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Ghana

Pharmazie im Land des Goldes

16.06.2015
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Von Sven Siebenand / Das westafrikanische Land Ghana wird wegen seines wichtigsten Exportguts auch als Land des Goldes bezeichnet. Die Goldmedaille würde Charles Dontoh, Apotheker aus der Hauptstadt Accra, der Arzneimittelversorgung in seiner Heimat angesichts der Lage auf dem Land, der Probleme mit Fälschungen und des Fachkräftemangels wohl nicht verleihen.

PZ: Wie wird man in Ghana Apo­theker?

 

Dontoh: Im Land gibt es drei Universitäten, an denen das Pharmaziestu­dium möglich ist. An zweien davon kann man nach vier Jahren einen Bachelor machen, an der dritten gibt es einen auf sechs Jahre ausgelegten Studiengang mit PharmD-Abschluss. Die Absolventen müssen auch ein einjähriges Praktikum machen, neun Monate davon im Krankenhaus und drei Monate in der öffentlichen Apotheke. Erst danach kann man sich für das Examen anmelden. Nach dessen Bestehen erhält man eine Registrierungsnummer und darf mit dieser als Apotheker arbeiten.

 

PZ: Wie sieht Ihre Arbeit als Apotheker aus?

 

Dontoh: Ich besitze eine öffentliche Apotheke. Neben den kaufmännischen Aufgaben bin ich hauptsächlich mit der Beratung und Arzneimittelinformation meiner Patienten beschäftigt. In unserem Land ist die Apotheke oft der erste Anlaufpunkt der Menschen, wenn Gesundheitsbeschwerden auftreten.

 

PZ: Wie ist der Apothekenmarkt strukturiert? Wie wird die Arzneimittelversorgung der Menschen sicher­gestellt?

 

Dontoh: Insgesamt gibt es in Ghana etwa 2000 registrierte Apotheker. Die meisten von ihnen arbeiten im Krankenhaus oder in der öffentlichen Apotheke. Von diesen gibt es derzeit gut 1900 im Land – inhabergeführte Unternehmen und Kettenapotheken. Der größte Anteil der öffentlichen Apotheken befindet sich in den großen Städten; nur sehr wenige sind in den länd­lichen Gebieten. Hier entsteht ein Problem. Denn etwa 70 Prozent der Bevölkerung lebt in diesen Regionen und sie sind damit, was die Qualität der Arzneimittelversorgung betrifft, deutlich im Nachteil.

 

PZ: Wie ist denn die Versorgung auf dem Land organisiert, wenn es dort kaum Apotheken gibt?

 

Dontoh: Arzneimittel dürfen auch in lizensierten, sogenannten Chemical Seller Shops verkauft werden. Die Verkäufer in diesen Läden haben aber leider kaum Ahnung von Medikamenten und machen von Zeit zu Zeit mal einen Auffrischungskurs ihrer Kenntnisse. Eigentlich dürfen die Chemical Sellers nur OTC-Arzneimittel und wenige andere Medikamente verkaufen. Einige davon halten sich aber nicht daran und verkaufen alles, inklusive parenterale Zubereitungen. Deshalb ist die Qualität der Arzneimittelversorgung auf dem Land auch schlechter als in den Städten. Es fehlt an Apothekern. 2000 Apotheker für 25 Millionen Einwohner ist deutlich zu wenig. In manchen Apotheken gibt es nicht mal einen Vollzeit-Apotheker. Man versucht dies aber zu ändern, damit sich die Menschen in den Apotheken auf die pharmazeutische Qualität verlassen können.

 

PZ: Gibt es weitere Probleme im Zusammenhang mit der Arzneimittelversorgung?

 

Dontoh: Aus unseren Nachbarländern kommen immer wieder gefälschte Arzneimittel auf den Markt. 

Weitere Problemfelder für uns Apotheker sind die schlechte Vergütung unserer Tätigkeiten und dass das vor einigen Jahren eingeführte nationale Versicherungssystem nicht funktioniert. In etwa die Hälfte der Bevölkerung hat sich dafür eingeschrieben. Das System ist mittlerweile aber kollabiert, weil die Leistungserbringer nicht zeitnah vom Staat für ihre Tätigkeiten bezahlt wurden. Teilweise mussten sie acht Monate oder länger auf ihr Geld warten. Einige sind daher schon wieder aus dem System ausgestiegen. Momentan ist es also so, dass die Patienten Dienstleistungen und Medikamente in der Regel komplett selbst zahlen müssen, wenn sie nicht zum Kreis der wenigen Privatversicherten gehören.

 

PZ: Was erwarten Sie sich vom FIP-Kongress in Düsseldorf?

 

Dontoh: Der FIP-Kongress ist immer ein großes Lern-Forum. Die Möglichkeit, Kollegen aus der ganzen Welt zu treffen, ist für mich Jahr für Jahr ein großer Anreiz, den FIP-Kongress zu besuchen. In diesem Jahr möchte ich natürlich auch mehr über die öffent­lichen Apotheken in Deutschland erfahren und daraus Ideen ableiten, um meine eigene Apotheke zu verbessern und meinen Kollegen hier in Ghana auch Ratschläge und Tipps dafür zu geben. /

Apotheke international

Im Vorfeld des FIP-Kongresses gibt die PZ in einer Reihe von Interviews Einblicke in die Arbeitsweise von Apothekern aus aller Welt. Folgende Länder kamen bislang vor:

 

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