Pharmazeutische Zeitung online
Osteoporose

Weniger Knochenbrüche mit Denosumab

06.07.2010  12:20 Uhr

Von Brigitte M. Gensthaler, München / Mit Denosumab kam Anfang Juli ein neues Wirkprinzip zur Osteoporose-Behandlung auf den Markt. Großes Plus: Der monoklonale Antikörper wird nur alle sechs Monate gespritzt und senkte in Studien die Frakturrate deutlich. Beides nützt den Patienten.

Mit der Therapietreue steht es bei Osteoporose-Patienten nicht zum Besten. So zeigte eine retrospektive Analyse, dass weniger als 30 Prozent von rund 4000 Patienten, die einmal wöchentlich oder einmal monatlich orale Bisphosphonate einnehmen sollten, nach einem Jahr noch die verordnete Therapie befolgten. Dies berichtete Professor Dr. Peymann Hadji von der Philipps-Universität Marburg bei der Einführungspressekonferenz von Denosumab (Prolia®, Amgen/GSK) in München. War ein Bisphosphonat zur täglichen Einnahme verordnet, waren nach einem Jahr nur noch 7 Prozent compliant. Die hohe Rate an Non-Compliance führte der Gynäkologe auf die wenig patientenfreundliche Einnahme dieser Wirkstoffe zurück.

Dieses Problem besteht bei dem neuen Wirkstoff nicht, denn der humane monoklonale IgG2-Antikörper wird nur einmal alle sechs Monate gespritzt. »Die Knochenre­sorp­tion wird nach subkutaner Injektion von 60 mg Denosumab anhaltend, aber reversibel unterdrückt«, erklärte Professor Dr. Lorenz Hofbauer vom Universitäts­klinikum Dresden. Dies könne man anhand von Marker­substanzen für den Knochenumsatz belegen: Der Marker CTX falle innerhalb von drei Tagen nach der Applikation stark und anhaltend ab und erreiche etwa neun Monate nach der letzten Injektion wieder sein Ursprungsniveau.

 

Dass die halbjährliche Gabe ausreicht, erklärte der En­dokrinologe mit der langen Plasma-Halbwertszeit von 28 bis 35 Tagen und dem Wirkmechanismus. Denosumab neutralisiert den sogenannten RANK-Liganden, der an RANK-Rezeptoren auf Präosteoklasten und Osteoklas­ten andockt und damit die Differenzierung und Aktivie­rung der Osteoklas­ten anregt. Durch die Unter­brechung der RANKL-RANK-Interaktion werden diese Kaskade sowie das Überleben der knochenabbauenden Osteo­klasten gebremst. Erst wenn die Wirkung des Antikör­pers nachlässt, könnten wieder Präosteoklasten zu Osteoklasten ausreifen, so Hofbauer.

 

Aufgrund der Studiendaten ist Denosumab zugelassen zur Behandlung der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen mit erhöhtem Frakturrisiko und bei Männern, die aufgrund eines Prostatakarzinoms antihormonell behan­delt werden. In einer dreijährigen Studie mit 7800 Frauen zwischen 60 und 90 Jahren reduzierte das Verum die Rate an Wirbelkörpereinbrüchen um mehr als 60 Prozent (relativ) gegenüber Placebo. In absoluten Zahlen: Die Bruchrate lag bei 7,2 Prozent in der Placebogruppe und 2,3 Prozent unter Verum. Hüftfrakturen nahmen relativ um 40 Prozent ab (absolut von 1,2 auf 0,7 Prozent). Auch die Rate aller Knochenbrüche sank signifikant.

In einer direkten Vergleichsstudie erhöhte der Antikörper die Knochendichte bei postmenopausalen Frauen nach zwölf Monaten deutlich stärker als Alendronat (70 mg einmal pro Woche peroral). Gleiches zeigte eine Studie mit Frauen, die vorher mindestens ein halbes Jahr lang Alendronat bekommen hatten und dann auf Denosumab umstiegen. Eine signifikant höhere Knochenmasse und reduzierte Frakturrate wurden ebenfalls in einer dreijährigen Studie bei Männern mit Prostatakrebs und hormonablativer Therapie nachgewiesen. In allen Studien hatten die Patienten zusätzlich mindestens 1000 mg Calcium und 400 IE Vitamin D täglich erhalten.

 

Unerwünschte Wirkungen waren unter Placebo ähnlich häufig wie unter Verum. Unter Denosumab kam es häufiger zu Ekzemen und Entzündungen des Bindegewebes der Haut. In einer Studie mit Prostatakarzinom-Patienten traten Katarakte und Divertikulitis häufiger auf als unter Placebo. Neutralisierende Antikörper gegen das Medikament wurden in keiner Studie beobachtet. / 

Mehr von Avoxa