Pharmazeutische Zeitung online
Uni Mainz

Vorhang zum zweiten Akt gefallen

12.05.2015  16:22 Uhr

Von Mathias Schneider, Mainz / Mitte April ging für 20 frisch- gebackene Pharmazeuten der universitäre Teil der Ausbildung zu Ende. Den ehemaligen Studenten der Universität Mainz wurden im feierlichen Rahmen die Zeugnisse des Zweiten Staatsexamens überreicht. Die Festreden erinnerten sie an bereits Geleistetes und eröffneten ihnen darüber hinaus einen Blick in die Zukunft.

Professor Dr. Thomas Efferth vom Institut für Pharmazie und Biochemie der Uni Mainz begrüßte die Absolventen an ihrem »ganz besonderen Tag« und beglückwünschte sie zu ihrer Leistung. Um auch im künftigen Berufsleben immer auf dem aktuellen Stand des Wissens zu sein, legte Efferth den Studenten die Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft (DPhG) ans Herz, deren satzungsgemäße Aufgabe sowohl die Förderung der Wissenschaft als auch die wissenschaftliche Fortbildung der Mitglieder sei. Besonders interessant für die Absolventen sei die Mitgliedszeitschrift der DPhG »Pharmakon«. Efferth erwähnte zudem das Projekt 2020, dessen Ziel es auch sei, alte Lehrinhalte »auszurümpeln«, um Platz für neue spannendere Themen zu machen. Das Pharmaziestudium solle so auf den Stand der Zeit gebracht werden, was wichtig für die strategische Ausrichtung Deutschlands als Land der Medikamentenentwicklung sei. Efferth schloss mit der Aussage ab, dass hervorragende Pharmazeuten überall auf der Welt gebraucht würden.

Der Präsident der Landesapothekerkammer Rheinland-Pfalz, Dr. Andreas Kiefer, erläuterte, dass die optimale Arzneimittelversorgung nicht nur die Abgabe von Medikamenten in der Apotheke umfasst. Expertenwissen von Apothekern sei also nicht nur in der Offizin gefragt, sondern zum Beispiel auch bei der Entwicklung neuer Substanzen. Kiefer ermutigte die ehemaligen Studenten, auch im wissenschaftlichen Bereich zu arbeiten. Denn nur durch Betrachtung beider Blickwinkel, des naturwissenschaftlichen und des therapeutischen, sei die immer komplexer werdende Arzneimittelversorgung möglich.

 

Patienten optimal begleiten

 

Cécile Lepper-Hasche, Leiterin des Landesprüfungsamtes für Studierende der Medizin und Pharmazie in Rheinland-Pfalz, beglückwünschte die Absolventen ebenfalls zu ihren bisherigen Anstrengungen. Die Mühen der vergangenen Jahre hätten sich gelohnt, denn sie haben ein anspruchsvolles Studium abgeschlossen, worauf sie zu Recht stolz sein können. Lepper-Hasche erklärte, dass Pharmazie mehr sei als nur die Wissenschaft, die sich mit der Herstellung, Prüfung und Abgabe von Arzneimitteln befasse. Die Pharmazie bestehe aus vielen weiteren Teilbereichen. Für die Praxis bedeute dies, dass der Apotheker auf viel Fachwissen zurückgreifen kann. Darüber hinaus müsse er aber stets den Patienten als Ganzes betrachten, um ihn so optimal in der Therapie zu begleiten. Abschließend riet auch sie den Absolventen, sich im anschließenden praktischen Ausbildungsabschnitt verschiedene Tätigkeitsfelder anzuschauen.

 

Wissenschaft Pharmazie

 

Professor Dr. Petra Högger von der Universität Würzburg hielt den Festvortrag zum Thema »Wissenschaft Pharmazie – Was wissen Pharmazeuten?«. Einleitend verwies sie darauf, dass die Pharmazie als solche zwar erst seit dem 17. Jahrhundert ein eigenständiges Fach sei, jedoch vom Lehrinhalt zu den ältesten Fächern überhaupt gehöre. Die enorme Vielfalt an Wissen, das sich die Studierenden aneignen gliedere sich in die fünf Hauptfächer, anhand derer Högger die Fertigkeiten eines Pharmazeuten veranschaulichte. In der Chemie erlerne der Pharmazeut neben dem klassischen Kochen auch das »Maßschneidern« von Molekülen anhand bekannter Strukturen von Zielproteinen. Auch könne er in chemischen Strukturen lesen und so Eigenschaften erkennen. Seine analytischen Fähigkeiten seien gerade in der heutigen, von Arzneimittelfälschungen geprägten Zeit unabdingbar. Durch die pharmazeutische Technologie erlernte der Pharmazeut wie und vor allem warum aus Arzneistoffen Arzneimittel werden. Neben den klassischen peroralen Formen wurden ihm auch interessante andere »Verpackungen« gezeigt. Diese dienen beispielsweise der verzögerten Wirkstofffreisetzung oder aber auch der erleichterten Einnahme wie im Falle eines Wirkstoffschnullers für Klein-kinder.

 

Therapeutische Ziele identifizieren

 

Eine traditionsreiche Lehre sei auch die pharmazeutische Biologie, da auch heute noch viele Arzneimittel sowohl pflanzliche Extrakte als auch aus Pflanzen isolierte Reinstoffe sind. Heute weite sich das Feld auf die biogenen Arzneimittel, also gentechnisch hergestellte therapeutische Proteine und Antikörper aus. Diese Biologicals bieten eine Reihe neuer Therapiemöglichkeiten. Neben der Kenntnis der Herstellung sei der Pharmazeut auch in der Lage, komplexe Namen zu verstehen. Die Pharmakologie lehre den Studierenden, therapeutische Ziele zu identifizieren. So werde in der modernen Krebstherapie gezielt die Mutation des Tumors angegriffen, wodurch größere Therapieerfolge erzielt werden. Auch erkenne man heutzutage die Wirkung von Arzneistoffen auf die Gene und könne so neue Einsatzmöglichkeiten für bereits bekannte Stoffe finden. Die jüngste Teildisziplin, die Klinische Pharmazie, beschäftige sich mit der Anwendung von Arzneimitteln bei Patienten, was, gerade durch die in einer älter werdenden Gesellschaft immer häufiger anzutreffende Polypharmazie, immer wichtiger werde. Anhand von Medikationslisten könne der gelernte Pharmazeut Beschwerden, welche mit der Arzneimitteltherapie zusammenhängen, erkennen und vermeiden.

 

Im Anschluss erhielten die Absolventen ihre Zeugnisse und Adrian Arnold bedankte sich im Namen der ehemaligen Studenten bei den Professoren und Mitarbeitern des Instituts für die gemeinsame Zeit. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von Marlene Crone und Kefei Wu. /

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