Pharmazeutische Zeitung online
Examensfeier Mainz

Abschied von der Uni

10.11.2015
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Von Mathias Jochen Schneider, Mainz / Das Institut für Pharmazie und Biochemie der Universität Mainz feierte Mitte Oktober 27 Absolventen im Fach Pharmazie. In diesem Rahmen wurde an das bereits Geleistete erinnert, ein Ausblick auf die Zukunft gegeben und im Rahmen eines Festvortrags neues Wissen vermittelt.

Professor Dr. Thomas Efferth vom Institut für Pharmazie und Biochemie eröffnete die Examensfeier mit Glückwünschen an die frischgebackenen Pharmazeuten. Der Zweck dieses Tages sei es, sich über das Geleistete zu freuen. Um die Bedeutung der Pharmazie für die Wissenschaft hervorzuheben, erwähnte Efferth die diesjährige Nobelpreisverleihung, in welcher die Forschung an Naturstoffen ausgezeichnet wurde. Diese Naturstoffe, namentlich Avermectin und Artemisinin, werden bei der Behandlung parasitärer Erkrankungen eingesetzt. Die multispezifische Wirkung von Artemisinin erklärte Efferth anhand der Tumorwirkung, welche Mitte der 1990er-Jahre zum ersten Mal beschrieben wurde. Krankheiten wie Krebs beträfen uns alle, woraus sich große Verantwortung der pharmazeutischen Forschung ergebe.

Glückwünsche richtete auch Pharmazierat Peter Stahl an die Absolventen. Der Vizepräsident der Landesapothekerkammer Rheinland-Pfalz wies auf die neuen Möglichkeiten, die sich durch die Entwicklung von elektronischen Hilfsmitteln in der Pharmazie ergeben, hin. Auch wenn diese den Apothekenalltag wohl unweigerlich verändern werden, können und würden diese niemals die persönliche Betreuung von Patienten durch den Apotheker ersetzen. Gerade hier jedoch sei die neue Generation von Pharmazeuten, welche die neue Technik besser beherrsche, gefragt. Stahl: »Zusammen mit der Erfahrung der Älteren und Ihrem eigenen Engagement können Sie die neuen Hilfsmittel zum Wohle der Patienten einsetzen.«

 

Vielseitige Berufschancen

 

Eine »besondere Freude« sei es für Cécile Lepper-Hasche, Leiterin des Landesprüfungsamtes für Studierende der Medizin und Pharmazie in Rheinland-Pfalz, die Examinierten beglückwünschen zu dürfen. Hierbei hob sie die überraschend hohe Zahl männlicher Absolventen im ansonsten von Frauen dominierten Fach Pharmazie hervor. Mit Verweis auf das nun folgende Praktische Jahr erläuterte Lepper-Hasche die Vielseitigkeit des Apothekerberufs und den Reiz, der durch die unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten von Pharmazeuten in diesem Berufsfeld entstände. Die Referentin betonte, dass die Pharmazeuten niemals ihren Humor aufgeben sollten. Diese helfe nämlich, den Arbeitsalltag noch angenehmer zu gestalten – auch für die Patienten.

 

Die Glückwünsche der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG) überbrachte Geschäftsführer Dr. Michael Stein. Auch die DPhG habe in diesem Jahr Grund zu feiern, nämlich ihr 125-jähriges Bestehen. Die Ziele der Gesellschaft, die pharmazeutische Wissenschaft und in diesem Sinne gerade den Nachwuchs zu fördern, seien auch heute noch aktuell, was an aktuellen öffentlichen Diskussionen um Ausbildung und Weiterbildung gesehen werden könne. Stein erinnerte zudem an die Vorträge und Tagungen der DPhG, welche für pharmazeutische Wissenschaftler sehr interessant seien.

 

Sartane als mögliche Schlankmacher

 

Professor Dr. Martin Michel von Boehringer Ingelheim Pharma hielt den Festvortrag. Der Satz »Ich will abnehmen« falle in der Apotheke sehr häufig. Übergewicht sei darüber nicht nur ein gesundheitliches, sondern auch ein volkswirtschaftliches Problem, da durch Übergewicht verursachte Krankheiten und Therapien die Krankenkassen belasten. Bei der Entstehung von Übergewicht spiele vor allem die Qualität des Essens eine übergeordnete Rolle. Die gängigen Therapien betrachtet Michel eher kritisch. So seien Diäten fragwürdig, da sie nie mit Studien belegt sind. Chirurgische Eingriffe seien zwar erfolgreich, aber mit großen Risiken verbunden und Medikamente seien bisher nur geringfügig effektiv. Darüber hi-naus würden Süßstoff und Zuckerersatzstoffe das Risiko für Übergewicht und Diabetes eher erhöhen als verbessern. Dies lasse sich durch die Veränderung in der Beschaffenheit der Darmflora erklären. Diese führte durch die Zufuhr von Zuckerersatzstoffen zu einer verstärkten Blutzuckerantwort und damit zum Gegenteil des gewünschten Effektes. Aus diesen Fakten ergebe sich, dass eine effektive Gewichtsabnahme zurzeit nur mit Disziplin und Durchhaltevermögen erreicht werden könne.

 

Im Folgenden ging der Referent auf den möglichen Effekt von Sartanen auf die Fettmasse ein. Versuche hätten gezeigt, dass sowohl gesunde als auch experimentell übergewichtige Versuchstiere nach einer Behandlung mit einem Sartan weniger Fettmasse aufzeigten. Beim Menschen lägen zurzeit noch keine konkreten Daten vor. Es gebe aber Hinweise auf eine solche Wirkung von Sartanen. Anhand dieser Fakten verdeutlichte Michel den Absolventen; wie wichtig es ist, immer kritisch zu bleiben und bei der Vermittlung von Inhalten an den Patienten stets sachlich korrekt und möglichst transparent zu bleiben.

 

Nach dem Festvertrag erfolgte die Zeugnisübergabe. Zudem wurden Sara Kindgen für die herausragende Leistungen im Rahmen ihrer Doktorarbeit mit dem Preis der Apotheker-Jacob-Stiftung und Sebastian Bothe mit dem Fakultäts-Preis für die beste Abschlussarbeit in der Pharmazie geehrt. Die Veranstaltung endete mit Grußworten der Fachschaft und einer Abschlussrede einer Absolventin. /

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