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Säuglingshaut

Richtig gepflegt

Nach der Geburt ist alles anders – auch für die Haut des Neugeborenen. Eben noch vom wässrigen, keimarmen, temperaturkonstanten Milieu der Fruchtblase umgeben, muss sie nun neue Aufgaben übernehmen. Zudem können in den ersten Lebensmonaten zahlreiche gutartige Hautveränderungen auftreten. Mit einer guten Beratung zur evidenzbasierten Pflege der Säuglingshaut können Apothekenmitarbeiter die Eltern unterstützen.
Caroline Wendt
09.12.2018
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Als neugeboren wird ein Kind in den ersten vier Wochen nach der Geburt bezeichnet, bis zum Ende des vollendeten 12. Lebensmonats als Säugling. Obwohl die Haut von Neugeborenen der Erwachsenenhaut bereits im Aufbau gleicht, sind einige Funktionen noch nicht voll entwickelt und strukturelle Unterschiede erkennbar (Grafik).

Die unterste Hautschicht, die Subkutis (Unterhaut), besteht bei Erwachsenen aus lockerem Bindegewebe und weißem Fettgewebe, das als Kälteschutz und Energiespeicher dient. Anstelle des weißen Fettgewebes befindet sich bei Säuglingen noch braunes. Das hat Vorteile bei der Thermogenese: Sinkt die Umgebungstemperatur, erzeugt eine Oxidation von Fettsäuren Wärme (zitterfreie Wärmegewinnung). Im Lauf des ersten Lebensjahrs wird das braune Fettgewebe durch weißes ersetzt.

Ohne eine definierte scharfe Grenze geht die Subkutis in die darüber liegende Hautschicht über: die Dermis oder Lederhaut. Hier finden sich bei Erwachsenen starke, miteinander verflochtene Kollagen-Typ-I-Faserbündel und elastische Fasern. Sie sind für die Widerstandsfähigkeit und Elastizität der Haut verantwortlich. Bei Neugeborenen sind noch unterschiedliche Kollagentypen vorhanden. Sowohl die Kollagen- als auch die Elastinfaserbündel haben noch nicht die Größe der Erwachsenenhaut erreicht.

Die Dermis ist von einem verzweigten Kapillargeflecht durchzogen. Dieses ist durch Vasokonstriktion und -dilatation an der Thermoregulation beteiligt. Beim Säugling erweitern und verengen sich die Kapillaren nur langsam. Dadurch kann die Haut von Kindern im ersten Lebensjahr nur verzögert auf Temperaturänderungen reagieren.

Die Gefäße der Dermis versorgen auch die darüber liegende Hautschicht – die Epidermis (Oberhaut). Die beiden Schichten sind über Papillarkörper der Dermis (kegelförmige Ausstülpungen) miteinander verankert. In den ersten Lebensmonaten fehlt diese Verzahnung noch und die Grenze zwischen Epidermis und Dermis verläuft parallel zur Hautoberfläche (Grafik). Der Säuglingshaut fehlt es dadurch an Stabilität. Sie ist empfindlich gegenüber mechanischen Belastungen, insbesondere gegenüber Scherkräften, wie sie zum Beispiel beim Abreißen eines Pflasters entstehen.

Die Epidermis ist ein mehrschichtiges verhorntes Plattenepithel. Bei Erwachsenen ist sie circa 50 bis 60 µm dick. Die Oberhaut eines Neugeborenen ist etwa 20 Prozent dünner. Durch eine vermehrte Proliferation von Stammzellen zu Keratinozyten hat die Neugeborenenhaut nach sechs bis acht Wochen die Dicke der adulten Haut erreicht.

Empfindlich gegen Sonne und Kälte

In der Basalschicht der Epidermis befinden sich die Melanozyten. Sie produzieren Melanin und schützen so die Haut vor schädlichen UV-Strahlen. Obwohl die Haut von Neugeborenen bereits 1500 Melanozyten pro mm2 aufweist, muss die Melaninproduktion erst in Gang kommen. Daher ist die Säuglingshaut besonders empfindlich gegenüber Sonnenstrahlen.

Auch die Thermoregulation ist noch nicht ausgereift. Neugeborene haben im Verhältnis zum Körpergewicht eine zweieinhalb bis dreimal größere Körperoberfläche als Erwachsene und kühlen daher deutlich schneller aus.

