Pharmazeutische Zeitung online
Apothekenbetriebsordnung

Widerstand gegen Apotheke light

08.11.2011  17:56 Uhr

Von Daniel Rücker / Bis zum 18. November soll die ABDA zum Referentenentwurf der Apothekenbetriebsordnung Stellung nehmen. Zwei Punkte werden dabei im Vordergrund stehen, sagt Lutz Tisch, ABDA-Geschäftsführer Recht.

PZ: Der Referentenentwurf zur Apothekenbetriebsordnung hat in der Apothekerschaft unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Die Spanne reicht von weitgehender Zustimmung bis hin zu totaler Ablehnung. Wie sehen Sie den Entwurf?

 

Tisch: Ich teile die Extrempositionen nicht. Eine pauschale Beurteilung hilft uns nicht weiter. Wir müssen differenzieren. Auf der einen Seite registrieren wir nämlich durchaus Verbesserungen gegenüber den beiden nicht für die Öffentlichkeit gedachten Papieren aus diesem und dem vergangenen Jahr. So hat der Verordnungsgeber im Referentenentwurf auf die ursprünglich geplante Gleichstellung von Botendienst und Versandhandel verzichtet. Diese Vermischung hätte erhebliche ordnungspolitische Konsequenzen gehabt. Außerdem stehen Rezeptsammelstellen weiterhin unter Genehmigungsvorbehalt. In den bisherigen Entwürfen war noch von einer vollständigen Freigabe die Rede. Auch die Weiterverwendung angebrochener Arzneimittelverpackungen ist im Entwurf nicht mehr drin. Hier haben unsere Gespräche im Ministerium offensichtlich Ergebnisse gebracht.

 

PZ: An welchen Stellen halten Sie den Referentenentwurf für nicht akzeptabel?

 

Tisch: Ganz eindeutig bei den Regelungen für Filialapotheken. Hier will der Verordnungsgeber Änderungen vornehmen, die systemverändernd wären. Obwohl es kein lösungsbedürftiges Problem gibt, will man Betriebsstätten von Filialverbünden zum Nachteil der Patienten in ihrer Funktionalität einschränken. Das ist nicht hinnehmbar.

 

PZ: Wo liegen die wesentlichen Knackpunkte?

 

Tisch: Der Referentenentwurf setzt Filialen gleich mit Zweig­apotheken. Sie sollen in Zukunft Arzneimittelprüfung, Rezeptur und Defektur an eine andere Betriebsstätte im Filialverbund delegieren dürfen. Dasselbe gilt für den Nacht- und Notdienst, sofern die andere Apotheke in räumlicher Nähe liegt, was immer dies genau bedeuten soll.

 

Was hier das BMG als vermeintliche Wohltat an die Apotheker verpackt in die Verordnung geschrieben hat, bedeutet eine massive Wettbewerbsverzerrung und gefährdet zudem die Funktionalität der öffentlichen Apotheken und damit die flächendeckende Versorgung. Es entstehen »Apotheken light« und damit Betriebsstätten, die nur noch einen Teil der Gemeinwohlpflichten selbst erbringen können.

 

PZ: Wie wird sich dies auswirken?

 

Tisch: Jede Apotheke hat einen lokalen Versorgungsauftrag. Wenn eine Filiale kein Labor mehr hat, keine Rezepturen mehr anfertigt und auch keinen Notdienst mehr macht, hat das Konsequenzen. Denn es verschlechtert sich die Versorgung in diesem Stadtviertel, wenn diese Leistungen an eine Apotheke im Filialverbund abgegeben werden. Unter Umständen liegt die dann in einer anderen Stadt oder im angrenzenden Kreis. Beim Notdienst besteht zudem das Pro­blem, dass die Dienste auch zwischen Kreisen abgestimmt werden. Darf die Dienstbereitschaft an eine andere Filiale abgegeben werden, funktioniert diese Abstimmung nicht mehr. Die Regelungen zu den Filialverbünden sind deshalb vor allem patientenfeindlich. Würden die Vorschläge umgesetzt, wäre dies ein reines Förderprogramm für Filialverbünde.

 

PZ: Wie werden Sie nun vorgehen?

 

Tisch: Die ABDA wird gegen die Regelungen zu Filialapotheken massiven Widerstand leisten. Es kann nicht sein, dass die Qualität der flächendeckenden Versorgung ohne erkennbaren Grund gefährdet und die heilberufliche Ausrichtung der Apotheker in Frage gestellt wird.

 

PZ: Haben Sie Unterstützer?

 

Tisch: Die Apothekenbetriebsordnung bedarf der Zustimmung des Bundesrates. Nach unserer Kenntnis gibt es auch in den Bundesländern erhebliche Bedenken gegen die Filialregelungen und die daraus resultierende »Apotheke light«. Die Landesregierungen kennen den Wert der flächendeckenden Arzneimittelversorgung. Wir glauben, dass der Bundesrat uns hier zur Seite springt.

 

PZ: Welche weiteren Passagen des Referentenentwurfs sehen Sie skeptisch?

 

Tisch: Wir wollen keine Beliebigkeit der wissenschaftlichen Hilfsmittel. In der alten Apothekenbetriebsordnung war klar geregelt, welche Literatur in der Apotheke verfügbar sein muss, um seine Aufgaben wie Rezeptur oder Beratung von Patienten und Ärzten nachkommen zu können. Dies ist im Referentenentwurf nicht mehr so eindeutig geregelt. Ich kann darin keinen Vorteil erkennen. Das BMG will mit der neuen Betriebsordnung ausdrücklich die Qualität der Apotheken verbessern. Mit der Regelung zu den wissenschaftlichen Hilfsmitteln erreicht es das Gegenteil. /

Mehr von Avoxa