisches Sekret, dessen charakteristischer Geruch erst bei Zersetzung durch die Bakterien der Hautoberfläche entsteht. Die Sekretion erfolgt apokrin, das heißt durch Abschnüren sekrethaltiger Ausstülpungen des Zytoplasmas.

 

Die Zahl der Schweißdrüsen wird auf etwa 2 Millionen geschätzt. Schweißdrüsen liegen in der Lederhaut, ihr Ausführungsgang mündet in einer eigenen Öffnung frei an der Oberfläche. Sie sind sogenannte ekkrine Drüsen, das heißt, ihr Sekret tritt durch die Zellwände hindurch in den Ausführungsgang der Drüse über.

 

Wie das Sekret der Duftdrüsen ist auch frisch produzierter Schweiß geruchlos. Übel riechende Verbindungen entstehen erst durch bakterielle Zersetzung von organischen Bestandteilen des Schweißes wie Milchsäure, Harnstoff und Aminosäuren. Diese machen 0,3 Prozent der Schweiß-Gesamtmenge aus. Daneben besteht Schweiß zu 0,7 Prozent aus Mineralstoffen wie Kochsalz und zu 99 Prozent aus Wasser.

Die Autorinnen

Brigitte M. Gensthalerstudierte Pharmazie in München und erhielt 1984 die Approbation als Apothekerin. Nach mehr­jähriger Tätigkeit in einer öffentlichen Apotheke wechselte sie in die Redaktion der Pharmazeutischen Zeitung. Seit Anfang der 1990er-Jahre arbeitet sie im Münchener Redaktionsbüro der Pharmazeutischen Zeitung. Sie leitet das Ressort Titel.

gensthaler(at)govi.de

 

Christina Hohmann-Jeddi studierte Biologie an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz. Nach Abschluss des Studiums absolvierte sie eine Ausbildung zur Wissenschaftsredakteurin, danach machte sie ein Volontariat bei der Pharmazeutischen Zeitung. Seit 2002 ist sie als Redakteurin beschäftigt und leitet seit Ende 2003 das Ressort Medizin.

hohmann-jeddi(at)govi.de

 

Annette Mende studierte Pharmazie in Bonn und erhielt 2002 die Approbation als Apothekerin. Sie arbeitete mehrere Jahre in Krankenhaus- und verschiedenen öffentlichen Apotheken in Schweden und Deutschland. Nach Volontariat bei der Springer-Medizin-Verlagsgruppe und Tätigkeit als Redakteurin im Newsroom der Ärzte Zeitung wechselte sie 2011 in das Berliner Büro der Pharmazeutischen Zeitung.

mende(at)govi.de

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