Auch hohe Temperaturen machen ihnen zu schaffen. Obwohl bereits bei Geburt die gleiche Anzahl ekkriner Schweißdrüsen wie bei Erwachsenen vorhanden ist, schwitzen Babys erst bei deutlich höheren Temperaturen. Daher können sie bei moderat warmen Temperaturen schlechter abkühlen. Erst im Alter von sechs bis acht Monaten normalisiert sich der Temperaturwert, ab dem Kinder in der Lage sind zu schwitzen.

Sensible Grenzschicht

Das Stratum corneum, die Hornschicht, bildet die unmittelbare Grenze zur Umwelt. Sie verhindert neben der Aufnahme von Fremdstoffen auch eine übermäßige Wasserverdunstung. Der transepidermale Wasserverlust (transepidermal water loss, TEWL) ist ein wichtiger Parameter zur Beurteilung der Barrierefunktion der Haut. Reifgeborene haben in der Regel gleiche oder niedrigere TEWL-Werte (durchschnittlich 4 bis 8 g/m2/h) als Erwachsene.

Anders sieht es beim Wassergehalt der Hornschicht aus. Die Stratum-corneum-Hydratation (SCH-Wert) entspricht erst mit etwa drei Monaten annähernd dem Wert der adulten Haut. Bis zu diesem Alter fühlt sich die Haut des Säuglings eher rau und trocken an.

Die Hornschicht ist mit einem dünnen Wasser-Fett-Film überzogen. Dieser Säuremantel setzt sich aus Aminosäuren, Abbauprodukten des Filaggrins, Schweiß und Sebum aus den Talgdrüsen zusammen. Der saure pH-Wert von 5,5 vermindert das Wachstum von schädlichen Mikroorganismen und ist wichtig für eine intakte epidermale Lipid barriere. Direkt nach der Geburt weist die Haut aufgrund der alkalischen Fruchtwasserflüssigkeit einen pH-Wert von 6,2 bis 7,5 auf. Bereits 24 Stunden später ist der pH-Wert deutlich gesunken und nach etwa vier Wochen im Normbereich (pH 5,2 bis 5,5).

Zunächst bleibt der Säuremantel jedoch labil. Nach Kontakt mit alkalischen Substanzen dauert es bei der Säuglingshaut viel länger, bis der physiologische pH-Wert wieder erreicht ist.

Käseschmiere nicht abwaschen

Zahlreiche Produkte versprechen eine schonende Reinigung und milde Pflege der Säuglingshaut. Doch welche Hautpflege ist die richtige? Neben Kinderärzten und Hebammen sind auch Apotheker wichtige Ansprechpartner für die Eltern.

Eine 2016 in der Fachzeitschrift »Pedia tric Dermatology« veröffentlichte Round-Table-Empfehlung europäischer Hautexperten gibt wichtige Anhalts punkte für eine evidenzbasierte Säuglingspflege. Die Dermatologen der Expertenrunde überarbeiteten dabei die 2009 erstellte Empfehlung auf der Basis neuer Studiendaten und brachten sie auf den neuesten Stand.

Die Hautpflege beginnt direkt nach der Geburt: Die Käseschmiere (Vernix caseosa) soll gemäß der Empfehlung nicht abgewaschen, sondern einmassiert werden. Sie besteht aus Wasser, Proteinen und Lipiden und schützt vor Austrocknung und Infektionen. Außerdem verringert sie den Wärmeverlust der Haut direkt nach der Entbindung. Neugeborene sollen nur vorsichtig mit einem Handtuch getrocknet und lediglich bei starken Verunreinigungen mit Wasser gewaschen werden.

Das erste Bad

Das erste Bad soll nach der Expertenempfehlung erst erfolgen, wenn die Körpertemperatur stabil ist, um ein Auskühlen des Kindes zu verhindern. Dabei sei nicht die absolute Körpertemperatur entscheidend, sondern wie stabil die Körperfunktionen insgesamt sind, erklärt Dr. Elke Hinderer, Fachapothekerin für Allgemeinpharmazie aus München, im Gespräch mit der PZ. Dieser Reifeprozess könne im Einzelfall bis zu vier Wochen dauern.

Zum Thema Baden hat die Expertenrunde des Round-Table-Gesprächs noch eine Reihe anderer Empfehlungen:
• Eltern sollten ihre Kinder mindestens zwei- bis dreimal pro Woche baden.
• Die ideale Raumtemperatur liegt zwischen 21 und 24 °C und die Wassertemperatur zwischen 37 und 37,5 °C.
• Die Badedauer beträgt 5 bis 10 Minuten.
• Badewanne und Badespielzeug müssen sauber, aber nicht desinfiziert sein.

