Pharmazeutische Zeitung online
KlinPharmUpdate2010

Neue Erkenntnisse praxisnah

12.10.2010  15:36 Uhr

Von Axel Helmstädter, Mainz / Unter der Schirmherrschaft der Deutschen Gesellschaft für Klinische Pharmazie ließen sich Apotheker Anfang Oktober in Mainz von Experten über die neuesten Erkenntnisse aus zwölf Fachgebieten unterrichten.

Der langfristige Therapieerfolg bei Rheuma hängt von der Zeit ab, die vom Beginn der Symptome bis zur Vorstellung beim Spezialisten vergeht. Darauf wies Professor Dr. Gabriela Riemekasten, Berlin, hin. Spätestens nach zwölf Wochen sollte jeder Patient einem Rheumatologen vorgestellt werden, sonst sinken die Heilungschancen drastisch. Frühzeitig sollte man auch auf die Verminderung kardiovaskulärer Risikofaktoren durch Lebensstiländerungen achten. Man weiß heute, dass Rheumapatienten ein Diabetikern vergleichbares Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufweisen. Der Therapieerfolg sollte unbedingt anhand validierter Scores ermittelt werden, subjektive Symptomschilderungen der Patienten gelten als unzuverlässig. Eine neue Untersuchung zur Resorption und Verteilung von Diclofenac nach oraler und topischer Applikation legt nahe, dass Gelenkschmerzen besser oral, Muskelschmerzen besser topisch behandelt werden. Nach transdermaler Applikation fand sich kaum Wirkstoff in der Synovialflüssigkeit. Nach topischer Anwendung wird er vornehmlich im Fett- und Muskelgewebe angereichert.

 

Schnelles Handeln ist auch bei einer Sepsis gefragt. So ist eine chirurgische Herdsanierung innerhalb der ersten sechs Stunden nach deren Auftreten die wesentlichste therapeutische Maßnahme, erklärte Privatdozent Dr. Mathias Platz, Hannover. Infizierte Katheter und Prothesen sollten sofort entfernt, Abszesse eröffnet werden. Die Resistenzlage bei Antibiotikatherapien ist in einzelnen Fällen bereits heute, vor allem bei gramnegativen Keimen, bedrohlich. Es gibt inzwischen, vor allem in Indien und Griechenland, Keime, die Carbapenemasen bilden und gegen die nur noch die intravenöse Gabe von Colistin wirk­­sam ist.

 

Eine hingegen eher abwartende Haltung empfahl Professor Dr. Frank Birklein, Mainz, bei Rückenschmerzen. Nach Studienlage heilt ein Hexenschuss, die akute Lumbago, gewöhnlich von selbst. Gewisse Wirksamkeitsnachweise liegen für die Therapie mit dem Wirkstoff Duloxetin und eine achtwöchige Akupunkturbehandlung vor. Standard bleibt eine multimodale Therapie mit Arzneimitteln, Physiotherapie und psychologischer Betreuung. / 

Mehr von Avoxa