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Scharfe Kritik der Apotheker
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Wiener Ärzte fordern weitgehendes Dispensierrecht 

Die Wiener Ärztekammer fordert ein »One-Stop-Konzept«, in dem Arztpraxen auch Medikamente abgeben dürfen. Scharfer Widerspruch kommt von der österreichischen Apothekerschaft, die in dem Vorstoß einen wirtschaftlich motivierten Irrweg auf Kosten der Sicherheit sehen. 
AutorKontaktLukas Brockfeld
Datum 29.05.2026  13:30 Uhr
Wiener Ärzte fordern weitgehendes Dispensierrecht 

Die geplante Notfallreform von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sieht unter bestimmten Bedingungen ein Dispensierrecht für Ärztinnen und Ärzte in Notdienstpraxen vor. Die Regelung ist umstritten. So warnte die ABDA vor der Schaffung unnötiger Doppelstrukturen und einer Aufweichung der Trennung der Berufsbilder von Arzt und Apotheker. 

In Österreich ist diese Trennlinie weit weniger scharf. In der Alpenrepublik gibt es ein Bedarfsprüfungssystem, das sicherstellen soll, dass neue Apotheken nur dort eröffnet werden, wo es tatsächlich einen Versorgungsbedarf gibt. Wenn keine Apotheke in der Nähe ist, dürfen Ärztinnen und Ärzte unter bestimmten Voraussetzungen eine Hausapotheke betreiben und selbst Medikamente an ihre Patienten abgeben.

Doch das scheint vielen Ärzten in unserem Nachbarland nicht weit genug zu gehen. Mitte Mai forderte die Wiener Ärztekammer ein deutlich ausgeweitetes Dispensierrecht für die Praxen. Dabei verwiesen die Ärzte auf eine aktuelle Umfrage, die im Auftrag der Ärztekammer durchgeführt wurde. Demnach wollen zwei Drittel der Wienerinnen und Wiener ihre Medikamente direkt beim Arzt erhalten.

Ärzte wollen »One-Stop-Konzept«

»Ein One-Stop-Konzept in Ordinationen, bei dem Patientinnen und Patienten sowohl ärztliche Beratung als auch Medikamente direkt erhalten, führt zu einer deutlichen organisatorischen und zeitlichen Entlastung«, erklärte Johannes Steinhart, Präsident der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien. Alle niedergelassenen Ärzte sollten daher das Recht zur direkten Abgabe apotheken- und verschreibungspflichtiger Arzneimittel in ihren Praxen erhalten. Ein solches Dispensierrecht würde das Leben der Patienten erleichtern und außerdem  die Therapietreue verbessern. 

Doch von der Österreichischen Apothekerkammer kommt deutlicher Widerspruch. Diese bezeichnet den Vorstoß der Ärzteschaft als »gefährlichen Irrweg auf Kosten der Versorgungssicherheit«. Die Forderung nach dem Dispensierrecht sei nichts weiter als der Griff nach einer weiteren Einkommensquelle auf Kosten des flächendeckenden Versorgungsnetzes der Apotheken. 

»Wer Apotheken die Grundlage entzieht, fördert nicht die Gesundheitsversorgung. Er zerstört sie – langsam, aber sicher. Und die, die das am härtesten trifft, sind nicht die Ärztinnen und Ärzte, sondern die Patientinnen und Patienten«, warnt Philipp Saiko, Präsident der Apothekerkammer Wien.

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