Die Eltern brauchen keine Angst haben, dass das Bad die Haut ihres Kindes austrocknet. Denn Baden sei schonender als Waschen mit einem Waschlappen, schreiben die Experten. Zudem könne abendliches Baden das Einschlafen verbessern, das Tastempfinden stimulieren und die emotionale Bindung zwischen Eltern und Kind stärken.

»Ohne, ohne, ohne«

Bleibt die Frage, ob mit oder ohne Badezusatz: Gemäß der Expertenempfehlung ist beides möglich. Milde synthetische Detergenzien (Syndets) schaden der Säuglingshaut nicht. Die Waschlotionen sollten einen neutralen oder leicht sauren pH-Wert haben. Seifen, die aus Fettsäuresalzen bestehen, zum Beispiel Natriumcocoat oder Natriumlaurylethersulfat, sind zu meiden. Sie sind stark alkalisch, trocknen die junge Haut aus und waschen Talg, Lipide, Proteine und Schweiß ab. Daher können sie die Hautbarriere schädigen und Irritationen, Juckreiz oder Rötungen auslösen.

»Für mich gilt der Grundsatz: ohne, ohne, ohne. Ich empfehle nur Produkte, die ohne Duftstoffe, ohne Konservierungsmittel und ohne Farbstoffe sind«, betont Hinderer. Dies gelte nicht nur für Badezusätze, sondern auch besonders für Cremes und Lotionen.

Aber müssen Kinder überhaupt eingecremt werden? Während früher nur Kinder eingecremt werden sollten, die zu trockener Haut oder atopischer Dermatitis neigten, geht die aktuelle Empfehlung der Round-Table-Runde weiter. Hiernach können Hautpflegemittel (Emollenzien) dazu beitragen, die Hautbarriere zu erhalten und zu verbessern. Daher ist das Eincremen des Säuglings nach dem Baden, aber mindestens zweimal pro Woche sinnvoll. Um einen Okklusionseffekt zu verhindern, müssen die Eltern darauf achten, die Emollenzien dünn und sorgfältig, auch in den Hautfalten zu verteilen.

Neben dem Hautzustand sind auch das Alter, die persönlichen Eigenschaften und die aktuelle Jahreszeit bei der Wahl der Hautpflege zu beachten. »Ein aktives Kind von elf Monaten, das gerne draußen spielt, braucht natürlich eine andere Pflege als ein jüngerer Säugling, der vornehmlich drinnen ist«, erklärt die Fachapothekerin.

Um ein übermäßiges Austrocknen der Babyhaut zu verhindern, empfehle sie bei kaltem oder windigem Wetter Formulierungen mit einem höheren Lipidanteil (wasserfrei oder W/O-Emulsionen). Befindet sich das Wasser in der äußeren Phase der Zubereitung, könne es bei Minustemperaturen – wie bei Erwachsenen auch – zu Erfrierungen der Haut kommen.

Sehr aufmerksam sollten Eltern gemäß der Round-Table-Empfehlung auf die Region um den Säuglingsmund achten. Insbesondere beim Zahnen oder unter einem Schnuller kann herausfließender Speichel die Haut irritieren und ihre Barrierefunktion schädigen. Sie ist deshalb besonders empfindlich. Hautirritationen sollte ein Arzt begutachten, um Erkrankungen wie eine atopische Dermatitis auszuschließen.

Eingeölt

Häufig dienen auch Öle als Emollenzien. Von Küchenölen rät die Expertenrunde ab. Diese seien oft sehr heterogen zusammengesetzt.

Pharmazeutische Öle seien hingegen in gleichbleibender Qualität erhältlich. Dünn auf die leicht feuchte Haut aufgetragen oder in kleinen Mengen im Badewasser könne Öl die Hydrata tion der Babyhaut verbessern.

»Eine aktuelle Studie hat gezeigt, dass Olivenöl eher austrocknend wirkt«, berichtet die Apothekerin. Daher empfehle sie gerne Mandelöl aus kontrolliert biologischem Anbau.

Was tun bei Kopfgneis?

