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Examensfeier Uni Mainz

Grund zum Feiern

02.05.2017
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Von Matthias Konhäuser und Elena Steiert, Mainz / Mitte April erhielten in einer festlichen Veranstaltung 21 Pharmazeuten der Universität Mainz nach Bestehen des Zweiten Staatsexamens ihre Zeugnisse. Umrahmt wurde das Programm von mehreren Grußworten sowie einem Festvortrag.

Zu Beginn beglückwünschte Professor Dr. Thomas Efferth vom Institut der Pharmazie und Biochemie in Mainz die Absolventen zum Erreichen eines neuen Lebensabschnitts. Dies gebe Grund zum Feiern. Er riet den Pharmazeuten, sich über die zukünftige berufliche Ausrichtung Gedanken zu machen. Hierbei sei zu beachten, dass sich der Beruf des Apothekers momentan im Umbruch befinde. Dies sei zum einen durch die folgenschwere Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs, die Preisbindung für verschreibungspflichtige ­Medikamente aufzuheben, gekennzeichnet. Zum anderen sorge die zunehmende Digitalisierung in allen Bereichen des Lebens für einen Umbruch.

Ein positiver Aspekt der Digitalisierung ist laut Efferth, dass die Apotheke auch außerhalb der Öffnungszeiten durch soziale Medien noch erreichbar sein könne. Aber die voranschreitende Digitalisierung berge auch kritische Aspekte. Besonders der Umgang mit vertraulichen Daten müsse gewährleistet sein, um einen Missbrauch jeder Art zu verhindern. Versandapotheken werden Efferth zufolge immer weiter in den Vordergrund rücken. Trotzdem bleibe unstrittig, dass die persönliche Beratung durch moderne Medien nicht ersetzt werden könne.

 

Auch Dr. Andreas Kiefer, Präsident der Landesapothekenkammer Rheinland-Pfalz und der Bundesapothekerkammer, Detlef Placzek, Präsident des Landesamtes für Soziales, Jugend und Versorgung in Rheinland-Pfalz, und die Fachschaft überbrachten den Absolventen ihre Glückwünsche.

 

Den Festvortrag hielt Dr. Gregor Fuhrmann, Leiter der Nachwuchsgruppe »Biogene Nanotherapeutika« im Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland. Während des Vortrages stellte der Pharmazeut zum einen das Krankheitsbild der Zöliakie sowie neue Therapiemöglichkeiten dieser Krankheit vor.

 

Fuhrmann beschrieb die Zöliakie als eine Autoimmunerkrankung, die zu einer überschießenden Reaktion des Immunsystems auf Gluten führt, welches unter anderem in Weizen, Roggen und Gerste vorkommt. Ein Grund für diese Autoimmunerkrankung sei, dass Gluten relativ resistent gegen körpereigene Enzyme ist, wodurch es nur bis zu einem bestimmten Maß gespalten werden könne. Die Folge seien große Gluten-Bruchstücke, die im Darm zurückbleiben. Antigenpräsentierende Zellen können diese Bruchstücke aufnehmen und auf ihrer Oberfläche präsentieren, so Fuhrmann. Dies führe zur Aktivierung des Immunsystems.

 

Fuhrmann stellte klar, dass eine lebenslange und strikte glutenfreie Ernährung bis heute die einzige Therapiemöglichkeit darstellt. Da allerdings glutenhaltige Nahrungsmittel ein allgegenwärtiges Problem für Erkrankte darstellen, würden verschiedene neue Therapieansätze erforscht. Einer davon stelle die Verwendung der Prolin-spezifischen Endopeptidase dar. Dieses Enzym baue große Gluten-Bruchstücke zu kleineren ab, welche das Immunsystem nicht mehr erkenne. Dieses Enzym kann laut dem Referenten zusätzlich mit Polymeren modifiziert werden, wodurch eine erhöhte Stabilität und Aktivität beobachtet werden konnte.

 

Ferner stellte der Pharmazeut einen Therapieansatz vor, bei welchem bereits die Glutenaufnahme in den Darm, durch eine Komplexierung mit Polymeren, verhindert werden kann. Eine dritte neue Therapiemöglichkeit könne laut Fuhrmann die Behandlung mit einem Parasiten sein. Nach dessen Ansiedelung im Darm konnten alle Probanden glutenhaltige Produkte ohne Symptome zu sich nehmen. Zu erklären sei dieses Phänomen mit durch den Parasiten ausgeschütteten Substanzen, die zum Herunterregulieren des Immunsystems führen. Für die Zukunft wäre es interessant herauszufinden, welche Substanz zu dem genannten Effekt führt, um daraus ein Medikament herstellen zu können, so Fuhrmann. /

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