Mit Öl lassen sich auch die Schuppen des Kopfgneises entfernen. Kopfgneis ist eine Form der seborrhoischen Säuglingsdermatitis, die durch eine gesteigerte Talgdrüsenfunktion ausgelöst wird. Die Talgproduktion wird nach der Geburt durch Androgene, die über die Muttermilch übertragen werden, gesteigert. Die Schuppen sind fettig, gelb-braun und haften oft fest an der Kopfhaut. »In der Beratung sollten Apotheker die Eltern unbedingt darauf hinweisen, dass sie die Schuppen nicht abkratzen oder abrubbeln dürfen«, so Hinderer. Dann können Wunden entstehen, die sich entzünden können.

Aus medizinischer Sicht muss Kopfgneis nicht behandelt werden. Wollen Eltern die Kopfschuppen aus ästhetischen Gründen entfernen, sei der Einsatz von Ölen, ölhaltigen Gelen oder Sprays angebracht. Das Öl einige Stunden oder über Nacht einwirken lassen und dann mit einem milden Waschgel wieder abnehmen, lautet die Empfehlung. Unterstützend können die Eltern mit einer extra weichen Babyhaarbürste die angelösten Schuppen auskämmen.

»Auf keinen Fall dürfen Salicylsäure-haltige Präparate zur Schuppenentfernung genutzt werden«, betont die Expertin. »Die Säuglingshaut ist noch so dünn und durchlässig, dass die Salicylsäure systemische Vergiftungserscheinungen hervorrufen kann.« Dasselbe gelte auch für Produkte mit Alkohol oder hochpotenten Steroiden sowie eine großflächige Anwendung von Iod-haltigen Präparaten.

Differenzialdiagnose Milchschorf

Der Begriff Kopfgneis wird häufig synonym zu der Bezeichnung Milchschorf verwendet. Doch handelt es sich hierbei um etwas gänzlich anderes: Milchschorf, auch Crusta lactea genannt, ist eine frühe Form der atopischen Dermatitis (Tabelle). Die Schuppen sind eher hart, es bilden sich Verkrustungen und die Kopfhaut ist teilweise entzündet. Das Aussehen der Schuppen erinnert an angebrannte Milch – daher der umgangssprachliche Name.

Während Kopfgneis vornehmlich ab der zweiten Lebenswoche auftritt und meist spontan wieder verschwindet, manifestiert sich Milchschorf erst ab dem dritten bis fünften Lebensmonat und wird häufig im Rahmen einer atopischen Dermatitis chronisch. Daher ist die Behandlung des Milchschorfs ein Fall für den Kinderarzt.

Windeldermatitis: trocken und sauber

Die Windelregion bedarf einer besonderen Pflege. Denn unter der Windel herrscht ein feuchtwarmes Klima, das die Haut quellen lässt, empfindlicher gegenüber Reibung macht und mikrobielles Wachstum fördert. Auch Verdauungsenzyme des Stuhls schädigen die Hautbarriere. So können Trypsin und Lipasen Proteine und Fette der Haut zersetzen und Urease den im Urin enthaltenen Harnstoff zu Ammoniak spalten, der die Haut zusätzlich auslaugt.

Häufiges Windelwechseln und eine schonende Reinigung sind die wichtigsten Maßnahmen, um einer Windeldermatitis zu vorzubeugen. Das Baby kann mit Wasser und Waschlappen oder mit Feuchttüchern gereinigt werden. Apothekerin Hinderer weist darauf hin, dass die Feucht tücher frei von Alkohol, Farb- und Duftstoffen sein sollen. Nach der Reinigung sollte der Windelbereich vorsichtig trockengetupft werden, denn »zu starkes Reiben kann die Haut schädigen«.

Klassischerweise bilden die Symptome einer Windeldermatitis die Form eines »W«. Von den Innenseiten der Oberschenkel verläuft die Rötung zum Gesäß und der Analregion, weiter zu den Genitalien und zum Bauch. Die Hautfalten sind häufig ausgespart. Bei einer moderaten Form ist die Haut gerötet und mazeriert. Diagnostiziert der Arzt eine Windeldermatitis, sind Präparate mit Zinkoxid das Mittel der Wahl. Zinkoxid wirkt austrocknend und schwach desinfizierend.

Häufig liegt auch eine Besiedelung mit Candida albicans (Windelsoor) vor. Die geröteten nässenden Herde sind dann von einem weißen Saum umgeben. Im Randbereich der entzündeten Haut sind stecknadelgroße Pusteln, sogenannte Satellitenpusteln, zu finden. In diesen Fällen kann der Arzt Nystatin oder Miconazol verordnen.

Bei schweren Verlaufsformen ist der von Pusteln betroffene Bereich weiter ausgedehnt. Die Pusteln können auf eine Superinfektion, auch mit bakteriellen Erregern hinweisen. Differenzialdiagnostisch muss der Arzt Erkrankungen wie eine infantile Psoriasis, atopische Dermatitis oder eine hoch ansteckende Infektion mit Staphylococcus aureus oder Streptokokken (Impetigo contagiosa) ausschließen.

Verordnet der Kinderarzt eine antimykotische oder antibakterielle Therapie, sollten die Eltern auf gute Hygiene achten. Alle Textilien, die mit der entzündeten Haut in Kontakt kommen, sollten sie nur einmal verwenden und anschließend heiß waschen.

Acne

Während nahezu jeder Säugling zumindest einmal von einer milden Form der Windeldermatitis betroffen ist, tritt eine Neugeborenen-Akne deutlich seltener auf. Etwa 20 Prozent der Babys entwickeln eine Acne neonatorum. »Finger weg!«, sei der beste Rat, den Apotheker geben können, um noch stärkere Hautentzündungen zu vermeiden, sagt die Kollegin.

Die Neugeborenen-Akne entsteht, ähnlich wie der Kopfgneis, durch eine Androgen-vermittelte Überproduktion der Talgdrüsen. Emollenzien sollten auf der betroffenen Haut nicht aufgetragen werden, um einen follikulären Verschluss zu vermeiden. Nach drei bis vier Monaten verschwindet die Neugeborenen-Akne von alleine. Die Talgdrüsen bleiben dann bis zur Pubertät im Ruhezustand.

Abzugrenzen ist die Akne von einem Ausschlag, den 50 Prozent der Neugeborenen am zweiten Tag nach der Geburt entwickeln. Das Erythema toxicum neonatorum ist – entgegen dem Namen – völlig harmlos. Das Extremitäten-betonte Exanthem heilt nach einigen Tagen, spätestens nach der zweiten Lebenswoche folgenlos aus. Die 0,5 bis 1 mm großen Papeln sind zum größten Teil mit eosinophilen Granulozyten gefüllt. Die Ursache des Ausschlags ist noch nicht geklärt.

Marmorierte Haut

Auch das noch nicht ausgereifte Gefäßsystem des Neugeborenen kann für Hautveränderungen verantwortlich sein. Zeichnet sich bei leichter Auskühlung auf der Haut ein Netz aus geschlossenen Ringen ab, spricht man von einer Cutis marmorata. Die Ringe sind im Durchmesser etwa 2 bis 3 cm groß und verschwinden wieder, wenn die Temperatur steigt. Die reversible Hautveränderung ist harmlos und beruht auf einer Atonie der Venolen und einer Hypertonie der Arteriolen der tiefer liegenden Gefäße.

Etwa 5 Prozent aller Säuglinge zeigen ein weiteres Farbphänomen: den Harlekin-Farbwechsel. Liegen diese Säuglinge auf der Seite, ist die obenliegende Körperhälfte blass, während sich die untere tiefrot verfärbt. Diese Zweifarbigkeit ist meist harmlos. Tritt das Phänomen jedoch noch nach der vierten Lebenswoche auf, sollten Apotheker den Eltern raten, einen Arzt zu konsultieren, um einen Herzfehler auszuschließen.

Ebenfalls etwa 5 Prozent der reif geborenen Säuglinge entwickeln rote Gefäßtumoren, sogenannte Hämangiome. Diese verschwinden oft auch ohne Therapie (Kasten).

Hat der Storch gebissen?

Hellrote 0,5 bis 10 cm große Flecken in Gesicht und Nacken sind meist angeborene, harmlose kapillare Fehlbildungen. Diese als Naevus flammeus bezeichneten Hautmale kommen durch Vermehrung und Dauererweiterung der kapillaren Hautgefäße zustande. Zentral an Stirn und Nacken liegende Male (Naevus flammeus medialis) werden oft als Storchenbiss bezeichnet. Hier soll der Storch das Kind am Kopf gepackt haben. Die Stirnherde sind meist reversibel, die roten Flecken im Nacken nicht immer, bleiben jedoch später unter dem Haar verborgen.

Der Naevus flammeus lateralis ist einseitig und geht meist nicht zurück. Die Flecken werden häufig nicht nur als ästhetisch störend empfunden, sondern sind oft auch mit weiteren Fehl­bildungen assoziiert. /

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